Ramsch gegen Staatsgeld: Die EZB wirft womöglich schon bald sämtliche Grundsätze über Bord - und kauft Staatspapiere auf eigene Rechnung.
Das Problem ist klar: Griechenland, Portugal und Spanien brauchen Geld, sehr viel Geld. Doch die Finanzmärkte fordern einen Zinssatz, den diese Staaten immer schwerer aufbringen können. Potentielle Investoren haben Angst vor möglichen Staatspleiten im Euro-Raum, deshalb geben sie ihr Kapital nur noch zu diesen hohen Preisen her.
Die Währungshüter haben Marktpreise an den Börsen immer als wichtigen Signalgeber definiert. Wenn ein Staat hohe Schulden hat, so die These, dann müsse er eben solange sparen, bis er an den Finanzmärkten wieder kreditwürdig ist. (© Foto: dpa)
Anzeige
Die Europäische Zentralbank (EZB) könnte das ändern, indem sie Nachfrage erzeugt und diese Staatspapiere auf eigene Rechnung kauft. Die Zinsen für die unbeliebten Anleihen würden dann sinken, was die Schuldenkrise dieser Euro-Staaten abmildern könnte.
Der Plan hat allerdings einen Haken. Die EZB darf an den Börsen eigentlich keine Staatspapiere kaufen. Eine solche Maßnahme widerspricht dem Regelwerk und der Philosophie der EZB. Die Währungshüter haben Marktpreise an den Börsen immer als wichtigen Signalgeber definiert. Wenn ein Staat hohe Schulden hat, so die These, dann müsse er eben solange sparen, bis er an den Finanzmärkten wieder kreditwürdig ist.
Systemische Probleme
Dieser rigide Ansatz scheint allerdings politisch immer schwerer haltbar zu sein. Seit einigen Tagen diskutieren Politiker und Finanzmärkte die Option der Direktkäufe. In ihrer Erklärung vom Wochenende haben die EU-Regierungschefs schon mal erklärt, dass sie alle Aktionen der Europäischen Zentralbank zur Sicherung der Stabilität der Euro-Zone unterstützen würden.
Damit könnte der Direktkauf von Staatsanleihen gemeint sein. EZB-Präsident Jean-Claude Trichet ließ erklären, dass die Währungsunion vor systemischen Problemen stehe, was ebenfalls darauf hindeutet, dass ungewöhnliche Maßnahmen im Raum stehen.
Wenn die EZB direkt Staatsanleihen kauft, dann entspräche das einer Staatsfinanzierung über die Notenpresse. Das Vertrauen in den Euro könnte weiter abnehmen, denn das Drucken von Geld bedeutet Inflation.
Das Vertrauen in den Euro könnte aber umgekehrt auch wachsen, weil das Problem der Staatsfinanzierung erst einmal vom Tisch wäre. Die Geldentwertung kann sich zwar erst mit großer Verzögerung in steigenden Preisen ausdrücken, doch die Erhöhung der Geldmenge gilt Experten als Grundstein für die Vermögensentwertung. Einer aktuellen Emnid-Umfrage zufolge haben 52Prozent der Deutschen Angst vor einer Geldentwertung.
Die europäischen Währungshüter haben seit Beginn der Staatsfinanz-Krise schon mehrmals althergebrachte Prinzipien über Bord geworfen, zuletzt am vergangenen Montag.
Da entschied der EZB-Rat, griechische Anleihen als Sicherheit zu akzeptieren, obwohl diese Wertpapiere von der Ratingagentur Standard&Poor's als Ramsch eingestuft wurden. Banken tragen seither kein Risiko mehr, wenn sie griechische Anleihen kaufen - sie können die Papiere jederzeit bei der EZB gegen Bargeld eintauschen.
Dem Geist der Bundesbank verpflichtet
Noch vor einigen Monaten wäre eine solche Maßnahme der EZB undenkbar gewesen. Die Zentralbank versteht sich seit Gründung dem Geist der Deutschen Bundesbank verpflichtet, bei der die Geldwertstabilität immer im Mittelpunkt stand. Theoretisch kann nun Griechenland seine Schulden unbegrenzt über die EZB finanzieren, was ebenfalls inflationäre Wirkung entfaltet.
Die EZB gilt als politisch unabhängig, mittlerweile entsteht jedoch der Eindruck, die Institution werde von den politischen Ereignissen getrieben. Das nagt an der Reputation. Mittlerweile ist der EZB Kritik sicher, egal was sie tut. Wenn sich die Notenbank weigert, Staatsanleihen direkt zu kaufen, dann wird man sie im Ernstfall mit verantwortlich für eine Eskalation der Krise machen. Das erzeugt Reibung auch im EZB-Rat. Die jüngste Entscheidung, griechische Ramsch-Anleihen als Sicherheit zu akzeptieren, wurde nicht einvernehmlich getroffen.
Im Kern geht es auch um die grundsätzliche Frage, inwieweit eine Notenbank neben der Geldwertstabilität auch für Wachstum und Krisenprävention verantwortlich ist. Die amerikanische Notenbank Fed hat, anders als die EZB, sofort die Geldpresse angeworfen, um die Finanzkrise so schnell wie möglich zu beenden. Die Gefahr einer Inflation wurde dabei ganz offenbar billigend in Kauf genommen. In Europa ist das - noch - undenkbar.
