SZ: Was bedeutet Ihnen denn etwas?
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Hadid: Die vielen Studenten und jungen Leute, die in meine Vorlesungen und Vorträge kommen. Vor allem die Frauen. Alle wollen herausfinden, ob sie eine Chance haben, und manchen kann ich eine Perspektive eröffnen. Sicher tut es gut, so viel Anerkennung zu erhalten. Es begann, als ich Anfang dreißig war, 1983. Damals fühlte ich mich noch als Künstlerin, nicht als Architektin. Dann gewann ich den Wettbewerb für den Freizeitclub "The Peak" in Hongkong. Er sollte in einen steilen Berghang hineingebaut werden. Leider wurde er nicht realisiert, trotzdem ist der Entwurf ein Schlüsselwerk für mich, weil es keinen einzigen rechten Winkel darin gibt!
SZ: Gehen Sie eher intuitiv vor?
Hadid: Für mich ist Intuition nichts anderes als Beobachtungsgabe. So entstehen Erfindungen, glaube ich - nach dem Prinzip von Versuch und Irrtum. Man probiert etwas aus, irrt sich, versucht wieder und wieder und irgendwann hat man etwas Neues geschaffen.
SZ: Gab es je einen Augenblick, in dem Sie keine Idee mehr hatten?
Hadid: Der Druck, bei jedem Wettbewerb etwas Neues zu entwerfen, ist tatsächlich verrückt. Eigentlich braucht man viel Zeit dafür, aber die habe ich nun mal nicht. Also versuche ich immer wieder, ganz von vorne zu beginnen. Es ist wohl genau dieses Element der Unsicherheit, das Gefühl, eine Reise in unbekanntes Territorium anzutreten, weshalb es am Ende immer wieder gelingt.
Zaha Hadid, 59, wurde in Bagdad geboren. Zunächst studierte sie in Beirut Mathematik, dann bis 1977 in London Architektur. Im selben Jahr wurde sie Mitarbeiterin, dann Partnerin des Architekten Rem Koolhaas. Nachdem Hadid 1980 ihr eigenes Büro eröffnet hatte, fiel sie zunächst eher als Gastprofessorin und durch erlesen elegante Entwurfszeichnungen auf. Erst 1993 verwirklichte sie für den Möbelhersteller Vitra ihr erstes Gebäude, eine Feuerwache. Inzwischen entstanden 21 Hadid-Wahrzeichen weltweit, weitere 18 sind bis 2021 in Planung. Zaha Hadid gilt als die kosmopolitischste Architektin des 21. Jahrhunderts; der Palazzo della Ragione in Padua veranstaltet bis zum 1. März 2010 eine Retrospektive und im Taschen Verlag ist gerade eine erste umfassende Publikation über ihr Werk erschienen.
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(SZ vom 14.11.2009/gf)
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