Aktien beteiligen Anleger am unternehmerischen Erfolg - auch wenn es nur kleine Anteile sind. Doch die Deutschen halten Aktien für Teufelszeug. Dabei kommt man um den Dax nicht herum - wenn man ein Vermögen machen will.
Es ist ein Klischee, aber es bestätigt sich immer wieder: Deutsche Sparer sind Angsthasen. Sie halten Aktien für Teufelszeug und parken ihr Geld lieber auf Tagesgeldkonten. Weder die unablässigen Appelle der Politiker, doch bitteschön fürs Alter vorzusorgen, noch die Kursgewinne des Deutschen Aktienindex haben daran etwas geändert.
Das wichtigste deutsche Börsenbarometer wird 20 Jahre alt - und die Deutschen sind immer noch Angsthasen, wenn es um Aktien geht. (© Foto: AP)
Anzeige
Glückliche Millionäre sind rar
Am 1. Juli wird das Börsenbarometer 20 Jahre alt. Wer zur Geburtsstunde sein Geld in die 30 größten deutschen Aktiengesellschaften investiert hat, besitzt heute das 6,5-Fache seines Startkapitals. Doch glückliche Millionäre dürften rar sein - die Sparer scheuen das Risiko.
Beinahe 13 Millionen deutsche Aktionäre und Fondsbesitzer gab es im Jahr 2000 - auf dem Höhepunkt der Börseneuphorie. Dann haben sie erlebt, was ein Crash ist. Die "größte Geldvernichtung in der modernen Finanzgeschichte" nannte es Gottfried Heller, der Chef der Fiduka Vermögensverwaltung und Partner des verstorbenen Börsengurus André Kostolany. Millionen Mark wurden vernichtet. Aktien gerieten in Verruf. Die Zahl der Aktionäre schrumpfte auf 10,3 Millionen.
Das Misstrauen gegenüber den Unternehmenspapieren sitzt tief. Dabei werden die Geldberater nicht müde, uns ihre schlichte Börsenweisheit einzupauken: Mit Aktien kann jeder ein kleines Vermögen machen, wenn er nur lange dabeibleibt.
Hoffen, Bangen, Warten Dass die Lektion nicht so recht fruchtet, ist bedauerlich. Professor Richard Stehle, Kapitalmarktforscher an der Berliner Humboldt-Universität, hat die Wertentwicklung des Dax bis 1954 zurückgerechnet. Sein Ergebnis bestätigt, was viele Studien gezeigt haben: Mit Aktien ist mehr Geld zu verdienen als mit Zinspapieren.
Wer Mitte der fünfziger Jahre deutsche Aktien kaufte und sie heute noch besitzt, erzielte eine jährliche Rendite von 10,3 Prozent. Mit Bundesanleihen waren nur 6,6 Prozent zu holen. Aktionäre bekommen langfristig drei bis vier Prozentpunkte mehr Rendite als Staatsanleihen bieten. Warum sonst sollten sie bereit sein, die wankelmütigen Aktien zu halten statt der stabileren Anleihen? Ganz einfach: weil es mehr Geld bringt.
Der kleine Renditeunterschied wirkt sich langfristig gewaltig aus. Während aus 100 Euro in Dax-Aktien binnen 53 Jahren 18203 Euro wurden, waren es bei Anleihen nur 2915 Euro, also gerade mal ein Sechstel des Aktienvermögens.
Es gibt keine andere Anlageform, mit der Sparer so einfach und günstig an der Prosperität der Wirtschaft teilhaben, wie Aktien. Die Wirtschaftsleistung eines Landes, das Bruttoinlandsprodukt, ist nichts anderes als die Summe der Güter und Dienstleistungen, die in einem Jahr geschaffen werden - also der Umsatz der Unternehmen.
Schutz vor Inflation
Wächst die Wirtschaft real um vier Prozent im Jahr und liegt die Inflationsrate bei drei Prozent, können Unternehmen ihren Umsatz um sieben Prozent steigern. Bleiben die Gewinnmargen der Firmen gleich, nimmt auch der Gewinn um sieben Prozent zu. Sieben Prozent Kursgewinn dürfen schließlich auch die Aktionäre erwarten. Obendrauf werden noch die Dividenden gepackt, drei Prozent sind es in guten Jahren. Macht zehn Prozent - nicht schlecht.
