Affäre um GFE Obskure Kreise

Anleger haben Millionen an die inzwischen insolvente Firma GFE verloren. In dem merkwürdigen Fall rund um Heizkraftwerke, Rapsöl und Wasser spielt auch ein Esoteriker mit.

Von Uwe Ritzer

Die "Erbschänke Zum Schwan" am Marktplatz der fränkischen Gemeinde Schwanstetten ist nach Überzeugung ihrer Betreiber nicht irgendeine Gaststätte. In dem alten, roten Fachwerkgemäuer kreuzen sich angeblich "zwei große Energiebahnen", weshalb das Wirtshaus "ein Kraftplatz ist für Menschen, die dafür offen sind und mit Energie arbeiten." Für Karl Meyer zum Beispiel.

Der 51-jährige Kfz-Mechaniker ist nicht nur eine feste Größe in esoterischen Kreisen, sondern auch eine Schlüsselfigur im aktuellen Fall um mehr als 1000 mutmaßlich betrogene Anleger aus Deutschland, Österreich und der Schweiz. Sie sollen nach Erkenntnissen der Nürnberger Staatsanwaltschaft Opfer eines raffinierten Schneeballsystems geworden sein.

"Erfunden würde ich nicht sagen"

Die Anleger haben mehr als 50 Millionen Euro an die inzwischen insolvente Firma GFE verloren, die ihnen Blockheizkraftwerke (BHKW) verkauft hat, die angeblich besonders effizient Rapsöl zu Strom verwandeln sollten. Mit einem revolutionären Spezialmotor, erfunden von Karl Meyer.

"Erfunden würde ich nicht sagen, aber es stimmt, dass ich herausgefunden habe, wie man den Dieselmotor mit Rapsöl effizienter machen kann", bestätigte Meyer auf Anfrage der Süddeutschen Zeitung. Wie das technisch genau geht, will er nicht sagen. Aber dass es ihm sogar gelungen sei, immer mehr Wasser ins Rapsöl zu mischen und der Motor trotzdem immer noch voll funktioniert habe, das stimme schon. Am Ende womöglich sogar Wasser mit nur noch einem Schuss Rapsöl zu Strom verbrennen - das wäre in der Tat die den Anlegern versprochene Wundertechnik gewesen.

Karl Meyer selbst zählt nicht zu den 17 Beschuldigten, gegen die staatsanwaltschaftliche Ermittlungen laufen, und von denen acht in Untersuchungshaft sitzen. Er hat keine Anleger geködert, sondern lediglich im Auftrag der GFE den BHKW-Motor bearbeitet. Wie auch immer. Doch allein der Name Karl Meyer macht den Fall noch bizarrer, als er ohnehin schon ist. Der Kfz-Mechaniker ist Gründer des Zentralrats Souveräner Bürger (ZSB). Die obskure Vereinigung hält die Bundesrepublik Deutschland für keinen rechtmäßigen Staat. "Sie lehnt die bestehenden Gesetze ab und bezweifelt die Legitimität der bestehenden verfassungsmäßigen Ordnung", heißt es aus dem bayerischen Innenministerium.

Unter dem Stichwort Menschenrechte findet sich in ZSB-Publikationen viel politisch rechts angehauchtes Vokabular. Vom unterdrückten und gejagten deutschen Volk ist die Rede und dessen Hunger nach Frieden und Barmherzigkeit. Meyer selbst fabuliert in einem Internet-Film vom fehlenden aufrechten Gang und dem geraden Blick der Deutschen. Sicherheitsbehörden haben den ZSB schon länger im Visier. Als dieser sich 2008 in besagtem Gasthaus in Schwanstetten niederließ, protestierten Hunderte Bürger. Eigentümer des Wirtshauses ist eine Firma namens Arzberg Limited mit Sitz in London.

Mit dem GFE-Fall habe der ZSB nichts zu tun, sagt Meyer. Eines Tages sei ein alter Bekannter zu ihm gekommen und habe gefragt, ob er den Wirkungsgrad eines Dieselmotors um 30 Prozent erhöhen könne. Das habe er getan. Von Februar bis Dezember 2010 habe er als Selbständiger für die GFE gearbeitet. Dafür habe er ein mittleres fünfstelliges Honorar kassiert, wobei aber seit August kein Geld mehr geflossen sei. Der alte Bekannte sitzt in U-Haft.