Die Rettung der Banken könnte schmerzliche Folgen haben: Inflation. Viele Länder fürchten einen Dollarsturz, die Chinesen sind schon alarmiert.
Katastrophenangst hatte bis vor wenigen Wochen noch Konjunktur. Dem Bankencrash folgte der Börsenkrach. Der Absturz der Weltwirtschaft ließ nicht lange auf sich warten. Alle Finanzmärkte sind in den vergangenen Monaten in schwere Turbulenzen geraten - egal, ob dort Aktien, Anleihen oder Rohstoffe gehandelt werden. Nur am Devisenmarkt herrschte weitgehend Windstille. Es könnte die Ruhe vor dem nächsten Sturm gewesen sein - dem Sturm auf den US-Dollar.
Es tobt ein Währungskrieg. Der Preis für die Bankenrettung könnte eine Inflation sein. (© Foto: dpa)
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Der Kurs des Euro ist am Mittwoch jedenfalls zeitweise auf ein neues Jahreshoch gestiegen. Die Gemeinschaftswährung nahm schwungvoll die Hürde von 1,43 Dollar und war damit so teuer wie lange nicht mehr. Seit Mitte April wertet der Euro fast ununterbrochen auf. "Es spricht viel dafür, dass diese Bewegung weitergeht, ich kann mir gut vorstellen, dass der Kurs auf 1,60 oder 1,70 steigt", sagt Eugen Keller, Währungsexperte bei Metzler Financial Markets. In den Charts spiegelt sich aber weniger die Stärke der Gemeinschaftswährung wider als die Schwäche des Greenback.
Angst vor der Inflation
Die Anleger sind zunehmend skeptisch, ob die steigende Verschuldung der USA und die außerordentlich laxe Geldpolitik nicht doch in Inflation münden. Diese Spekulationen setzten dem Dollar zu. Die Sorgen der Anleger bekommt auch die Regierung in Washington zu spüren. Käufer langlaufender amerikanischer Staatsanleihen, unter ihnen viele ausländischen Notenbanken, fordern heute deutlich höhere Renditen als noch vor Wochen.
Der Dollar fällt, die Inflationsangst steigt. Das treibt auch den Goldpreis, der bereits diese Woche über die Marke von 1000 Dollar springen könnte. Am Mittwoch kostete das gelbe Edelmetall 976,25 Dollar je Feinunze (31,1 Gramm). Auch der Preis für Rohöl ist geklettert. Nach Berechnungen der Organisation erdölexportierender Länder kostet ein Fass (159 Liter) jetzt 66,87 US-Dollar - fast doppelt so viel wie im Dezember. Öl, Gold und andere Rohstoffe profitieren davon, dass die Anleger sich wegen der lockeren Geldpolitik der Notenbanken vor Inflation fürchten und sich gegen einen Dollarverfall absichern, indem sie Sachwerte kaufen.
Nun mag der rasche Sinneswandel an den Märkten überraschen. Galt nicht vor kurzem noch die Deflation als größte Gefahr für die Weltwirtschaft? Passé! Seit der Kollaps des Finanzsystems und des Welthandels, der Anfang März noch möglich schien, abgewendet ist, gelten neue Regeln. Die Anleger, die zuvor panisch in Bargeld, Staatsanleihen und Dollar geflüchtet waren, suchen wieder das Risiko - und meiden den Greenback.
Finanzierungsbedarf: 2,5 Billionen Dollar
Gerecht ist das nicht: Die amerikanische Währung ächzt unter genau jenen Kosten, die erst die Rettung von Banken und Wirtschaft ermöglicht haben. Das Defizit des US-Staatshaushalts wird in diesem Jahr 14 Prozent der Wirtschaftsleistung betragen - mehr noch als in Japan, Großbritannien oder dem Euro-Raum.
Die steigende Staatsverschuldung führt zu einem großen Finanzierungsbedarf an den Anleihemärkten, der allein für 2009 auf 2,5 Billionen Dollar geschätzt wird. Die Sorge vor einem Überangebot an Papieren treibt die Rendite zehnjähriger US-Staatsanleihen immer höher. Das aber gefährdet den erhofften Aufschwung.
Hand in Hand mit der großzügigen Ausgabenpolitik der US-Regierung geht deshalb der Kauf von Staatsanleihen und anderen Wertpapieren durch die amerikanische Notenbank. Die Fed hat bereits für 1,75 Billionen Dollar Papiere erworben. Das bläht die Geldmenge auf. "Die Fed gibt dem Staat das Geld für seine Konjunkturprogramme. Der Preis dafür dürfte eine höhere Inflation sein", sagt Andreas Rees, Chefvolkswirt der Hypo-Vereinsbank. Das untergräbt den Wert des Dollars. Die Anleger fürchten, dass die USA ihre drückenden Schuldenlast durch Inflation erleichtern wollen.
