Anbieter führen neue Tarife ein Autoversicherungen werden teurer

Nicht nur Benzin kostet immer mehr: Viele Kfz-Versicherer heben derzeit die Preise an und führen neue Tarife ein. Ihnen machen die Schadenskosten zu schaffen: Schon ein Spiegel kann 600 Euro kosten. Bei den steigenden Prämien lohnt sich der Vergleich von Autoversicherungen immer mehr - viele haben zudem Leistungen verbessert.

Von Uwe Schmidt-Kasparek

Während sich die Autofahrer noch über die steigenden Benzinpreise ärgern, wird nun auch die Autoversicherung teurer. Viele Kfz-Versicherer heben derzeit die Preise an und führen neue Tarife ein.

Marktführer HUK-Coburg hat seit April die Tarife in der Autohaftpflicht zwischen fünf und neun Prozent in die Höhe geschraubt. In der Kaskoversicherung sind es rund fünf Prozent. Die Anpassungen schwanken je nach Fahrzeug und Nutzer. Andere Anbieter folgen dem Marktführer, wollen aber keine konkreten Zahlen nennen. Der Zurich Konzern, die Kölner Europa Versicherung und die WGV aus Stuttgart bestätigen, dass ihre Prämien angehoben werden. Auch die Versicherungskammer Bayern spricht von steigenden Prämien gemäß der "allgemeinen Marktentwicklung".

Doch es gibt Ausnahmen. Die Garanta will ihre Prämien sogar senken. Der Branchenzweite Allianz plant in den nächsten Monaten immerhin keine Erhöhungen.

Insgesamt stehen die Autoversicherer weiter unter hohem Druck. So stellt die Zurich eine regelrechte Schadeninflation fest: "Es gibt mehr und teurere Personenschäden, und die Ersatzteilkosten sind erheblich gestiegen", begründet Zurich-Sprecher Bernd Engelien die Prämienerhöhungen. Allein ein elektrischer und beheizbarer Außenspiegel könne mit über 600 Euro zu Buche schlagen. "Bei der Schadenentwicklung hat es keine Entspannung gegeben", bestätigt HUK-Coburg-Sprecher Alois Schnitzer.

Experten schätzen, dass für die Behebung von Schäden etwa sieben Prozent mehr aufgebracht werden müssen. Insgesamt dürfte die Branche daher in diesem Jahr trotz der Beitragserhöhungen ins Minus fahren. Michael Pickel, Vorstand der E+S Rück aus Hannover, schätzt den Verlust aller Autoversicherer für dieses Jahr auf eine Milliarde Euro. Im Vorjahr lag der Verlust noch bei 1,4 Milliarden Euro.

Große Preisunterschiede unter den Versicherern

Neukunden müssen aber auch dann mit einer Beitragserhöhung rechnen, wenn der Versicherer das allgemeine Prämienniveau nicht anhebt. Das gilt etwa für die VHV, LVM oder die Nürnberger-Versicherung. Diese Autoversicherer führen eine neuartige Rabattstaffel ein. Dadurch wird es für etwa die Hälfte der Kunden teurer, heißt es bei der LVM. Alle Beitragserhöhungen gelten aber nur für neue Verträge. Trotzdem sind Millionen Autofahrer davon betroffen, denn wer ein Auto kauft, erhält automatisch den aktuellen Versicherungstarif. Im vergangenen Jahr galt das für 6,8 Millionen Autofahrer.

Autokäufer sollten daher die Preise vergleichen. Sie können auch mitten im Jahr den Versicherer wechseln und von enormen Preisunterschieden profitieren. Einige Anbieter haben zudem die Leistungen verbessert. Auch unter den Versicherern mit Topleistungen zeigen sich große Preisunterschiede.

Die Signal-Iduna etwa ist um über 90 Prozent teurer als der Online-Versicherer HUK24. Alle Policen bieten aber weitgehenden Schutz bei grober Fahrlässigkeit, zahlen bei Diebstahl und Totalschaden 24 Monate lang den Neupreis und gewähren bei Kaskoschäden die freie Wahl der Werkstatt. Zudem enthalten alle Angebote eine Fahrer-Schutz-Versicherung (FSV).

Das Produkt ist bei der HUK-Coburg-Gruppe neu im Angebot. Es hat die klassische Fahrer-Unfallversicherung abgelöst. Die FSV ist wichtig, denn sie deckt eine Lücke ab: Den selbstverschuldeten Personenschaden des Fahrers. Hier wirkt sie wie eine Kfz-Haftpflichtversicherung und zahlt beispielsweise Verdienstausfall, Rente, Pflegekosten und Schmerzensgeld. Das alles gibt es für relativ wenig Geld. Bei der HUK-Coburg liegt der Aufschlag je nach Nutzer und Auto zwischen 16 und 36 Euro.

Bei anderen Anbietern ist die FSV direkt in die Jahresprämie einkalkuliert. Kleiner Wermutstropfen: Die FSV gibt es immer nur mit der Autohaftpflicht zusammen. Damit wollen die Versicherer ihre Kunden binden. Denn derzeit gibt es erst um die 30 Assekuranzen, die diesen Schutz bieten.