Altersstudie der Regierung Deutsche gehen später in Rente

Die Politik streitet über die Rente mit 67. Dabei verabschieden sich Arbeitnehmer schon heute immer später in den Ruhestand - im Schnitt mit 63.

Von Stefan Braun und Fabian Heckenberger, Berlin

Während die Politik weiter über die Rente mit 67 streitet, verändert sich in Deutschland die Arbeitswelt für die Über-60-Jährigen immer stärker. Das Berufsleben von immer mehr älteren Menschen verlängert sich, zwischen 2002 und 2008 stieg das faktische Renteneintrittsalter von 62 auf 63 Jahre. Passend dazu nahm im selben Zeitraum die Zahl derer deutlich zu, die auch nach ihrem 60. Geburtstag einer Arbeit nachgehen. Ihr Anteil stieg auf heute insgesamt 33 Prozent.

Trotz dieser Veränderungen muss es mit Blick auf die Rente mit 67 künftig noch mehr Arbeitsmöglichkeiten für Über-60-Jährige geben. Nur so ist das Ziel, das Renteneintrittsalter schrittweise weiter zu erhöhen, tatsächlich zu erreichen. Das geht aus der Studie hervor, die als "Deutscher Alterssurvey" im Auftrag des Bundesfamilienministeriums erstellt wurde. Seit 1996 werden für die Studie die Lebensumstände von Menschen zwischen 40 und 85 Jahren in Deutschland untersucht.

Die Bürger arbeiten nicht nur länger, immer mehr Menschen nutzen derzeit auch die Altersteilzeit als Brücke in den Ruhestand. Im Jahr 2008 bemühte sich bereits jeder Zehnte im Alter zwischen 55 und 59 Jahren und jeder Vierte zwischen 60 und 64 darum, von einer Vollzeitstelle in die Altersteilzeit zu wechseln. Deutliche Unterschiede bei der Berufsdauer gibt es weiterhin zwischen Männern und Frauen. Bei den Männern arbeitet knapp vierzig Prozent über den 60. Geburtstag hinaus in einer festen Stelle, bei den Frauen sind es 32 Prozent in West- und 25 Prozent in Ostdeutschland.

Immer größer werden soziale Unterschiede im Alter. Die Schere zwischen den Gutverdienenden, die sich gut versorgt fühlen, und denen, die sich echte Sorgen machen, geht immer weiter auseinander. Rund 60 Prozent aller älteren Menschen bezeichnen ihre finanzielle Lage als gut oder sehr gut. Zugleich wächst die Zahl derer, die gravierende Einschnitte befürchten. Fast jeden Dritten treibt die Angst vor einem deutlich sinkenden Lebensstandard um.

Neben der finanziellen Lage wirft die Untersuchung auch einen Blick auf die Wünsche und Ziele der älteren Menschen. Dabei wird deutlich, dass fast ein Drittel aller Bürger im Alter zwischen 40 und 85 Jahren ein großes Bedürfnis haben, sich sozial zu engagieren - ohne dass sie bisher wissen, wie. Diesem Potential möchte sich Familienministerin Kristina Schröder (CDU) stärker zuwenden.

Schröder sagte der SZ, die Studie bestätige, dass immer mehr Menschen sich gerne "Zeit für Verantwortung nehmen" möchten: "Das ist ein Schatz, den wir heben wollen." So könnten die sogenannten jungen Alten eine wichtige Rolle bei der Betreuung sehr alter und kranker Menschen spielen. "Ganz einfach etwa, indem sie ihnen jeden Tag die Zeitung vorlesen", betonte Schröder. Sie verwies auch auf Tischler in Rente. Diese könnten etwa in der Grundschule mit den Kindern Vogelhäuser bauen: "Damit hätten wir zugleich mehr männliche Vorbilder in der Grundschule."

Die Studie zeigt, wie sehr sich schon heute viele Menschen engagieren. Jeder Siebte zwischen 40 und 65 Jahren hilft pflegebedürftigen Menschen. Jeder Dritte kümmert sich bereits um einen pflegebedürftigen Angehörigen.