Von Horst Biallo

Die ADAC-Kreditkarte verspricht weltweit gebührenfreien Zugriff aufs Guthaben und hohe Zinsen - damit ist es jedoch nicht weit her.

"Neu: Weltweit keine Bargeldgebühren bei Abhebungen aus Guthaben." So hebt der ADAC eine wichtige Neuerung hervor, mit der Deutschlands größter Automobilclub seine Kreditkarten attraktiver machen will. Zudem hat der Club die Guthabenzinsen angehoben.

Bild vergrößern

Das gebührenfreie Abheben von Bargeld gilt leider nur in der Eurozone - nicht für Reiseländer wie Schweiz, Türkei oder USA. (© Foto: DDP)

Anzeige

Auf den ersten Blick ist die gebührenfreie Bargeldversorgung ein echtes Plus. Zumindest für jene Leute, die keine Sparkassenkunden sind und nicht auf deren dichtes Netz von 24.400 Geldautomaten in Deutschland zugreifen können.

Denn wer hierzulande "fremdgeht", wird von der anderen Bank jedes Mal mit Gebühren von vier bis zehn Euro pro Bargeldabhebung zur Kasse gebeten. Da hat man die Jahresgebühr von 29 Euro für die normale Version der ADAC-Karte schnell zurück. Zumal Autofahrer weltweit zwei Prozent Rabatt auf alle Umsätze an Tankstellen bis maximal 2500 Euro erhalten. Das ergibt eine Ersparnis von bis zu 50 Euro.

Das Guthaben wächst nicht durch die Zinsen

Schade, dass es erst ab 2000 Euro, die auf dem Kreditkartenkonto liegen, einen attraktiven Zins von drei Prozent gibt. Darunter sind es magere zwei Prozent. Ab 10.000 Euro betragen die Zinsen dann 3,50 und ab 25.000 Euro 3,75 Prozent. Allerdings rechnet es sich, das knapp verzinste ADAC-Guthaben wirklich nur zu nutzen, um eine gebührenfreie Bargeldversorgung sicherzustellen, und darüber hinaus gehende Beträge bei einer Direktbank anzulegen, wo es gerade bis zu 4,75 Prozent gibt.

Einen Umstand muss man dem ADAC allerdings negativ ankreiden: dass er es - wie die Volkswagen Bank - mit der Wahrheit nicht so genau nimmt. Traut man Bankern leider heute schon viel zu, wiegt dies beim ADAC umso schwerer, weil er sich als eine Art Verbraucherschutz-Organisation empfindet oder sich so gibt. Mit den "weltweit keine Gebühren" ist es nämlich nicht so weit her.

Diese Regelung gilt - genauso wie bei der Autobank - nur für die Eurozone. Und eben nicht für beliebte Reiseländer wie die Schweiz, die Türkei oder die USA, in denen andere Währungen Gültigkeit haben. Denn wer dort Geld abhebt, dem wird ein sogenanntes "Auslandseinsatzentgelt" in Rechnung gestellt. Das sind Zinssätze von einem (ADAC) oder 1,5 Prozent (VW Bank), die man dem offiziellen Umrechnungskurs der Kreditkarten-Organisation aufschlägt. Die VW-Bank macht das in ihren Kreditkarten-Abrechnungen nicht einmal deutlich. Eine Abrechnung des ADAC liegt der Redaktion nicht vor.

Banken haben doch die Nase vorn

Für Verbraucher, die sich auf die falschen Versprechen einlassen, kann das fatale Folgen haben: Wer beispielsweise in der Schweiz mit der normalen Maestro-Karte seiner Sparkasse, aber auch der VW-Bank Geld abhebt, zahlt - je nach Höhe der Bargeldabhebung - geringere Gebühren als mit der angeblich gebührenfreien Kreditkarte der Autobank. Die Gebühr des ADAC in der Nicht-Eurozone ist zwar vergleichsweise günstig, aber auch nicht günstiger als die meisten Maestro-Karten und erst recht nicht "gebührenfrei". Nur drei deutsche Banken bieten zur Zeit auch in der Nicht-Eurozone tatsächlich eine Bargeldversorgung ohne irgendwelche Aufschläge an: die Deutsche Kreditbank (DKB), Comdirect und die SKG-Bank.

Leser empfehlen 

(SZ vom 14.03.2008/sme)