Auszeichnung der EU-Kommission Hamburg leuchtet grün

Vom Umweltheizkessel bis hin zur Energiesparlampe: Die Hansestadt verhält sich beim Umweltschutz vorbildlich, befand Brüssel und kürte Hamburg zu Europas "grünster Stadt".

Von M. Kotynek und R. Wiegand

Der genaue Ort steht noch nicht fest, aber irgendwo im Hamburger Rathaus, dem Amtssitz von Ole von Beust (CDU), wird bald eine blau-grün bemalte, hölzerne Skulptur aus Brüssel ihren Platz finden. Ein Vertreter der Stadt nahm die Trophäe, deren Bestandteile ein flämischer Künstler in einem Wald gefunden hat, am Montagabend in Brüssel entgegen.

Damit ernannte die EU-Kommission Hamburg zur "grünsten Stadt Europas" - offiziell darf die Kommune den Titel im Jahr 2011 tragen. Mit dem Preis zeichnet EU-Umweltkommissar Stavros Dimas jene Städte aus, welche beim Umweltschutz führend sind und so die Lebensqualität der Bürger erhöhen. Hamburg setzte sich gegen acht Städte durch, darunter Amsterdam, Oslo, Freiburg und Münster. Für 2010 ging der Preis an Stockholm.

Für die erste schwarz-grüne Landesregierung in der bundesdeutschen Geschichte ist der Preis ein Imagegewinn - nach etlichen Rückschlägen. So hatte die grüne Umweltsenatorin Anja Hajduk als erste Amtshandlung das umstrittene Kohlekraftwerk an der Elbe genehmigen müssen, ein von den Grünen als Klimakiller verdammtes Projekt. Auch bei der Einrichtung von Umweltzonen kam es zu Verzögerungen. Jetzt will Hajduk den Rückenwind aus Brüssel nutzen, um Hamburg als "Plattform für den Austausch zwischen Experten und Bürgern zu Umweltfragen" zu etablieren.

Beust hatte selbst nach Brüssel reisen wollen, sagte wegen der Probleme um die HSH Nordbank aber ab. Der Bürgermeister sagte, die Auszeichnung belege, dass "Wirtschaftsentwicklung und Umweltschutz gut zusammenpassen". Bei der Preisverleihung lobte EU-Kommissar Dimas die Umweltpolitik von Stockholm und Hamburg: "Mit ihren Maßnahmen gegen Luftverschmutzung, Verkehrsstaus und Treibhausgasemissionen sowie mit ihrer Abfallverwertung sind sie beispielgebend für den Rest Europas."

Dimas schloss sich der Jury an, die fand, Hamburg habe sich zu "einer verantwortungsvollen Umweltpolitik und deren Finanzierung bekannt". Das Gremium aus Vertretern der EU-Kommission und anderen europäischen Behörden lobte insbesondere das Klimaschutzziel, zu dem sich Hamburg verpflichtet hat. Bis zum Jahr 2020 will die Stadt die Treibhausgasemissionen gegenüber 1990 um 40 Prozent senken, bis 2050 gar um 80 Prozent.

Darüber beeindruckte die Jury das Austauschprogramm für Glühbirnen, mit dem mehr als 200.000 herkömmliche Birnen in 400 öffentlichen Gebäuden durch Energiesparlampen ersetzt wurden. Hamburg hat außerdem zuletzt 18 Millionen Euro für 600 umweltfreundliche Heizkessel ausgegeben.

Die EU-Kommission will mit dem Preis europäische Städte zu vermehrten Anstrengungen beim Umweltschutz motivieren. Die EU hat sich im Dezember zum Ziel gesetzt, die Treibhausgasemissionen bis zum Jahr 2020 um 20 Prozent zu reduzieren. Einen wichtigen Beitrag dazu sollen die Städte leisten, in denen bereits vier von fünf Europäern leben. Die ausgezeichneten Städte dürften laut Kommission mit höheren Einnahmen aus dem Tourismus und dem Zustrom von Fachkräften rechnen.