Altersvorsorge Die Rente ist unsicher

Problem Altersvorsorge: Bei privaten Anbietern drohen niedrige Renditen oder Verluste, und die gesetzliche Variante reicht nur für einen geringen Lebensstandard.

Von Caspar Dohmen

Manch einer ist verunsichert, wenn er an sein Einkommen im Alter denkt. Eben noch waren die Menschen in Deutschland dabei, ein Volk der privaten Vorsorgesparer zu werden, da kam die Finanzkrise. Seitdem schmelzen die Werte von Aktien, Fonds und Immobilien und wachsen die Zweifel. "Geld-Schock! So viel verliert ihre Lebensversicherung", titelte die Bild-Zeitung am 6. April 2009.

Hatte dies eben nicht noch ganz anders geklungen? "Was bei der gesetzlichen Rente später für Sie rausspringt, kann Ihnen keiner sagen (...) Eine Lebensversicherung hält, was sie verspricht. Ein Leben lang." Die Verkäufer von Versicherungen, Aktien, Fonds oder Immobilien warben jahrelang mit vollmundigen Versprechungen um die Spargelder der Menschen.

Und noch im Januar 2006 hatte die Bild getitelt: "Arbeiten bis 67? Bild entlarvt Mogelpackung! Unsere Rente schrumpft, schrumpft, schrumpft (...)." Gemeint war damals die gesetzliche Rente. In den Augen vieler Bürger galt diese gegenüber der privaten Variante als hoffnungslos unterlegen.

"Ich würde stark in Zweifel ziehen, dass die private Altersvorsorge der gesetzlichen Rente weit überlegen ist", sagt Dorothea Mohn, Vorsorgeexpertin beim Bundesverband Verbraucherzentrale, der Süddeutschen Zeitung. Keinesfalls sollten die Verbraucher naiv den Verkäufern von Anlageprodukten glauben, welche diese als überlegen anpreisen.

Sinkende Zinsen

Viele Menschen sparen, sofern sie etwas auf die Seite legen können, für ihr Alter privat vor. Die Gelder addieren sich weltweit zu gewaltigen Beträgen, die von der Finanzindustrie gewinnbringend angelegt werden sollen. Da ein steigender Teil der Altersvorsorge aus privater Vorsorge statt gesetzlicher Rente bestehen soll, muss für immer mehr Geld irgendwo auf dem Erdball eine Anlagemöglichkeit gefunden werden. Angesichts purzelnder Börsenkurse und sinkender Zinsen ist dies ein schwieriges Unterfangen.

Beim Kapitaldeckungsverfahren werden die Beiträge künftiger Rentner einem Kapitalstock zugeführt, der von der Versicherung oder dem Pensionsfonds in Sachwerten, Wertpapieren oder anderen Formen angelegt wird.

Diese Form der Finanzierung bedeutet, dass der Einzahler die volle Last seiner späteren Rentenansprüche in der Gegenwart tragen muss. Beim Umlageverfahren wird dagegen Geld von den Beschäftigten zu den Rentnern umverteilt.

Am Umlageverfahren verdient niemand Geld. Es müssen allein die Verwaltungskosten von etwa vier Prozent getragen werden. Ganz anders bei der privaten Vorsorge: Werbekosten wollen gedeckt sein, ebenso wie die Verwaltungskosten, die beispielsweise bei der Riester-Rente mindestens zehn Prozent betragen. Dazu addieren sich als Kosten für den Verbraucher die Gewinne für die Finanzkonzerne und die Provisionen für die Verkäufer; bei einer Lebensversicherung können dies schon einmal sieben Prozent der Beitragseinnahmen sein.

Steigende Lebenserwartung

In den angelsächsischen Ländern sorgten die Menschen schon länger in größerem Ausmaß privat vor. In Kontinentaleuropa dominiert noch das Umlageverfahren. Deren Gegner verweisen auf die demographische Entwicklung: Das Umlageverfahren sei nicht mehr praktikabel, da die Zahl der Kinder bei steigender Lebenserwartung sinke.

Dass immer weniger Beitragszahler für immer mehr Rentner aufkommen müssen, könne dauerhaft nicht funktionieren. Hier soll das Kapitaldeckungsverfahren Abhilfe schaffen. Dabei legt der im Berufsleben stehende Sparer Geld auf die Seite, in Form von Aktien, Renten oder Immobilien. Dieses Geld soll er später verzinst als Rentenzahlung zurückbekommen.

So weit die Theorie. Zu glauben, dass sich der demographische Wandel nicht auf das Kapitaldeckungsverfahren auswirkt, wäre jedoch illusorisch. Wenn sich später zu wenige Käufer für die angesparten Aktien, Investmentfonds oder Immobilien finden, funktioniert das System nicht mehr. "Volkswirtschaftlich gibt es immer nur ein Umlageverfahren", sagte der Soziologe Gerhard Mackenroth schon in den fünfziger Jahren.

Lesen Sie auf der nächsten Seite, welche Folgen Wissenschaftler für den Fall einer flächendeckenden Altersvorsorge bei schrumpfender Bevölkerung erwarten.