Von Corinna Nohn

Wer die richtigen Aktien hält, kann von Übernahmen oder Zusammenschlüssen der Institute profitieren - fünf Szenarien und mögliche Kursbewegungen.

Wer kauft wen für welchen Preis? Anleger, die den richtigen Riecher haben, können vom Übernahme-Poker in der deutschen Bankenlandschaft profitieren. Denn je nachdem, welches Szenario schließlich Wirklichkeit wird, dürften sich die Aktienkurse der beteiligten Institute nach unten oder oben bewegen.

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(1) Allianz verkauft Dresdner Bank

Egal, welche Lösung der Konzern findet - trennt er sich von der Dresdner Bank, werden nach Meinung von Robert Mazzuoli, Analyst der Landesbank Baden-Württemberg (LBBW), vor allem die Allianz-Aktionäre profitieren: "Der aktuelle Aktienkurs beinhaltet einen Abschlag von etwa 20 Prozent wegen des Bankgeschäfts im Konzern." Derzeit pendeln Allianz-Aktien um einen Stand von 120 Euro, auf Sicht von sechs Monaten hat der Analyst ein Kursziel von 140 Euro gesetzt. "Wenn aber bald eine Lösung kommt, sind sogar deutlich höhere Kurse drin", sagt Mazzouli.

(2) Commerzbank kauft Postbank

Für die Anleger der Postbank sieht es gut aus: Schon seit Monaten treiben Übernahmegerüchte den Aktienkurs in die Höhe. Denn wahrscheinlich müsste ein Käufer eine satte Prämie auf den Aktienkurs von derzeit etwa 61 Euro zahlen. "Die Deutsche Post als Großaktionär hat schließlich großes Interesse daran, einen hohen Kaufpreis zu erzielen", sagt Olaf Kayser, Analyst der LBBW.

Für Anteilseigner der Commerzbank beurteilt er die Situation hingegen weniger rosig. "Ihr fehlt die finanzielle Stärke, um die Postbank alleine zu übernehmen." Bei einem Preis von zwölf Milliarden Euro, was etwa 73 Euro pro Aktie entspräche, müsste die Commerzbank eine Kapitalerhöhung von zehn Milliarden Euro vornehmen, also neue Aktien ausgeben.

Das würde laut Phillipp Hässler vom Analysehaus Equinet wohl den Kurs drücken: "Je höher der Preis, desto schlechter wäre das Geschäft für die Commerzbank." Wer Papiere der Deutschen Post hält, dürfte sich allein dafür interessieren, wie viel der Käufer für die Postbank zahlt - zehn Milliarden, die knapp dem derzeitigen Wert der Aktien entsprechen, wären für sie enttäuschend.

(3) Commerzbank plus Dresdner Bank

Positiver für die Aktionäre der Commerzbank beurteilt Equinet-Experte Hässler einen möglichen Zusammenschluss mit der Dresdner Bank. Denn hier könnte die Commerzbank eine Kapitalerhöhung "durch Sacheinlage" vornehmen: Das Institut könnte neue Aktien ausgeben, mit denen es die Dresdner Bank bezahlt - die Allianz würde folglich zum (Groß-)Aktionär der Commerzbank. "Bei diesen Instituten besteht zudem ein höheres Synergiepotential - das könnte den Aktienkurs auf lange Sicht ebenfalls in die Höhe treiben."

(4) Der Dreierpack

Ein Zusammenschluss des Privatkundengeschäfts der Dresdner Bank mit Commerzbank und Postbank würde nach Ansicht der Analysten der US-Investmentbank JP Morgan das Problem lösen, dass sich kein Institut alleine die Postbank leisten könne. Zwar wäre die Fusion mit Risiken verbunden und "finanziell eine Herausforderung", wie es in einer Studie von JP Morgan heißt, doch langfristig dürften alle Anteilseigner profitieren. Sollte aber das Investmentgeschäft Dresdner Kleinwort mit einbezogen werden, wäre das lediglich für die Allianz-Aktionäre vorteilhaft.

(5) Deutsche Bank kauft Citibank

Dieses Szenario hätte kurzfristig wohl wenig Auswirkungen auf Aktienkurse: Das Kaufobjekt selbst ist an keiner Börse notiert, und im Gesamtkonzern spielt es nach Ansicht von Analysten eine zu geringe Rolle, als dass das Geschäft den Kurs der Citi-Gruppe bewegen würde. Auch bei der Deutschen Bank sei "nicht mit größeren Kursausschlägen zu rechnen, solange sich der Kaufpreis im Rahmen der erwarteten vier bis fünf Milliarden Euro bewegt", sagt LBBW-Analyst Kayser. Das sagt auch Hässler von Equinet: "Durch den Kauf würde die Deutsche Bank zudem ihr Privatkundengeschäft stärken, was sich langfristig positiv auswirken würde."

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(SZ vom 28.05.2008/hgn)