Wieder soll es eine Steuer auf internationale Spekulationsgeschäfte geben - doch sie bringt nichts.
Bundesfinanzminister Peer Steinbrück (SPD) möchte gemeinsam mit dem Kanzlerkandidaten Frank-Walter Steinmeier eine neue Steuer auf Spekulationsgeschäfte einführen. Landesfinanzminister Georg Fahrenschon (CSU) möchte die Erbschaftsteuer senken.
Nobelpreisträger James Tobin wollte mit seiner Steuer auf Spekulationsgeschäfte das Funktionieren der internationalen Finanzwirtschaft erleichtern - die Globalisierungskritiker und jetzt auch Steinbrück & Co. wollen es erschweren. (© Foto: dpa)
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Beide Vorschläge wurden am selben Tag bekannt; treffender kann man die unterschiedlichen Herangehensweisen an aktuelle wirtschaftspolitische Probleme nicht aufzeigen. Die jeweiligen Ansätze der Sozialdemokraten und der Christsozialen erklären sich nur zum Teil mit dem konkreten Aufgabengebiet.
Die Erbschaftsteuer ist Ländersache, und sie trifft die Betriebe vor Ort - natürlich liegt es nahe, dass sich der bayerische Finanzminister darüber Gedanken macht. Steinbrück wiederum beschäftigt sich seit Monaten fast nur noch mit der internationalen Finanz- und Wirtschaftskrise - klar, dass er dort seine Gedanken hat. Aber es steht auch eine unterschiedliche Grundhaltung hinter den beiden Vorschlägen, die über die Personen hinaus Bedeutung hat.
Der Steuerpolitiker Fahrenschon will Wachstum fördern, er nimmt - berechtigte - Klagen der Wirtschaft auf, dass die Erbschaftsteuer, so wie sie derzeit konstruiert ist, Unternehmen massiv belastet und sogar in größerer Zahl vernichtet, weil die Erben die staatliche Forderung nicht begleichen können oder wollen - ein Ärgernis, dessen sich die Politik trotz vielfacher Klagen der Experten bisher nicht wirklich angenommen hat.
Die Erbschaftsteuer, die dem Staat vergleichsweise wenig Einnahmen bringt, aber einen hohen Aufwand erfordert und großen Schaden anrichtet, steht exemplarisch für das in Jahrzehnten deformierte deutsche Steuerrecht.
Bundesfinanzminister Steinbrück hat wenig dazu getan, das zu ändern. Die SPD insgesamt macht sich viel mehr Gedanken darüber, wie man die Reichen noch ein bisschen mehr schröpfen kann, als darüber, zu einem wirklich gerechten und funktionsfähigen Steuerrecht zu kommen. Lieber will Steinbrück nun also der internationalen Spekulation zu Leibe rücken - seit Jahren ein beliebtes Thema der Linken und der Systemkritiker.
Die "Tobin-Steuer", die der erste Vorschlag für eine Besteuerung internationaler Spekulationsgeschäfte war, gehört in abgewandelter Form seit Jahrzehnten zum festen Repertoire der Globalisierungskritiker - etwa der Organisation Attac, die sogar explizit zur Propagierung einer solchen Steuer gegründet worden ist. Dabei ging es dem späteren Nobelpreisträger James Tobin ursprünglich (im Jahr 1971) nur um eine Steuer auf Devisengeschäfte, also um Spekulationen mit Währungen, die immer wieder zu Verwerfungen in der Weltwirtschaft geführt haben.
Tobin wollte das Funktionieren der internationalen Finanzwirtschaft erleichtern, die Globalisierungskritiker und jetzt auch Steinbrück & Co. wollen es erschweren. Sie geben sich der Illusion hin, man könne gute von schlechten Wertpapiergeschäften messerscharf unterscheiden. Es steckt dahinter ein tiefes Misstrauen gegenüber dem freien Finanzhandel insgesamt. Dabei argumentiert Steinbrück unter seinem Niveau. Als verantwortlicher Politiker weiß er, dass einiges falsch gelaufen ist, aber nicht das System insgesamt des Teufels ist.
Jetzt geht es vor allem um eine effektive Finanzaufsicht und härtere Eigenkapitalregeln für die Banken. Wer weniger Geld zum Spekulieren hat, kann sich nicht derart ins Risiko begeben, wie dies die Banken gemacht haben. Es regieren längst wieder die Interessen der Finanzzentren New York und London. Es ist völlig abwegig anzunehmen, dort würde man sich zu einer neuen Steuer die Hand reichen. Eine Spekulationssteuer aber würde, wenn überhaupt, nur funktionieren, wenn alle mitmachen, weil sich andernfalls die Finanzgeschäfte an angenehmere Orte verlagern; und Geld ist ein überaus flüchtiges Wesen.
