Jobabbau, Zukunftsängste, aber höhere Renten: Mitten in der Wirtschaftskrise stockt die Bundesregierung bei den Altersbezügen deutlich auf. Senioren im Osten der Republik profitieren stärker als Rentner im Westen.
Den rund 20 Millionen Rentnern in Deutschland winkt im Juli das größte Einkommensplus seit mehr als zehn Jahren. Trotz der Finanz- und Wirtschaftskrise steigen die Renten im Westen um 2,41 Prozent. Im Osten erhalten die Ruheständler sogar 3,38 Prozent mehr. Weil die Beiträge für die Krankenkasse zum gleichen Zeitpunkt sinken, erhalten die Rentner zusätzliche 0,3 Prozentpunkte mehr Geld.
Die Regierung stockt bei den Rentenzahlungen deutlich auf. (© Foto: AP)
Anzeige
Eine solche Steigerung habe es für die Rentner in den alten Bundesländern seit 1994 und für die im Osten seit 1997 nicht mehr gegeben, sagte Bundessozialminister Olaf Scholz (SPD) am Montag in Berlin. "Nach 0,54 Prozent in 2007 und 1,1 Prozent in 2008 ist es gut, dass es diese kräftige Erhöhung gibt", betonte der SPD-Politiker.
Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) bezeichnete die Rentenerhöhung als einen zusätzlichen Impuls im Kampf gegen die Wirtschaftskrise. Die Erhöhung werde zu einem echten Plus für die Senioren führen, da die Inflationsrate derzeit niedrig sei. In den vergangenen Jahren waren die Kosten für das tägliche Leben stärker gestiegen als die Renten, was zu realen Einbußen geführt hatte. Merkel sprach von einem echten Netto-Gewinn für die Rentner. "Wir haben hier eine Maßnahme, die wir weltweit kaum in einem anderen Land haben", sagte sie.
Wer 45 Jahre lang ein Einkommen in durchschnittlicher Höhe hatte und somit eine sogenannte Standardrente bezieht, kann vom ersten Juli an pro Monat mit 1224 Euro rechnen. Das sind 28,80 Euro mehr als vorher. Neben den Rentnern erwartet auch die Langzeitarbeitslosen ein Anstieg der Sozialleistungen. Weil der Regelsatz für Hartz IV an die Entwicklung der Renten gekoppelt ist, steigt dieser von 351 auf 359 Euro im Monat. Das Gleiche gilt für die Empfänger der Grundsicherung im Alter und der Sozialhilfe. Nach Merkels Worten wird die Entwicklung für eine Stärkung der Nachfrage in Deutschland sorgen.
Grundlage für den Anstieg der Renten ist die deutliche Steigerung der Löhne und Gehälter im vergangenen Jahr. Eine Rentenanpassung von mehr als zwei Prozent hatte es im Westen nach 1994 nur noch 2002 gegeben. Zum unterschiedlich hohen Anstieg der Renten in West und Ost kam es, weil die Löhne in den neuen Ländern stärker stiegen als in den alten.
Dämpfer kommt später
Positiv wirkte sich zudem aus, dass die große Koalition im vergangenen Jahr einen Teil der Rentenformel außer Kraft setzte. Würde dieser nach dem ehemaligen Sozialminister Walter Riester (SPD) benannte Faktor wirken, würde die Rentenerhöhung um 0,64 Prozentpunkte niedriger ausfallen. Die Dämpfung des Rentenanstiegs, mit der den finanziellen Problemen der Rentenversicherung in einer alternden Gesellschaft vorgebeugt werden soll, wird nach den Plänen der Koalition in den Jahren 2011 und 2012 nachgeholt. Auch die Beitragszahler bekommen die Kosten des außerplanmäßigen Anstiegs zu spüren. Statt 2011 auf 19,3 Prozent zu sinken, wird der Beitrag zur Rentenversicherung erst später und nicht so deutlich gesenkt.
Der bayerische Ministerpräsident und CSU-Chef Horst Seehofer begrüßte die Rentenerhöhung: "Das war überfällig für die ältere Generation." Scholz sagte, die Erhöhung mitten in der Wirtschaftskrise zeige, dass auf den Sozialstaat Verlass sei. "Aus den USA erreichen uns Nachrichten, dass Milliarden aus den Pensionsfonds verlorengegangen sind." Der Bundesgeschäftsführer der Linken, Dietmar Bartsch, bemängelte hingegen, es sei kein Verdienst der Bundesregierung, dass die Renten erhöht werden, sondern eine ohnehin nötige Maßnahme. Bartsch forderte sogar eine Steigerung der Renten um vier Prozent.
