Anlagebetrug mit erneuerbaren Energien Technik war besonders große Luftnummer

Großspurigkeit scheint überhaupt Geschäftsprinzip gewesen zu sein. Erwin Schuster erzählt, der GFE-Vertreter sei in einem Ferrari bei ihm aufgekreuzt. Bei einem Tag der offenen Tür Mitte September in der Nürnberger GFE-Zentrale wurden 400 Gäste mit Galadinner, Feuerspuckern, Wasserakrobaten und luftiger Trapezshow verwöhnt. Eine besonders große Luftnummer war nach Überzeugung der Ermittler jedoch die Technik der Blockheizkraftwerke.

Angeblich soll ihr Motor besonders leistungsstark sein und mit besonders wenig Rapsöl besonders viel Strom erzeugen können. Angeblich selbst dann, wenn man das Rapsöl mit viel Wasser verdünnt. Von einem Wirkungsgrad von 75 Prozent war die Rede. Fachleute schütteln ob dieser Zahl fassungslos den Kopf. 35 Prozent gelten als normal, 75 als unmöglich.

Gutachten von Dekra und TÜV Tschechien würden die Wundertechnik bestätigen, hieß es. Doch beide winken ab. "Wir haben nur den Rapsölverbrauch gemessen", sagt ein TÜV-Sprecher. "Es gibt kein Dekra-Gutachten über den Wirkungsgrad der Anlagen, wir haben nie eigene Messungen vorgenommen", sagt Gesa Köberle von Dekra Industrial.

Es ist nicht so, dass Anleger nicht gewarnt worden wären. "Unseriös, das kann nicht funktionieren", habe er Anrufern erklärt, sagt Adi Golbach, Geschäftsführer des Bundesverbands Kraft Wärme Kopplung. Allein schon der auf zehn Jahre garantierte Rapsölpreis - ein Unding angesichts der sich rasch ändernden Agrarpreise. Auch bei Erwin Schuster hat die Bank vergeblich abgeraten. "Ich dachte, die kennen sich nicht genug aus", sagt er. Er hat gekauft, nachdem ein mit der GFE verbandelter Steuerberater zum todsicheren Geschäft geraten hat.

Besonders groß war der missionarische Eifer der GFE-Vertriebsmitarbeiter. Kein Wunder bei den hohen Provisionen. 3,5 jener 19 Millionen Euro, welche die GFE nach Erkenntnissen der Staatsanwaltschaft allein zwischen 23. August und 13. Oktober bei Anlegern einsammelte, sollen an Vertreter geflossen sein. Weitere gut 4,6 Millionen Euro wurden in die Schweiz transferiert. Dort, in Heiden im Kanton Appenzell, sitzt die Muttergesellschaft GFE Energy AG.

Beschuldigte haben stattliches Vorstrafenregister

Um sie herum wurde ein Firmengeflecht gesponnen. Spuren führen auch ins esoterische Milieu. Fakt ist, dass viele Beschuldigte ein stattliches Vorstrafenregister aufweisen. Die Palette reicht nach SZ-Informationen von Betrug über Subventionsbetrug, Urkundenfälschung bis zu Insolvenzdelikten. Mindestens drei Beschuldigte haben Freiheitsstrafen hinter sich, gegen mehrere laufen Ermittlungsverfahren, zwei wurden im April 2010 in anderem Zusammenhang wegen Betrugs in 119 Fällen angeklagt.

Vielleicht sei das alles unerheblich, hofft Erwin Schuster. Immerhin habe er bis zur Razzia die garantierten Rückzahlungen pünktlich erhalten. Kein Wunder, sagen Ermittler, bei Schneeballsystemen kassieren immer die, die früh genug dabei sind. Bis die Blase platzt. Nun ist Schuster einer von 300 Anlegern, die den Rechtsanwalt Wulf Viola beauftragt haben. "Ich glaube, dass die Technik funktioniert, wenn auch vielleicht nicht mit den versprochenen Renditen", sagt dieser. Das müsse nun technisch neutral geprüft werden. Viola sagt, er wisse von zwei BHKW, die gut laufen würden.

Viel gibt es wohl nicht mehr zu retten. Die zentrale Firma, die GFE GmbH, ist pleite. Der vorläufige Insolvenzverwalter hängt in der Luft, denn die Geschäftsunterlagen sind beschlagnahmt. GFE-Verantwortliche waren auf Anfrage nicht zu erreichen. Wer bei der GFE in der telefonischen Warteschleife landet, dem dudelt Beethovens "Für Elise" ins Ohr. Die Schicksalsmelodie wäre besser.