Ausgesperrt Geld zurück bei Wucher

Einige Schlüsseldienste kassieren außerhalb der Geschäftszeiten ordentlich ab. Aber 250 Prozent über dem marktüblichen Preis sind zu viel - urteilt das Gericht.

Von Von Ekkehard Müller-Jentsch und Gabi Vögele

Höchstens drei Minuten benötigte im Mai letzten Jahres der Mitarbeiter eines Münchner Schlüsseldienstes, um eine ins Schloss gefallene Wohnungstür zu öffnen. Dafür stellte er der Frau, die sich unfreiwillig ausgesperrt hatte, 180 Euro in Rechnung. Die Kundin hielt diesen Betrag für völlig überzogen und ging vor Gericht.

Tatsächlich stellte jetzt eine Amtsrichterin fest, dass die Forderung des Schlüsseldienstes ein "die Wuchergrenze übersteigendes Entgelt" sei. Sie verurteilte das Unternehmen, 133 Euro an die Kundin zurückzubezahlen. Das Urteil ist rechtskräftig.

Die Betroffene hatte die geforderten 180 Euro zwar zunächst bezahlt, sich aber dann über die marktüblichen Preise informiert. Sie stellte fest, dass für "normale Wohnungsöffnungen" an Werktagen zur normalen Tageszeit um 50 Euro verlangt werden.

Daher forderte sie den nach ihrer Meinung um mehr als 250 Prozent überhöhten Betrag zurück und reichte Klage ein, als sich das Unternehmen weigerte. Der Chef des Schlüsseldienstes behauptete vor dem Münchner Amtsgericht, dass 180 Euro angemessen seien: "Es darf hier nicht nur auf die Zeit, die zur reinen Türöffnung notwendig war, gesehen werden" - in diesem Entgelt seien auch die Anfahrt sowie Vorhaltekosten für Personal und Material enthalten.

Die Richterin beauftragte einen Sachverständigen. Und der stellte fest, dass die Durchschnittspreise bei 40 bis 50 Euro lägen. Folglich sei die "Wuchergrenze" von 200 Prozent überschritten, meinte daraufhin das Gericht. In diesem Fall seien für die Türöffnung 47 Euro angemessen, die restlichen 133 Euro stellten eine "ungerechtfertigte Bereicherung dar" und müssen zurückerstattet werden.

Tipps für die Not

Dass Schlüsseldienste die Notlage hilflos vor verschlossener Tür stehender Wohnungsinhaber ausnutzen und weit überzogene Preise verlangen, kommt nach Beobachtungen der Verbraucherzentrale Bayern immer wieder vor. "Rechnungen von 300 bis 500 Euro sind keine Seltenheit", haben die Verbraucherschützer festgestellt.

Um eine unliebsame Überraschung beim Öffnen der Rechnung zu vermeiden, rät die Verbraucherzentrale deshalb, im Notfall nicht einfach die erstbeste Firma aus dem Telefonbuch zu beauftragten. Denn an die erste Stelle im Telefonverzeichnis drängelten sich oft Firmen, die sich bewusst Namen mit mehreren A als Anfachsbuchstaben zulegen, aber nicht ortsansässig sind. So fielen schon mal hohe Anfahrtskosten an.

Billiger komme es, wenn man sich einen Schlüsseldienst in der Nähe aussuche. Auch da sollte man aber schon am Telefon einen Festpreis vereinbaren, raten die Verbraucherschützer.

Und setze der Mann vom Schlüsseldienst gleich die Bohrmaschine am Schloss an, obwohl die Tür nur zugefallen und nicht abgeschlossen ist, sollten die Alarmglocken klingeln. Denn dann lasse sich die Tür in der Regel leicht öffnen, ohne dass das Schloss ausgetauscht werden muss.

Mittlerweile bieten Versicherungen auch Schutzbriefe an, die die Kosten für Schlüssel-, Heizungs- und Elektro-Notdienste abdecken.

Billiger ist es aber allemal, einfach beim Nachbarn einen Zweitschlüssel zu deponieren.

Aktenzeichen: Amtsgericht München 141 C 27160/03.