Von Matthias Autenrieth

Emanzipation im Anlagesektor: Frauen und Männern nähern sich in ihrem Anlageverhalten zunehmend an, sagt Constanze Hintze, auf die Beratung von Frauen spezialisierte Anlageexpertin.

Constanze Hintze ist Geschäftsführerin des Finanzdienstleistungsunternehmens Svea Kuschel und Kolleginnen. Das Unternehmen hat sich auf die Anlageberatung für Frauen spezialisiert. Im Interview spricht sie über Anlageverhalten und Investmentschwerpunkt von Frauen.

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Frauen legen ihr Geld nicht aus Spaß am Zocken an, sondern denken meist an die Altersvorsorge. (© Foto: ddp)

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Das weibliche Anlageverhalten gilt als wesentlich anders als das männliche. Diese Auffassung wird von etlichen Studien untermauert. Wie beurteilen Sie das aus Ihrer Praxis?

Hintze: Geldanlage ist sicherlich nicht die Leidenschaft von Frauen. Sie kümmern sich zwar darum, weil sie - inzwischen - vom Kopf her wissen, dass es nötig ist. Aber eben nicht leidenschaftlich. Der sportliche Ehrgeiz, der bei vielen Männern zu beobachten ist, fehlt. Frauen haben generell einen anderen Zugang zum Thema Geldanlage. Während Männer auf der Jagd nach der höchsten Rendite sind, wollen Frauen die optimale Anlage und legen auch viel Wert auf Punkte wie Sicherheit. Finanzlösungen für Frauen sollten in der Regel nicht ganz so risikobehaftet sein, dafür sollte eine höhere Flexibilität bestehen, wenn es um die Verfügbarkeit geht.

Wie sieht es mit dem Interesse am Thema Geldanlage aus?

Hintze: Dass sich Frauen zunehmend für das Thema interessieren, hängt mit generellen gesellschaftlichen Veränderungen zusammen. War früher überwiegend der Mann für die finanziellen Belange zuständig, kümmern sich inzwischen Frauen selbst darum. Dazu kommen die Erbinnen, die sich ebenfalls mit dem Thema Geldanlage auseinander setzen.

Wie stark der Anstieg aber gerade in den vergangenen Jahren ausfiel - in denen die private Altersvorsorge immer mehr zum Thema wurde -, verdeutlicht nicht zuletzt der Anstieg unserer Kundinnenzahl. Bis zum Jahr 2005 hatten wir nach knapp 20 Jahren insgesamt rund 6000 Frauen beraten. In den vergangenen drei Jahren ist die Zahl auf 12.000 gestiegen.

Beraten Sie Frauen anders als Männer?

Hintze: Im Hinblick auf die empfohlene Strategie wird die Beratung zusehends ähnlicher. Auch dies hängt mit grundsätzlichen gesellschaftlichen Veränderungen zusammen. Während Männer früher einen überwiegend gradlinigen, berechenbaren beruflichen Werdegang hatten, war der von Frauen oft durch Brüche und Auszeiten gekennzeichnet.

Dies trifft heute zunehmend auch auf die berufliche Situation von Männern zu, der berufliche Werdegang von Männern wird "weiblicher" - und dem entsprechend nähern sich auch die Bedürfnisse hinsichtlich der Geldanlage einander an. Nach wie vor unterscheidet sich aber die Art, wie man Kundinnen ansprechen muss, von der, in der man Männer berät. Männliche Kunden erreichen Sie über Charts, die Entwicklung der bisherigen Gewinne, Diagramme und ähnliche Dinge. Frauen dagegen wollen wissen, was mit ihrem Geld geschieht, wo die Risiken liegen und auch, was mit ihren angelegten Mitteln im schlimmsten Fall passieren kann.

Mit welchem Ziel legen Frauen ihr Geld an?

Hintze: Zu 100 Prozent für die Altersvorsorge. Allerdings geht es in meinem Augen bei der Geldanlage letztlich immer um diese Themen: Wie viel Geld habe ich im Alter, was kann ich mir im Alter leisten? Und hier haben Frauen aufgrund ihres beruflichen Lebenswegs momentan auch noch einen höheren Bedarf an privater Vorsorge als Männer - auch wenn sich dies zunehmend ändert.

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(sueddeutsche.de/jkf/mel)