Altersvorsorge Phänomen "Asset Meltdown"

Es gibt Wissenschaftler, die für den Fall einer flächendeckenden, privat organisierten Altersvorsorge bei schrumpfender Bevölkerung ein Phänomen namens "Asset Meltdown" erwarten. Irgendwann werden viele Verkäufer weniger Käufern gegenüberstehen - und dann werden die Aktien und Rentenpapiere weniger wert sein.

Die US-Ökonomen Gregory Mankiw und David Weil formulierten dieses Szenario 1989 mit Blick auf den Zeitpunkt, wenn die in den frühen sechziger Jahren Geborenen um 2030 in Rente gehen werden. Die Finanzdienstleister kämpfen jedoch mit aller Kraft gegen diese These: Sie verweisen auf die höhere Rendite einer privaten Alterssicherung gegenüber der gesetzlichen Rente.

Anleger konnten zwar in den vergangenen 25 Jahren an den internationalen Kapitalmärkten außergewöhnlich hohe Renditen einstreichen. Allerdings betrug die durchschnittliche Rendite von Aktien von 1921 bis 1996 in Deutschland lediglich 1,91 Prozent, wenn man die Inflationsrate berücksichtigt.

Und im Sommer 2008 konnten alle Aktionäre, die zehn Jahre zuvor in den Deutschen Aktienindex investiert hatten, feststellen, dass sie keinen Gewinn gemacht hatten. Und seitdem ist der Wert weiter gefallen.

Ernüchternde Bilanz

Ernüchternd fällt auch die Bilanz der von Experten gemanagten Fonds aus: Mehr als zehn Jahre lang schaffte es nur ein einziger Fonds in Deutschland, das eingezahlte Geld der Anleger zu erhalten und erzielte gerade eine Rendite von 1,95 Prozent. 34 der 35 Fondssparpläne waren dem Bundesverband der Deutschen Investmentgesellschaften zufolge im Minus. Von 12.000 eingezahlten Euro waren im Schnitt noch 8566 Euro da. Macht eine Rendite von minus 6,64 Prozent.

Abwärts geht es auch bei den Lebensversicherern: Durchschnittlich zahlen sie heute dem Branchenreport Map zufolge 15 Prozent weniger aus, als vor 15 Jahren. Ein Angestellter, der 30 Jahre lang monatlich 100 Euro eingezahlt hat, erhält nach Vertragsablauf im Schnitt 88.673 Euro. Das sind 15.000 Euro weniger als 1999. Dies liegt vor allem daran, dass die Zinsen für Staatsanleihen drastisch gefallen sind, in welche die Lebensversicherer den Löwenanteil der Spargelder investieren. Seit 2001 haben sie etwa die Hälfte ihres Zinsgewinns verloren.

In der gesetzlichen Rentenversicherung bekamen Männer 3,5 Prozent Rendite auf ihre Beiträge, wenn sie durchschnittlich verdient hatten und Anfang 2008 nach 45 Jahren in den Ruhestand gegangen sind. Frauen kommen wegen ihrer höheren Lebenserwartung auf eine Rendite von 4,1 Prozent.

Die gesetzliche Rentenversicherung prognostiziert für Frauen beim Renteneintritt Anfang 2030 eine Rendite von 3,2 Prozent, bei Männern von 2,7 Prozent. Diese Rente reicht auch in den Augen ihrer Befürworter nur für einen geringen Lebensstandard aus. Jeder sollte sich also erkundigen, ob er eine echte und damit sicherere Altersvorsorge abgeschlossen hat, sagt Udo Reifner, Direktor des Instituts für Finanzdienstleistungen.