Durchscheinender Beton: Der unbeliebteste Baustoff der Welt soll in Mexiko-Stadt die Architektur revolutionieren. Wenn das Experiment gelingt, wird sich die Architektur einmal mehr ändern.
Außer Architekten und Bauindustrie gibt es nur eine Gruppe mit Stimme, die den Beton als Kulturträger zu würdigen weiß. Es ist die Punk-Band S.Y.P.H. aus Solingen, die 1980 die Stampfhymne "Zurück zum Beton" veröffentlichte: "Ekel Ekel Natur Natur / Ich will Beton pur / Blauer Himmel Blaue See / Hoch lebe die Beton Fee".
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Natürlich ist die Metrik schmerzhaft, das muss so sein. Davon abgesehen: Wenn eine Punk-Band den Beton gegen die maßgebliche Natur-Romantik verherrlicht, kann Beton nicht mehr tiefer sinken. Davon lebt der Punk seit jeher: Auf rührende Weise kümmert er sich um die Ausgestoßenen und Aussätzigen. Am Beton, der zu den unbeliebtesten, am meisten missverstandenen Werkstoffen der Welt zählt, scheiden sich eben die Geister. Scheinbar kann es kaum etwas Provokanteres geben als die Parteinahme für Beton - gegen See und Himmel.
Allerdings irrt sich der Punk über das Wesen dieses faszinierenden Materials genauso gründlich wie der bekämpfte Rest der Gesellschaft, der auch heute noch "zubetoniert" sagt, wenn er den übermäßigen Landschaftsverbrauch beklagt; und der "Betonbunker" sagt, wenn er menschenfeindliche Architektur anprangert. In der Familie der Baustoffe ist Beton tatsächlich das schwarze Schaf. Holz gilt gemeinhin als natürlich und warm. Stein wird als solide und repräsentativ gewürdigt. Stahl und Glas sind Synonyme der Leichtigkeit und Eleganz.
Nur Beton muss sich vom Punk umarmen lassen, seines schockierenden Potentials wegen. Dabei gehört Beton, Punk und Gesellschaft wissen das nicht, zu den traditionellsten, natürlichsten, wandelbarsten und zukunftsfähigsten Baumaterialien.
"Traditionell" ist der Beton, weil er als Gussmauerwerk schon im Altertum Verwendung fand. Versetzt mit Travertin, Tuff- und Ziegelsplitt wurde er bereits beim Bau des Pantheons in Rom vor 2000 Jahren eingesetzt. Mit einer Form des Leichtbetons konnte damals erstmals ein Kuppelbau die gewaltige Spannweite von 43 Metern stützenfrei überwölben. Das Pantheon war eine unerhörte Sensation, die noch bis in unsere Zeit ausstrahlt.
Beton: überall und seit ewig
"Natürlich" ist Beton auch, da er aus Mörtel und Steinen besteht, Mörtel wiederum aus Wasser, Sand und Zement. Der Zement schließlich ist ein Gemisch aus Calcium, Aluminium und Eisen. "Wandelbar" ist Beton außerdem. Er ist extrem druckfest, kann aber mit Hilfe von Stahl auch Zugkräfte aushalten. Das macht ihn für die Hochtechnologie ebenso interessant wie für den Schiffsbau.
Das Material ist in jede Form gießbar und präzise zu verarbeiten, Beton ist wasserdicht, frostbeständig und wärmedämmend. Man kann ihn färben, steinmetzmäßig bearbeiten, begrünen oder sandstrahlen. Er kann jede Textur und Struktur annehmen. Kein Wunder, dass Beton neben Holz auch der "zukunftsfähigste" Baustoff ist: Jedes Jahr werden davon mehr als fünf Milliarden Kubikmeter verbaut. Die Baugeschichte ist ohne Beton nicht denkbar. Für die Pyramiden wie für den Burj Dubai, der bald als höchster Turm der Welt eröffnet wird, war und ist Beton eine Art Stein der Weisen.
All das hat aber nichts an seinem erbärmlichen Image geändert.
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was die Leser von süddeutsche.de immer wieder bewegt, sich mit einer derart negativen Grundhaltung oder verquerem Sendungsbewusstsein an das Kommentieren von Artikeln zu machen.
Gerhard Matzig versucht einen neu entwickelten Baustoff in einen baugeschichtlichen Kontext einzuordnen. Dies ist kein bautechnischer Fachartikel, will es auch gar nicht sein. Sonst müsste er ein Buch schreiben oder einen Forschungsbericht und keinen Online-Artikel. Kurz und knapp, ohne sich in technischen Details zu verlieren, will er einen Aspekt hinterfragen. In dem Fall wünsche ich mir eine verkürzte und vereinfachte Darstellung einzelner Nebenaspekte.
