Von Christian Euler

Devisen entwickeln sich meist unabhängig von Aktien und Anleihen. Mit verschiedenen Produkten können Privatanleger einsteigen.

Diese Zahl ist wahrhaft gigantisch: Tag für Tag schieben Devisenhändler durchschnittlich Währungen im Wert von 3,2 Billionen Dollar um die Welt - ein Vielfaches dessen, was an den Aktienbörsen umgesetzt wird.

Anzeige

Zum Vergleich: Im Juni erreichte der Aktienumsatz an der Deutschen Börse rund 164,8 Milliarden Euro - und das im ganzen Monat. Selbst im Mekka der Börsianer, an der New Yorker Wall Street, liegt das durchschnittliche Tagesvolumen bei nur 70Milliarden Dollar.

Während institutionelle Kunden wie Pensionskassen oder Versicherungen Devisengeschäfte längst nutzen, um ihre Portfolios wetterfest zu machen, entdecken Privatanleger nur zögerlich die Vorzüge des weltweiten Währungsmonopolys.

Dabei birgt der Devisenmarkt einen besonderen Vorteil, der gerade in schwachen Börsenphasen wie derzeit zum Tragen kommt: Die Wechselbeziehung mit Aktien- und Anleihemärkten ist sehr gering. Das ist das Ergebnis einer Analyse der Deutschen Bank, die das Auf und Ab von Dollar, Yen und Co. über einen Zeitraum von 25 Jahren unter die Lupe genommen hat.

"Devisen entwickeln sich weitgehend unabhängig von Aktien und Renteninvestments und können deshalb auch dann Gewinne verbuchen, wenn die Kurse an den klassischen Märkten sinken", sagt Petra Becher, Anlageexpertin der UBS.

Geld aus den Golfstaaten

Renditejäger können auf unterschiedliche Weise im Billionenmarkt mitmischen. Zu den Klassikern unter den Devisenfonds zählt der DWS Forex Strategy. Mit einer Wertsteigerung von 2,5 Prozent in den vergangenen zwölf Monaten hat sich der Fonds zwar deutlich besser geschlagen als die meisten Aktienindizes. Dennoch rentiert er damit schlechter als risikolose Geldmarktanlagen. Nach Berechnungen der Münchner Fonds Consult Research AG haben während der vergangenen zwölf Monate mit dem DWS Best Global FX Select Plus und dem HI Bankhaus Donner Devisen gerade einmal zwei von insgesamt 21 Devisenfonds den Geldmarktsatz geschlagen.

Die Zertifikateanbieter versuchen dieses Manko mit eigenwilligen Kreationen zu umgehen. Die Rendite sogenannter Twin-Win-Zertifikate auf Währungen etwa fällt umso höher aus, je stärker sich der Kurs vom Ausgangsniveau entfernt - unabhängig davon, ob der Wechselkurs steigt oder nachgibt. Wichtig ist nur, dass sich der Wechselkurs überhaupt bewegt. Mit dem Twin-Win-Papier der Bank ABN Amro profitieren Anleger von der Fortsetzung der bisher überaus starken Schwankungen des Euro gegenüber dem Dollar. Eine Kapitalgarantie schützt zusätzlich vor Verlusten.

Die Dresdner Bank geht mit ihrem Golfstaaten Währungszertifikat einen anderen Weg. Mit diesem Korb aus den Währungen der reichen Ölstaaten Saudi-Arabien, Vereinigte Arabische Emirate und Kuwait setzen Anleger darauf, dass Saudi-Arabien und die Emirate dem Beispiel Kuwaits folgen, das im Mai vergangenen Jahres die feste Dollarbindung seiner Währung aufgegeben hat.

Viel Phantasie

Das ließ den Dinar seither um fast neun Prozent steigen. Mögliche Kursgewinne gegenüber dem Dollar werden mit 110 Prozent weitergegeben. Tritt die erhoffte Entwicklung nicht ein, gibt es zum Laufzeitende am 11. Februar 2010 immerhin den Nominalwert von 100 Euro zurück.

Die Phantasie der Emittenten kennt keine Grenzen. Selbst sogenannte Carry Trades sind über Zertifikate möglich. Dabei nehmen Anleger einen Kredit in einem Land mit niedrigen Leitzinsen wie der Schweiz auf, um dieses Kapital in einer Hochzinswährung anzulegen - etwa der türkischen Lira. Der Haken: Dieses System funktioniert nur, solange die Kreditwährung nicht aufwertet und dadurch die Kreditkosten in die Höhe treibt.

Die UBS streut dieses Risiko, indem sie die drei Währungen mit dem höchsten und die drei Währungen mit dem niedrigsten Zinsniveau zu einem Paket schnürt. Der besondere Charme: Nimmt die Risikobereitschaft an den Kapitalmärkten ab, steigen die Eidgenossen aus den riskanten Hochzinswährungen aus und investieren in vermeintlich sichere Häfen.

Bisher hat sich diese Strategie gelohnt: Das Carry-Trade-Zertifikat gewann binnen Jahresfrist rund acht Prozent an Wert. Seit Mitte Juni bietet die UBS diese Strategie auch mit Kapitalgarantie und 1,4-facher Teilhabe an möglichen Gewinnen an - erweitert auf zwei Dutzend Währungen. Die Laufzeit endet am 6. Juni 2013.

Leser empfehlen 

(SZ vom 08.07.2008/hgn)