Chinesen sind alarmiert
Kenneth Rogoff, früherer Chefökonom des Internationalen Währungsfonds, hat der US-Notenbank sogar empfohlen, ihr Inflationsziel für die nächsten Jahre auf sechs Prozent hochzuschrauben. Dann könnten die vielen Schulden nominal mühelos zurückgezahlt werden - allerdings mit einer Währung, deren Kaufkraft spürbar geschrumpft ist. Sechs Prozent Teuerungsrate bedeutet nämlich, dass Besitzer von Anleihen nach drei Jahren auf real fast 20 Prozent ihres eingesetzten Kapitals verzichten müssten.
Den Chinesen behagt das ganz und gar nicht. Sie sitzen auf US-Staatsanleihen im Wert von 1,5 Billionen Dollar und haben keine Lust zuzusehen, wie der Wert ihres Devisenschatzes schmilzt. Die wichtigsten Notenbanken Asiens haben deshalb am Mittwoch einen Versuch unternommen, den Verfall des Dollar zu bremsen. Die Notenbankchefs beteuerten - ungeachtet aller Bonitätsrisiken -, am Kauf von US-Staatsanleihen festzuhalten. Es gebe keine Alternativen zum Dollar. Das half der US-Währung kurzfristig, wird aber nicht von Dauer sein. Der Währungskrieg ist voll in entbrannt.
- Finanzmärkte An den Dollar gekettet 26.05.2009
- Staatsanleihen Angst vor der nächsten Blase 25.05.2009
- Geldanlage: Gold Glanz mit Tücken 19.05.2009
- Trichet im Gespräch "Das Finanzsystem erscheint mangelhaft" 29.04.2009
(SZ vom 04.06.2009/lauc/hgn)
DFB-Pleite gegen die Schweiz
"""Alles getürkt und übelst manipuliert."""
Ja, ja, der Kapitalismus ist ein Schwindel, aber eben ein gut gemachter. hihihi :o)))
Du wirst ihn nicht entzaubern, da nützt Dein ganzes Untergangs-Geblöke nichts. :-)))
Solange die Menschen das Geld und das Materielle lieben, solange läuft dieses schöne Spiel.
Möge die Sonne jeden Tag über die Börsen der Welt aufgehen............
Wie sich gerade eindrücklich herausstellt, war die Deflation doch eine künstliche. Derart zustandegekommen, dass die Banken die billigen Gelder, welche die Zentralbanken bereitstellten, nicht an die Realwirtschaft ausreichten. Vielmehr wurde das Geld in die Spekulation gedrückt und dies vor allem zum Zwecke der Erpressung, um die Staaten zur steuergesützten Rettung der Banken übelst und auf verbrecherische Weise zu nötigen. Zudem wurden die Börsen mittels gewaltiger Mittel an heißer Luft gestützt, was die Kurse bisher hochtreibt und beflügelt, ohne jeden Anlaß seitens realer Wertschöpfung dazu in das feld führen zu können. Alles getürkt und übelst manipuliert.
Nein, die Sättigung der Märkte sowie die durch eine irrsinige Geldpolitik erzeugte Inflation widerspiegelt die Wahrheit und nicht die Posse, die uns eine vorgebliche Erholung der Wirtschaft vorgaukelt.
Märkte, die nicht vorhanden sin, können nicht aus dem Nichts erstehen. Auch können Betriebe, welche an diesen vorbeiwirtschaften auf Dauer nicht gehalten werden. Währungen, die nicht durch reale Werte hinterlegt sind, fallen der Inflation anheim.
Das lernt man schon in den ersten Semestern der Volkswirtschaft. Im Kindergarten.
"Wenn nichts gespart wird, kann nichts investiert werden."
Wieso das denn? Das Geld ist ja mitunter immer noch vorhanden. Gerade langfristige Investitionen werden dann attraktiv ;-)
"Wenn nichts investiert wird, kann nichts produziert werden."
Es wird immer dann produziert, wenn es Nachfrage gibt. Eine hoher Geldumlauf ist stetige Nachfrage.
"Wenn ihre Theorie befolgt wird, bricht die Wirtschaft zusammen."
Wirtschaftlichen Zusammenbruch gibt es vor allem in der Deflation! Da will dann nämlich keiner mehr produzieren, weil morgen alles billiger wird...
Gruß Balldieb
Wenn nichts gespart wird, kann nichts investiert werden. Wenn nichts investiert wird, kann nichts produziert werden. Wenn ihre Theorie befolgt wird, bricht die Wirtschaft zusammen. Ihre Theorie wurde schon verschiedenlich von schwachen Regierungen befolgt. Die Folge war immer eine schwache Wirtschaft. Ernsthaft wird das niemand wollen.
Welcher Blitz? Ach, der der schon so oft vorhergesagt wurde und nie gekommen ist? Und jetzt soll er vielleicht wieder einschlagen. Die Geschichte wird langsam nur noch schlecht. Wenn der Dollar die nächsten 10 Jahre nicht untergeht hab ich also unrecht, weil er könnte in 20 Jahren ja untergehen? Das nenne ich eine starke Logik von ihnen.
Paging