Mini-Madoff: Ein japanischer Geschäftsmann erfand eine virtuelle Währung - und soll Anleger um mindestens eine Milliarde Euro betrogen haben.
Es ist, als wäre es den Bildern und Fiktionen, den Betrügern und Schwindlern zu eng geworden auf den Leinwänden und Bildschirmen; und so sind sie hinabgestiegen in die Wirklichkeit, und da betrügen und schwindeln sie so hemmungslos, als stünde im Off ein Regisseur, der irgendwann "Cut!" in sein Megaphon schreit. Diese Wirklichkeit heißt Finanzkrise, und sie offenbart wöchentlich eine neue Geschichte, deren Inhalt kaum grotesker und seltsamer sein könnte. Hollywoods Autoren hätten sie nicht besser schreiben können.
"Ich bin kein Betrüger." Er sei ein Opfer der polizeilichen Nachforschungen, sagte Kazutsugi Nami nach seiner Festnahme. (© Foto: AFP)
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Größter Anlagebetrug in der Geschichte
Die neueste Geschichte, wenn nicht über Nacht schon wieder eine dazu gekommen ist, spielt in Tokio, Japan. Ihr Hauptdarsteller heißt Kazutsugi Nami. Er ist 75 und einer, der es mit der Wahrheit wohl nicht so genau nimmt. Wenn es stimmt, was ihm die japanische Justiz vorwirft, dann hat er Investoren um mindestens 1,1 Milliarden Euro betrogen. Japans Medien sprechen und schreiben schon vom größten Anlagebetrug in der Geschichte des Landes. Jetzt habe auch Japan seinen Mini-Madoff.
Nami ist Geschäftsmann, seine Firma heißt L&G, das steht für Ladies & Gentlemen, ein Textilunternehmen. Die Frage, was Anleger dazu brachte, ausgerechnet einem Bettenverkäufer ihr Geld anzuvertrauen, können sie nur selbst beantworten. Fest steht, dass Nami ihnen eine jährliche Rendite von 36 Prozent versprochen hatte. 36 Prozent, dieses virtuelle Versprechen lockte und befriedigte die Gier vieler Anleger. Und damit nicht genug. Wer mindestens 870 Euro bei Nami anlegte, bekam dafür die gleiche Summe in einer Währung, die der Japaner selbst erfand; ihr Name: Enten. Nami versprach, so steht es im Protokoll der Tokioter Polizei, dass diese virtuelle Währung in der "Post-Rezessions-Ära" ein "legales, weltberühmtes" Zahlungsmittel werden würde.
"Ich war einfach zu gierig"
Nach seiner Festnahme sagte der 75-Jährige: "Ich bin kein Betrüger. Die Polizei hat mein Geschäft ruiniert. Ich bin ein Opfer der polizeilichen Nachforschungen." Dass er wahrscheinlich doch kein Opfer ist, beweisen die Aussagen tatsächlich Geschädigter. Der japanischen Nachrichtenagentur Jiji Press sagte eine 70-jährige Hausfrau, dass sie mehrere Hunderttausend Euro verloren habe: "Ich hatte Spaß und ein schönes Leben, aber ich war dumm. Es war mein Fehler, ich war einfach zu gierig."
Glaubt man der Polizei, so flog Namis Schneeballsystem bereits vor einiger Zeit auf. Schon 2007 begann der Geschäftsmann damit, die versprochenen Renditen in Enten statt in Yen auszuzahlen. Und dann verbot er Anlegern, ihre Investments bei ihm aufzulösen.
Nami ist bei der japanischen Justiz kein Unbekannter. Schon einmal wurde er wegen Betrugs verurteilt. Damals, im Jahr 1978, versprach Nami, er könne schmutziges Wasser zu Trinkwasser verarbeiten. Seine Firma ging Bankrott und er selbst ins Gefängnis.
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(SZ vom 06.02.2009/iko/mel)
Debatte über Urheberrecht
Vielleicht reicht der Mist dieser Millionen von Enten für eine subventionierte Biogasanlage. Quasi eine "Sachinvestition".
Enten kann man immerhin noch essen. Wenn man allerdings eine Millionen Enten "ausgezahlt" bekommt, dann sollte man sich ein wenig Gedanken über deren Unterbringung machen.