Auf der nächsten Seite: "Mir gehört die Tür für das BMW-Vorstandsklo, das ist doch schon was"
Sie sind jetzt auf Seite 1 von 2 nächste Seite
- Aktienmarkt Der schlimmste Juni seit der Großen Depression 27.06.2008
- Börsen-Boom der New Economy Das Wertpapier Uschi 27.06.2008
- Chronologie Immer schneller über neue Tausender 13.07.2007
- Nach Kursrutsch an der Wall Street Aktienmärkte brechen weltweit ein 27.06.2008
- Gerüchte um Chrysler US-Autoaktien im freien Fall 26.06.2008
Christopher Lee zum 90.
Ich teile den Verdacht, dass dieses Loblied auf die Aktien von interessierter Seite gesungen wurde. Aktien halte ich für hochkomplex und m.E. sollte sich damit nur beschäftigen, wer bereit ist, das eingesetzte Geld im Extremfall zu 100% abzuschreiben.
Damit bewußt reich werden zu wollen, wenn man es nicht bereits schon ist, halte ich für eine sehr gewagte Strategie. Eine Altersversorgung oder Immobilienfinanzierung oder andere finanzielle Großprojekte über Aktien anstreben zu wollen ist Leichtsinn (s. Alterversorgung in den USA).
Und: hinter der Börse stecken "reale" Werte, z.B. eine Klotür? Ich glaube, Herr Professor, da sollten Sie nochmal drüber nachdenken....Da stehen doch eher Phantasien, Hoffnungen und Glauben dahinter, die oft leider alles andere als real waren.
Wenn die ganzen Bankexperten, Finanzoptimierer und pickeligen Schlaumeier mich nicht mehr beraten wollen, weil sie es nicht mehr machen müssen, dann fange ich vielleicht auch mal (wieder) an, über Aktien nach zu denken ...
gutes timing für den Artikel, wenn an anderer Stelle in der SZ der Aufmacher heißt:
"Nach Kursrutsch an der Wall Street:
Aktienmärkte brechen weltweit ein"
Ob das Kaufen und liegenlassen von Aktien in der heutigen Zeit wirklich noch eine vernünftige Strategie ist? Da sind sich die Experten uneins. Ein wenig auf die Zukunftsaussichten der Branche und Firma zu achten, macht sicherlich Sinn.
Wovon aber eigentlich jeder abrät ist 80% des Anlagekapitals in deutsche Aktien zu stecken. Warum das hier als Vorschlag gebracht wird kann ich wirklich nicht verstehen. Gab es nicht sogar vor kurzem einen Artikel in dem zu lesen war, dass die deutschen Anleger einen viel zu hohen Anteil in einheimische Aktien stecken und damit zuviel Risiko eingehen?
Die Grundthese, dass wir zu wenig Aktionäre in Deutschland haben vertrete ich auch, ändern wird sich da aber erstmal nichts. Eher im Gegenteil, wenn man an die geänderte Besteuerung der Kursgewinne ab 2009 denkt.
..ich mein Geld vor 20 Jahren statt in den Dax in Emerging Markets angelegt hätte, dann haate es sich bis heute ver34,265-facht. Und hätte ich Platin oder Nickel gekauft oder in die 10 grössten Ölfirmen investiert....
Also was für ein Dünnsinn. Und ein Anlageberater ist nichts anderes als ein Versicherungsvertreter nämlich ein Schönfärber vor dem Herrn und stehts in eigener Sache unterwegs.
Ich werde den Verdacht nicht los das dieser Artikel von der Finanzwirtschaft lanciert wurde, um die im Zuge der Subprimekrise leeren - weil verspekulierten - Kassen durch frisches Geld geköderter Sparer aufzufüllen und das kurz vor einer möglichen Rezession - Frechheit!
Seit 53 Jahren jedes Wochenende Lotto gespielt, immer Mindesteinsatz, dann noch jedes mal die 6 richtigen Zahlen getippt und aus 1 DM wurden in dieser Zeit
12834689404038739048364959673648659489376385495965737839495785494945505859494858945045568408 Euro
Ungefähr zumindest ;-)
Das ist ´ne Rendite!