Der Konflikt im Libanon und der hohe Energiepreis belasten die Märkte. Besonderes Augenmerk liegt aber auch auf den Zahlen der Deutschen Telekom.

Jetzt müssen sich die Aktienmärkte abermals unter höheren Leitzinsen beweisen. Zum vierten Mal in Folge erhöhte die Europäische Zentralbank den Refinanzierungspreis für Geschäftsbanken auf nun drei Prozent. Die Währungshüter ließen kaum Zweifel daran, dass es bis Jahresende um bis zu einem halben Prozentpunkt weitergehen wird.

Die Deutsche Telekom will am Donnerstag Zahlen zum zweiten Quartal vorlegen. (© Foto: dpa)

Anzeige

Noch verkraftet der Aktienmarkt die damit einhergehende höhere Attraktivität für festverzinsliche Anlagen recht gut, zumal zwei Drittel der Dax-Unternehmen zuletzt mit ordentlichen Quartalszahlen aufwarten konnten. "Dabei lagen 50 Prozent der Gewinne über den Erwartungen, während weniger als 20 Prozent enttäuschten", sagt Analyst Frank Schallenberger von der Landesbank Baden-Württemberg.

Ausrutscher von Schwergewichten

Aufgrund der Ausrutscher einiger schwergewichtiger Titel wie etwa der Deutschen Post (Wochenbilanz der Aktie: -0,88 Prozent) oder der Deutschen Bank (-3,63 Prozent) schaffte der Dax jedoch am Ende nur ein mageres Plus von 0,31 Prozent.

In den folgenden fünf Handelstagen können nun die Commerzbank, der Sportartikelhersteller Adidas, die Immobilienbank Hypo Real Estate, der Energieriese RWE, die Deutsche Telekom, der Touristikkonzern TUI und der Stahlgigant Thyssen-Krupp die Anleger mit guten Quartalszahlen von ihren Aktien überzeugen.

Probleme bei der Telekom

Besonderes Augenmerk verdienen nach Ansicht der Aktienexperten die Zahlen der Deutschen Telekom. Europas größter Telekommunikationskonzern hat viele Probleme. Festnetz- wie Mobilfunkgeschäft laufen nicht rund, der ehemalige Monopolist verliert Kunden. Die einstige Volksaktie hat sich binnen sechs Jahren auf etwa ein Zehntel ihres Wertes verbilligt.

Zu allem Überfluss schließen viele Experten eine Gewinnwarnung nicht aus. Sollte der Kurs der T-Aktie weiter fallen, könnte dies zudem eine willkommene Gelegenheit für weitere Finanzinvestoren sein, bei dem im Vergleich zur riesigen konzerneigenen Infrastruktur stark unterbewerteten Dax-Unternehmen einzusteigen. Bislang hat sich mit Blackstone nur ein US-Beteiligungshaus mit 4,5 Prozent in den Bonner Konzern eingekauft.

Nach dem Quartalsendspurt droht die Sommerpause. Dann steigt tendenziell das Gewicht der Weltpolitik für die Märkte. Der Krieg im Libanon, der hohe Ölpreis und der schwelende Konflikt um das Atomprogramm des Iran sorgen schon jetzt für Nervosität.

Leser empfehlen 

(SZ vom 7.8.2006)