Gesunde Banken, volle Staatskassen - was andere Länder nur erträumen können, ist in Asien Wirklichkeit. Die hiesige Wirtschaft wächst rasant. Allerdings drohen auch hier neue Blasen.
Als sich die Manager von LG Display dieser Tage deutschen Analysten präsentierten, brachten sie erstaunliche Zahlen mit. Inder und Chinesen bestellen dieses Jahr 60 Prozent mehr superdünne TV-Bildschirme bei dem südkoreanischen Hersteller, erzählten die Gäste aus Seoul. 60 Prozent mehr Nachfrage, mitten in der Wirtschaftskrise? "Ja", sagten die Manager. Und fügten hinzu: Der Kaufhunger der Nachbarn wiegt die Konsummüdigkeit der Amerikaner und Europäer locker auf.
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Wie sich das Wirtschaftswachstum in verschiedenen Ländern entwickelt hat, sehen Sie in dieser Grafik. (© Foto: SZ-Graphik: Ilona Burgarth; Foto: Reuters; Quelle: Internationale Währungsfonds)
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Das kleine Glück der Bildschirmproduzenten ist kein Einzelfall. Asiens Volkswirtschaften wachsen rasanter als erwartet. Auf das ganze Jahr hochgerechnet, dürften sie von April bis Juli nach ersten Abschätzungen um zehn Prozent zugenommen haben - während die Euro-Länder stagnierten und die USA schrumpften. Was manchen Fachmann Lügen strafte. Denn nach dem Finanzcrash vor einem Jahr prophezeiten viele, die exportabhängigen Boomstaaten im Osten würden nun besonders hart getroffen - weil Europäer und vor allem Amerikaner weniger einkaufen. Was stimmt.
Doch die meisten asiatischen Staaten wachsen dennoch. Und überraschen damit erneut, wie schon nach der Asienkrise 1997/98 und dem Platzen der Internet-Blase zur Jahrtausendwende. In beiden Fällen sagten Beobachter voraus, der weltgrößte Kontinent werde nun Jahre in Stagnation zubringen. In beiden Fällen kam es anders. Wie auch jetzt.
Wobei das Wachstum nicht nur auf die üblichen Verdächtigen wie China und Indien beschränkt ist. Singapurs Wirtschaft legte im zweiten Quartal gegenüber den ersten drei Monaten um fast fünf Prozent zu, Südkorea um 2,6 Prozent, Indonesien um 2,4 Prozent. Damit entkoppeln sich diese Staaten in gewisser Weise von der siechen Weltwirtschaft - zahlreiche Ökonomen hatten bestritten, dass so etwas möglich ist.
Im Osten viel Neues
Die Boomstaaten hatten von Anfang an eine andere Ausgangsposition. "Diesen Ländern fehlen viele Probleme, die der Westen hat: Wackelige Banken, übermäßiges Kreditwachstum, hochverschuldete Staatsetats", sagt Alexander Banik, Asien-Experte bei der Deutsche-Bank-Tochter DWS. Marode Geldhäuser, ein großes Thema der Asienkrise, gibt es heute im Osten nicht mehr. Die Regierungen räumten auf. Die Finanzinstitute saugten sich auch nicht auf der Jagd nach Superrenditen mit Risiken voll wie US-Investmenthäuser oder deutsche Landesbanken.
Dazu kommt: Mit vollen Staatskassen lassen sich besser Konjunkturprogramme finanzieren als im Westen. Die Regierung in Peking begießt ihre Unternehmen mit einem Geldregen, der umgerechnet sieben Prozent der Wirtschaftsleistung entspricht - mehr als in Europa oder Amerika. Während die USA oder Deutschland Rekordverschuldungen entgegenstraucheln, hat die Regierung in Peking genug Geld, um zur Not ein weiteres Konjunkturpaket aufzulegen. In anderen Staaten der Region ist die Lage ähnlich.
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