Der Ausverkauf an den Börsen geht weiter: Der Dax brach zu Handelsbeginn um fünf Prozent ein, erholte sich dann aber leicht. Die Wall Street dürfte am Nachmittag ebenfalls gut fünf Prozent verlieren. Allerdings spekulieren Anleger jetzt auf ein Eingreifen der US-Notenbank.
Am Dienstag fiel der Dax im Anfangsgeschäft um fünf Prozent auf 6420 Punkte und lag damit so niedrig wie seit Dezember 2006 nicht mehr. Kurz darauf erholte er sich leicht, fiel erneut zurück - und stieg wieder.
Panik an den Finanzmärkten: Nach den dramatischen Kursverlusten liegen die Nerven bei den Händlern blank. (© Foto: dpa)
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"Vor allem die Gerüchte über eine Zinssenkungsrunde bremsten den freien Fall im frühen Handel etwas ab", fasste ein Händler das Geschehen am Dienstag zusammen. "Wir sind froh, dass es doch nicht ganz im freien Fall weitergeht. Aber das ist sehr nervös und sehr volatil."
Zu den größten Verlierern zählten im frühen Geschäft die Bankaktien. So brachen die Titel der Deutschen Bank zunächst um knapp acht Prozent ein, die der Commerzbank um mehr als fünf Prozent und die der Postbank um bis zu elf Prozent. Später rückten die Kurse der Banken allerdings in positives Terrain vor.
Die Titel des Immobilienfinanzierers Hypo Real Estate verloren in der Spitze 9,8 Prozent und lagen mittags mit knapp neun Prozent im Plus.
Hoffen auf die US-Notenbank
Mit bangem Blick schauen die Anleger nun nach New York, wo die Wall Street erstmals auf die Turbulenzen in Asien und Europa reagieren kann. Wegen des Martin-Luther-King-Feiertages waren die US-Börsen am Montag geschlossen.
Die Futures an den Terminbörsen signalisieren, dass der Dow Jones zu Handelsbeginn rund 500 Punkte verlieren könnte.
"Die große Unbekannte ist der US-Aktienmarkt und seine Reaktion auf die Vorgabe aus Asien und Europa", sagte ein Händler.
Wichtige Konjunkturdaten stehen unterdessen nicht auf der Agenda und laut Händlern konzentrieren sich alle Anleger auf den Handelsstart in den USA und hoffen darauf, dass die Fed vorab Aussagen zu Zinssenkungen machen wird.
Hinzu kämen einige Unternehmenszahlen, wobei in den USA vor allem erneut die Finanzwerte, mit der Bank of America sowie Wachovia und AMBAC Financial, vor Börsenstart im Fokus stehen. Aber auch Johnson & Johnson sowie Texas Instruments legen Zahlen vor.
In Asien brach der indische Leitindex Sensex um mehr als zwölf Prozent ein und verzeichnete damit den größten Tagesverlust in der Geschichte der Börse in Bombay. Der Handel an der wichtigsten indischen Börse wurde kurz nach Beginn am Dienstagmorgen für eine Stunde ausgesetzt. Der indische Finanzminister P. Chidambaram rief die Anleger zur Ruhe auf.
In Tokio schloss der Nikkei-225-Index um 5,65 Prozent schwächer. Auch die Börsenkurse in China stürzten nach weiteren Panikverkäufen erneut schwer ab. Der Shanghai-Index der wichtigsten Börse auf dem chinesischen Festland rutschte bei Handelsschluss um 7,22 Prozent, nachdem er bereits am Vortag fünf Prozent abgesackt war. Der Kurssturz sei der schwerste seit mehr als sieben Monaten. Der Shenzhen Composite Index der kleineren Börse in Chinas Süden verlor 7,66 Prozent.
Der Hang-Seng-Index in Hongkong verlor 8,6 Prozent, in Seoul rutschte der Kospi-Index nach Panikverkäufen um 4,4 Prozent ab. Auch die Börsen in Jakarta erlitten deutliche Verluste - der Jakarta-Index brach um rund 10 Prozent ein.
Auch in Neuseeland und Australien setzten die Börsen ihre Talfahrt fort. In Australien sackte der All Ordinaries Index um 5,7 Prozent ab. Das war der zwölfte Rückgang in Folge - die längste Verluststrecke seit 25 Jahren. Auch der neuseeländische NZX50-Index büßte im Vormittagsgeschäft fast vier Prozent ein, den Großteil in den ersten zehn Minuten des Handels.
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(sueddeutsche.de/Reuters/dpa/AP/AFP/hgn/ckn/mako/woja)
Rekord in Deutschland
Ja - Sie brachten es (natürlich) auf den Punkt: Der Stärkere frißt den Schwächeren, so funktioniert die Natur und das Geschehen darin inkl. unserer Spezies "Mensch", so natürlich auch in der Wirtschaft und im Finanzmarkt. Insofern sind Politik und Normen gesellschaftlicher Ordnung der verzweifelte Versuch, neben den Stärkeren auch noch Schwächere existieren zu lassen, sie am Leben zu erhalten, um die Radikalität des Gesetzes "der Stärkere frist den Schwächeren" nicht stets sichtbar zu machen (sonst gäbe es noch mehr, die sich frühzeitig verabschieden). Fragt sich nur, wie lange man persönlich mit seinen Kräften in diesem furchtbaren Dschungel durchhalten kann...
Keine Angaben zum Bankensektor. Hier ist der Link.
http://www.ftd.de/boersen_maerkte/analysten/:Das%20Kapital%20Crash%20Modelle/306258.html
Ja, kenn ich auch, solche Typen.
Man sollte aber nicht behaupten, dass ALLE Vermieter und ALLE Versicherungsfritzen von diesem Kaliber sind.
Was schreiben die über Europa, speziell Deutschland? Und über den Banksektor? Da müsste es ja noch stärker hageln.
Hier noch eine Experteneinschätzung aus der FTD :
Um herauszufinden, zu welchem Teil die Börse eine Rezession eingepreist hat, hat Goldman Sachs sich den mittleren Gewinnrückgang der drei vergangenen Rezessionen angeguckt, er betrug 28 Prozent. Setzt man Gewinnrückgang mit Kursrückgang gleich, dann hätte der Stoxx 600 seit seinem Hoch im Juni 2007 eine Rezession noch nicht vollständig eingepreist, da er erst um 23 Prozent korrigierte. Die Bank hat zudem ein aktuelles Szenario für eine harte Landung aufgestellt - Nullwachstum in den USA und Großbritannien, 0,5 Prozent Wachstum für Euroland - welches einen Gewinnrückgang von 17 Prozent unterstellt. Demnach hätte der Stoxx noch einen Korrekturbedarf von zehn Prozent - einzelne Sektoren wie Autos, Maschinenbau und Technologie von über 30 Prozent - schönen Dank.
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