Von Catherine Hoffmann

Aktien beteiligen Anleger am unternehmerischen Erfolg - auch wenn es nur kleine Anteile sind. Doch die Deutschen halten Aktien für Teufelszeug. Dabei kommt man um den Dax nicht herum - wenn man ein Vermögen machen will.

Es ist ein Klischee, aber es bestätigt sich immer wieder: Deutsche Sparer sind Angsthasen. Sie halten Aktien für Teufelszeug und parken ihr Geld lieber auf Tagesgeldkonten. Weder die unablässigen Appelle der Politiker, doch bitteschön fürs Alter vorzusorgen, noch die Kursgewinne des Deutschen Aktienindex haben daran etwas geändert.

Das wichtigste deutsche Börsenbarometer wird 20 Jahre alt - und die Deutschen sind immer noch Angsthasen, wenn es um Aktien geht. (© Foto: AP)

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Glückliche Millionäre sind rar

Am 1. Juli wird das Börsenbarometer 20 Jahre alt. Wer zur Geburtsstunde sein Geld in die 30 größten deutschen Aktiengesellschaften investiert hat, besitzt heute das 6,5-Fache seines Startkapitals. Doch glückliche Millionäre dürften rar sein - die Sparer scheuen das Risiko.

Beinahe 13 Millionen deutsche Aktionäre und Fondsbesitzer gab es im Jahr 2000 - auf dem Höhepunkt der Börseneuphorie. Dann haben sie erlebt, was ein Crash ist. Die "größte Geldvernichtung in der modernen Finanzgeschichte" nannte es Gottfried Heller, der Chef der Fiduka Vermögensverwaltung und Partner des verstorbenen Börsengurus André Kostolany. Millionen Mark wurden vernichtet. Aktien gerieten in Verruf. Die Zahl der Aktionäre schrumpfte auf 10,3 Millionen.

Das Misstrauen gegenüber den Unternehmenspapieren sitzt tief. Dabei werden die Geldberater nicht müde, uns ihre schlichte Börsenweisheit einzupauken: Mit Aktien kann jeder ein kleines Vermögen machen, wenn er nur lange dabeibleibt.

Hoffen, Bangen, Warten Dass die Lektion nicht so recht fruchtet, ist bedauerlich. Professor Richard Stehle, Kapitalmarktforscher an der Berliner Humboldt-Universität, hat die Wertentwicklung des Dax bis 1954 zurückgerechnet. Sein Ergebnis bestätigt, was viele Studien gezeigt haben: Mit Aktien ist mehr Geld zu verdienen als mit Zinspapieren.

Wer Mitte der fünfziger Jahre deutsche Aktien kaufte und sie heute noch besitzt, erzielte eine jährliche Rendite von 10,3 Prozent. Mit Bundesanleihen waren nur 6,6 Prozent zu holen. Aktionäre bekommen langfristig drei bis vier Prozentpunkte mehr Rendite als Staatsanleihen bieten. Warum sonst sollten sie bereit sein, die wankelmütigen Aktien zu halten statt der stabileren Anleihen? Ganz einfach: weil es mehr Geld bringt.

Der kleine Renditeunterschied wirkt sich langfristig gewaltig aus. Während aus 100 Euro in Dax-Aktien binnen 53 Jahren 18203 Euro wurden, waren es bei Anleihen nur 2915 Euro, also gerade mal ein Sechstel des Aktienvermögens.

Es gibt keine andere Anlageform, mit der Sparer so einfach und günstig an der Prosperität der Wirtschaft teilhaben, wie Aktien. Die Wirtschaftsleistung eines Landes, das Bruttoinlandsprodukt, ist nichts anderes als die Summe der Güter und Dienstleistungen, die in einem Jahr geschaffen werden - also der Umsatz der Unternehmen.

Schutz vor Inflation

Wächst die Wirtschaft real um vier Prozent im Jahr und liegt die Inflationsrate bei drei Prozent, können Unternehmen ihren Umsatz um sieben Prozent steigern. Bleiben die Gewinnmargen der Firmen gleich, nimmt auch der Gewinn um sieben Prozent zu. Sieben Prozent Kursgewinn dürfen schließlich auch die Aktionäre erwarten. Obendrauf werden noch die Dividenden gepackt, drei Prozent sind es in guten Jahren. Macht zehn Prozent - nicht schlecht.

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