Die Lehre aus der großen Krise muss lauten, einige wichtige Regeln gemeinsam auszuhandeln (was schwer genug wird). Die Diskussion um eine neue internationale Steuer hilft nicht, sondern schadet. Steuerpolitik sollten die Deutschen lieber im eigenen Land betreiben. Da gäbe es genug zu tun.
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(SZ vom 11.09.2009/hgn)
Rekord in Deutschland
dann fragen Sie völlig berechtigt: "Für wen spricht der Autor?"
"Robin_Hood" hatte heute Mittag kommentiert: "Marc Beise - sponsored by INSM" ...
Ich persönlich würde "sponsored by INSM" noch wie folgt erweitern wollen:
"sponsored and powered by INSM" ...
Wir hatten in Deutschland bis 1997 auch eine VERMÖGENSSTEUER ...
Und nun sind die aufgeklärten und mündigen Bundesbürger aufgerufen zu überlegen, warum es heute bei uns keine BÖRSENUMSATZSTEUER und keine VERMÖGENSSTEUER (mehr) gibt ...
"Systemrelevante Sachzwänge" sind es jedenfalls sicher nicht, die gegen eine zeitnahe Wiedereinführung beider Steuern in Deutschland sprechen würden ...
Es sei denn man erklärt die privaten Interessen einer überschaubaren, d.h. kleinen, führungselitären und/oder geldadligen Clique/Gruppe/Gang "Amigos"/"Spezies" aus Sicht der korrumpierbaren Politik zu "systemrelevanten Interessen" - gegenüber den dann offenbar NICHT "systemrelevanten" Interessen einer über 90%-igen Mehrheit der Bundesbürger ...
Falls dem tatsächlich so sein sollte - dann sollte man "das von marktradikalem Gedankengut geprägte System" hinterfragen und auch, WEM die zahlreichen seit den 1990er Jahren eingeführten oder geänderten Gesetze und Reformen nutzen und WEM sie schaden ...
Die "Privatisierung von Gewinnen" und die "Solidarisierung der Verluste" hat nämlich System und spaltet bereits heute unsere Gesellschaft ...
Dieses in den 1990er Jahren bei uns eingeführte System hat seit zehn Jahren auch einen Namen - nämlich den der "Initiative Neue Soziale Marktwirtschaft", gegründet vom Arbeitgeberverband Gesamtmetall nebst weiteren Wirtschaftsverbänden und Unternehmen ...
Die "INSM" ist heute längst nicht mehr "nur" eine antisoziale Interessenvertretung - dahinter verbirgt sich inzwischen eine DEMOKRATIE GEFÄHRDENDE IDEOLOGIE, die unsere Gesellschaft einteilt in "Fleißige" und Faule", in "Nützliche" und "Unnütz(lich)e", in "Leistungsträger" und "Sozialschmarotzer", etc. ...
Botschafter, Freunde + Förderer der "INSM" bestimmen bereits heute sämtliche Geschicke:
- sie dominieren und bestimmen die (neuen) Werte und Ziele unserer etablierten Parteien
- sie beeinflussen und unterwandern Gewerkschaften, Kammern und die Verwaltung
- sie kontrollieren die öffentliche und die veröffentlichte Meinung in unseren Medien
Die INSM gehört eigentlich verboten - zumindest vom Verfassungsschutz beobachtet ...
"Doch, Herr Beise, es liegt ein Systemversagen vor und wer das nicht zur Kenntnis nimmt, DER diskutiert unter Niveau!"
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Nicht Systemversagen - das System wurde so angelegt und so erweitert, dass die wunderbare Geldvermehrung läuft bis zum nächsten Zusammenbruch. Die schlauen und reichen Systemexperten machen immer zwischen 2 Katastrophen den Reibach. Der einfache Zocker läuft regelmäßig in die Falle. Die Schlauesten sind die Banken. Die fallen fast alle ins 'Sozialnetz' der Regierungen. Der Spruch 'Besser als eine Bank auszurauben ist eine zu gründen' ist auch aktuell bombenrichtig.
Aktuelle Sendung zur Finanzwelt "Sheriffs fürs globale Spielcasino" vom SWR2:
Als MP3 anhören/herunterladen:
http://mp3.swr.de/swr2/wissen/sendungen/sheriffs-fuers-globale-spielcasino.12844s.mp3
Was will uns dieser Kommentar lehren? Glaubt weiterhin an das System. Es mag Fehler gegeben haben, aber es ist nicht des Teufels. Die Diskussion um eine neue internationale Steuer bringt gar nichts. Wieso nicht? Die Tobin-Steuer ist ein denkbarer Ansatz, dem man zumindest eine globale Testphase zugestehen könnte. Dann würde man sehen, ob solche Mittel greifen oder nicht. Doch der Kommentator hält nichts davon, lenkt schnell ab und unterstützt die Klagen der Wirtschaft über die Erbschaftssteuer und warnt davor, die Reichen immer weiter zu schröpfen. Für wen spricht der Autor? Der aufmerksame Leser hat es längst erkannt und fragt sich, für wie dumm man ihn eigentlich hält.
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