- Thema
- Euro-Krise RSS
- Angst vor dem Flächenbrand Das Virus ist zurück 09.05.2010
- Eilantrag abgewiesen Karlsruhe billigt Griechenland-Hilfe 08.05.2010
- Nervosität an den Märkten Grob fahrlässiges Pleiten-Geplänkel 07.05.2010
- Ökonom Flassbeck "Ausscheiden und eine neue Währung einführen" 07.05.2010
- EZB und Griechenland Die Ohnmacht des Jean-Claude Trichet 07.05.2010
- Euro-Krise: Außenhandels-Präsident "Gift für die Wirtschaft" 17.05.2010
- Euro: Starker Wertverlust Mit Schwung in die Tiefe 17.05.2010
(SZ vom 10.05.2010/hgn)
DFB-Pleite gegen die Schweiz
ob wir systemwichtig sind und daher von ihnen gerettet werden können? ;-)
Man kann es wirklich nicht anders bezeichnen, als dass unser gesamtes im 19. Jahrhundert ersonnenes Wirtschafts- und Währungssystem kurz vor dem Ende steht.
Die Zentralbanken wurden für den Zweck gegründet, das Spiel der Banken und die Verschuldung der Staaten zu finanzieren. Jeder sollte wissen, dass Kredite nicht unbegrenzt vergeben werden können. Die Staaten sind längst an dem Punkt angekommen, wo sie kaum noch die Zinsen (!) ihrer Kredite zahlen können, und erst recht keine Tilgung.
Ich weiß nicht, wie lange das System noch zu überleben versucht. Aber ewig wird es nicht mehr so weiter gehen wie jetzt.
Die BIZ, die Mutter der Zentralbanken, veröffentlichte im Quartalsbericht Juni 2008, dass die Bankster weltweit auf wertlosen Papierschnipsel in Höhe von ca. 600 Billionen Dollar sitzen (600.000 Milliarden).
Um die Bankster vor dem sofortigen Kollaps zu bewahren, durften die Bankster ihre "Vemögensanlagen" aus den Bilanzen auslagern. Da kennen die sich schon bestens aus, weil die schon bisher in Zweckgesellschaften ausgelagerten Finanzbetrugspapierschnipsel wahrscheinlich doppelt so groß sind.
Europas Bankster sitzen auf 22,5 Bio. Euro wertloser Papierschnipsel, Deutsche Bankster haben Risiken über 800 Mrd. Euro aus den Bilanzen ausgelagert.
Und die EZB hat Angst um den Euro? Ich nicht. Ob Europas Bankster jetzt ihre wertlosen Papierschnipsel gegen Euros umtauschen, oder die H4-ler ihr Toilettenpapier, das Ergebnis ist das selbe.
Herr Zydra, Sie erwähnten am Rande, dass die US-Notenbank schon seit Beginn der Finanzkrise die Notenpresse angeworfen hat. Läppische 22,5 Billionen Dollar zur Rettung der größten Bänkster, mehrere Hundert kleine gehen trotzdem Pleite. Die Pleitewelle fängt jetzt erst richtig an, nach dem Zusammenbruch des Gewerbeimmobilienmarktes, der ca 4 mal so groß wie der Wohnimmobilienmarkt ist.
Doch Sie verschwiegen, dass die englische Notenpresse das selbe macht. Die Tomy´s bekommen schon lange keine Kredite mehr von privaten Investoren. Deren Staatsanleihen werden auch schon lange durch die englische Notenbank finanziert. Die letzte Stufe vor dem Bankrott.
Wenn also eine Weltmacht, die über Jahrhunderte hinweg die Welt ausplünderte und terrorisierte, jetzt am Abgrund steht, kann man den Angriff auf den Euro, speziell gegen D, auch als Krieg bezeichnen. Wenn wir schon untergehen, dann auch die anderen!! Eine Realwirtschaft gibt es im UK schon lange nicht mehr und die Finanzbetrugswirtschaft hat alle Asse im Ärmel bereits erfolglos ausgespielt.
Die EZB hat leider keine andere Wahl, um das Chaos noch a bissl rauszuschieben. Verhindern können sie es nicht.
Im Juni 2010 werden die Tender der EZB in Höhe von 442 Mrd. Euro zur Rückzahlung fällig (Bei der Fed 1500 Mrd. Dollar). Doch die Bankster haben das ganze Geld im Eigenhandel und an der Börse verzockt. Die Börse boooomte. Der Aufschwung ist da!! Dafür gab´s Milliarden-Boni. Tolle Leistung, gell.
Und jetzt .... ja jetzt..... stehen die Bankster schon wieder vor der Pleite, die Armen.
Im Juni wird der Begriff: "Panik an den Börsen" neu definiert. Außer die EZB verschenkt die 442 Mrd. an die Bankster. Spielt eigentlich auch keine Rolle mehr. Der Zusammenbruch des Weltfinanzsystems kann nicht mehr länger hinausgeschoben werden.
was steigende Zinsen in der Eurozone durch einen Vertrauensverlust uns kosten kann?
Wir sind mit 75% des BIP, also etwa 1500 Mrd Euro verschuldet. 3% Zins als guter Schuldner: 45 Mrd Zinsen. 4% im Mittel 60 Mrd Euro, 6% 90 Mrd. Wie Griechenland 9% und mehr bezahlen zu müssen. 135 Mrd Zinsen.
Nur als Vergleich: Rentenzuschuss des Bundes: 80 Mrd, ALG-II Ausgaben von Bund, Ländern und Gemeinden zusammen etwa 45 Mrd, Barleistungsanteil etwa 25-30 Mrd. Defizit der Arbeitslosenversicherung 11 Mrd, gesamter Bundeswehretat 30 Mrd, alle Ausgaben für Justiz & Polizei bundesweit etwa 40-50 Mrd.
Paging