Materialien am Bau haben ein Vielzahl von Aspekten. Technische ebenso wie ästhetische. Ob das alles sinnvoll ist, darüber kann man im Labor und der Theorie jede Menge Mutmaßungen anstellen. Natürlich kann man auf Basis der bereits gemachten Erfahrungen mit verwandten Materialien und Verwendungszwecken jede Menge spekulative Annahmen treffen, natürlich könnte man einen Wust von Zahlen, U-Werte, Biegezugfestigkeit, Transmissionswerte, hier auflisten. Aber das wäre ein anderer Artikel. Dafür gibt es eine Vielzahl anderer Portale, Zeitschriften, Bücher.
Oder man kann auch einfach einmal ein Gebäude damit bauen und das in der Praxis prüfen. Und genau das soll passieren. Darüber wird berichtet.
Die Frage der Wärmedämmung dürfte in der genannten Klimaregion bspw. keine Rolle spielen, ebensowenig bei dem in den Bildern dargestellten Verwendungszweck. (Den kann man durchaus kritisch hinterfragen.)
Die Frage der Zukunftsfähigkeit könnte man stellen. Aber auch das ist nicht das Thema des Beitrages. Sicher ist allerdings, dass ich mir im Augenblick und auf absehbare Zeit nicht vorstellen kann, grundsätzlich und in allen Bereichen für Beton eine umweltfreundlichere Alternative zu finden. Ebenso wie es sicher ist, dass es auch bei Zement/Beton noch viele unerkannten Möglichkeiten der Optimierung und Weiterentwicklung gibt. Von einer handelt der Beitrag. Ob das ein Fortschritt oder eine Sackgasse ist, das kann heute wohl noch keiner seriös sagen.
Vielen Dank an die Unterstützer und Mitstreiter für mehr Qualität statt Quantität in der Berichterstattung.
Zum Glück für die SZ kann man die Bilderserien nicht kommentieren :).
Nahezu alles was in den letzten Jahren auf SZ-online zu Fragen der Technik oder der Zahlen veröffentlicht wird hält kaum einer Analyse Stand.
Es ist schlimm wie eine ehemalige Qualitätszeitung zu Grunde gerichtet wird.
Praktikanten schreiben billig und dann auch für wen?
Ich will eine bessere SZ, aber es ist vermutlich zu spät.
Dazu kommt, dass die Wärmedämmung mit den Glasfasern leiden dürfte, die Druckfestigkeit abnimmt und die Zugfestigkeit (mangels ordentlicher Armierung) total ruiniert wird.
Die (als Lichtleiter eingesetzten) Fasern bringen vermutlich hervorragende mechanische Eigenschaften, allerdings in einer Richtung, in der man sie nicht braucht.
Eine Milchglasscheibe würde es auch tun. Oder die komischen Glasziegel, die in den 60ern mal in waren. Ist aber billiger....
Sehr geehrte Damen und Herren,
ich bin eine langjähriger Leser der SZ. Zudem beschäftige ich mich beruflich seit mehr als zehn Jahren mit dem Thema Bauen, im speziellen Hochbau.
Leider läuft es mir jedes mal kalt den Rücken hinunter, wenn ich einen Artikel über Baustofftechnologien oder -kunde in Ihrer Online- Ausgabe lesen muss.
Selbst einfachste Dinge, die aus dem Beton- und Stahlbetonbau stammen, werden falsch oder nur unzureichend wiedergegeben.
So müsste es "einfach" ausgedrückt heißen: Beton ist ein Gemisch aus Zement als Bindemittel sowie naturlichen oder künstlichen, dichten oder porigen mineralischen Stoffen, die ungebrochen oder gebrochen sein können und natürlich Wasser.
Selbst diese einfache Beschreibung wird der Komplexität rund um das Thema Beton nicht gerecht.
Zum anderen wird Beton als "wärmedämmend" und als "zukunftsfähig" bezeichnet. Beide Aussagen sind grober Unfug. Beton kann man nur im Vergleich mit Stahl als Wärmedämmend bezeichnen. Und bei zukunftsfähig, sollte sich der Autor mal Gedanken über den CO2 Ausstoß (Nachhaltigkeit) bei der Zementherstellung Gedanken machen.
Eventuell ist der Artikel ja von jemanden "finanziert" worden, der ein Interesse daran hat, Beton besser aussehen zu lassen, als er ist.
Für meine Rechtschreibung entschuldige ich mich...
Paging