- Thema
- Altersvorsorge RSS
- Riester-Fondssparpläne Vorsorge mit Rettungsring 12.12.2008
- Familienunternehmen Wenn die Provision die Rente frisst 04.12.2008
- Rente gegen Einmalbeitrag Wette auf ein langes Leben 29.06.2009
- Studie zur Rente Der Osten verliert den Anschluss 17.03.2010
- Der Weg zur eigenen Immobilie (1) Kaufen oder mieten? 24.05.2011
- Reiserücktrittsversicherung Aber bitte: keine Schweinegrippe! 23.12.2009
- Kritik an Riester-Rente Teuer, riskant, renditeschwach 16.11.2009
(SZ vom 17.03.2009/mel)
Rekord in Deutschland
Noch Leben wir in einer Demokratie. Wenn auch in einer sehr abgeschwächten Form, oder wie sonst kann man es sich erklären wenn unser Innenminister öffentlich das einzige Gericht kritisiert was unsere Verfassung schützt. Falls es dir bekannt sein sollte ist in einer Demokratie die Verfassung (Grundgesetz) das wichtigste.
Sowohl Ihre Medien-, wie Rentenerhöhungsschelte.
Zitat: "Warum bitte erwähnt man die erste Rentenerhöhung seit 7 Jahren und vergisst die durch Merkel und Schmidt verursachte Kostenerhöhung durch den Gesundheitsfond."
Ganz einfach: weil es Rentenerhöhung heißt und nicht Netto-Einnahmen-Erhöhung.
Im übrigen ist der erhöhte Kassenbeitrag nicht durch Merkel und/oder Schmidt verursacht, sondern u.a. durch die gestiegene Lebenserwartung (gerade) der jetzigen Rentner. Die künftigen werden ja dann durch längere Arbeitszeit (d.h. kürzere Rentenbezugszeit) gesondert geschröpft. Zudem wird die jetzige Erhöhung dann auch wieder zurückgenommen.
Kurzum: die Profiteure sind alleine die jetzigen Rentner, die zum Großteil auch schon durch Frühverrentungsprogramme profitiert haben. Wo das gerecht(fertigt) sein soll, erschließt sich mir nicht!
nämlich unsere Verfassung?
Natürlich versucht das amtierene Regieme für dich Regierung alles um ihre Macht zu erhalten. Oder warum kommen solche Populären Erhöhungen wie diese nur vor Wahlen und sonst hat mein kein Geld.
Ich sehe vielleicht ein paar Sachen überspitzt aber es soll sich jetzt was ändern und ich will nicht immer auf das Bundesverfassungsgericht warten das es kriminelle Gesetzte wieder aufhebt. Ich will das meine Kinder hier in Freiheit leben und nicht Angst vor ihrer eigenen Regierung haben müssen.
Lieber Tinus!
Wach endlich auf und schau mal über den Tellerrand!
"Hätte ich ab meinem 22. Lebensjahr die zwangsabgeführten Beträge vermögenswirksam angelegt hätte ich selbst bei einer schlechten Anlage heute ein Einkommen von dem ich nur leider nur noch träumen kann. "
Das kann gar nicht sein. Sie müssen sich von "Chomski" und Co gelegendlich indoktri^wbelehren lassen, dass nur die umlagefinanzierte Rente die gute und sichere Rente ist. Den demographischen Wandel haben nur böse Kapitalisten erfunden, die Arbeitnehmer nicht gerecht an der Wertschöpfung teilhaben lassen wollen.
Ich darf Ihnen übrigens mein Kompliment aussprechen: Sie haben als relativer Neurentner in jungen Jahren das Wirtschaftswunder nebst Vollbeschäftigung und niedrigen Sozialbeiträgen erlebt, seit den 70ern die explodierende Staatsverschuldung mit allen Investitionsprogrammen des Bundes geniessen dürfen/müssen und sind nun Rentner. Lediglich 50% Ihrer Rente müssten versteuert werden, allerdings liegen diese Summen unter den allermeisten Freigrenzen. Wenn meine Generation in Rente geht ist die ganze Rente steuerpflichtig (also ab etwa 700 Rentenanspruch kommen Steuern oben drauf) und wir haben zeit unseres Arbeitslebens etwa 20% Rentenversicherung bezahlt. Die Rendite wird sogar netto negativ sein. Falls es Ihnen hilft - Ihren Kindern wird es noch schlechter ergehen. Betriebsrenten bzw. Riester/Rürup oder sonstige Kapitalerträge werden damit ganz schnell ganz schön steuerpflichtig.
Paging