Arbeitslose Fußballer Nur die Gehälter der Stars explodieren

Denn viele derer, die gut mit dem Ball umgehen können, scheitern im richtigen Leben. Wie Eike Immel, der ehemalige Nationaltorwart, der völlig abgebrannt im RTL-Dschungelcamp landete. Vom 2005 verstorbenen George Best, der ebenso genialen wie schillernden, britischen Fußball-Legende, ist der Satz überliefert: "Ich habe viel Geld für Alkohol, Frauen und schnelle Autos ausgegeben. Den Rest habe ich verprasst."

Am liebsten möchten sie alle nach der Karriere im Fußballgeschäft bleiben, als Trainer, Manager, Berater oder Talentsucher der Klubs. Doch es gibt bei weitem nicht genug solcher Stellen. "Vielleicht zehn Prozent der Profis können nach ihrer Karriere allein von dem leben, was sie sich zusammengespielt haben", schätzt Kindgen. Das Gros der gut 1300 Profi-Fußballer hierzulande ist von den Millionen-Gagen eines Robben, Ribery oder Raul Lichtjahre entfernt. Ein durchschnittlicher Bundesligakicker verdient nach Angaben der Spielergewerkschaft VdV monatlich im Durchschnitt 20.000 bis 25.000 Euro Grundgehalt. Ein Zweitligaspieler liege im Mittel bei 7000 bis 15 000 Euro, sagt Kindgen. Hier ist das Gefälle groß. Und in der dritten Liga liegt das Salär eines Profis im Schnitt nicht höher als das eines guten Facharbeiters: Zwischen 3000 und 6000 Euro im Monat.

So sehr das Fußballgeschäft boomt - die Gehälter explodieren nur bei den Stars. "Abgesehen von ihnen stagniert das Gehaltsniveau in der Bundesliga momentan mit bestenfalls leichter Tendenz nach oben", sagt Kindgen. In Liga zwei wird tendenziell weniger gezahlt als früher, und die dritte Liga ist und bleibt das Armenhaus des Profifußballs.

Wenn Fußball-Profis allerdings verarmen, liegt das nicht selten an ihnen selbst. "Bei uns in der Kabine geht es manchmal zu wie in der Fernsehwerbung", erzählt ein aktiver Lizenzspieler, der ungenannt bleiben möchte. "Mein Haus, mein Auto, meine Freundin, mein Boot." Prahlt der eine heute mit seiner 4000-Euro-Armbanduhr, hat ein Mitspieler am nächsten Tag eine für 5000 Euro. Fußballprofis sind junge Männer, die von heute auf morgen viele tausend Euros verdienen, während Gleichaltrige für 400 Euro Lehrlingslohn buckeln. Und dann ist da der große Schein.

Viel Geld animiert nicht nur zu einem großzügigen Lebensstil, es lockt auch viele Schulterklopfer an, falsche Freunde, windige Einflüsterer. Wohl dem, der einen seriösen Berater oder eine bodenständige Familie hat, die ihn zu erden wissen. Auch die mentalen Verlockungen sind groß: Plötzlich ist man als kickender Pop-Star ständig in den Medien, die Fans bejubeln einen, und die Vereine kümmern sich um alles: Behördengänge, Wohnungssuche, Vermittlung von Autos, Reisen, Handy-Verträgen. Doch irgendwann ist die Karriere vorbei und man muss sich um alles selbst kümmern.

Viele sind damit überfordert", sagt Kindgen. Der VdV hat einen Laufbahnberater engagiert. Der Weg zurück ins normale Leben dauere 18 Monate bis zwei Jahre, so Kindgen. "Das ist ein Prozess, weil viele über den Fußball hinaus nie eine Idee für sich und ihr Leben hatten."