Bundesrechnungshof entlastet Ulla Schmidt

Der Dienstwagen zur privaten Nutzung ist eine der häufigsten Nebenleistungen zum regulären Einkommen in Deutschland. Eine Untersuchung des Bundesumweltministeriums von 2011 hat ergeben, dass mehr als 50 Prozent aller neuen Pkw als Firmenwagen zugelassen werden. Das Dienstwagenprivileg stellt damit in Deutschland die größte Steuervergünstigung dar, die zudem sozial ungerecht ist, weil sie vor allem Besserverdienern zugute kommt. Dies kostet den Staat pro Jahr bis zu 5,5 Milliarden Euro. Das hat gravierende Folgen für den gesamten Fuhrpark. In der Tendenz werden vor allem große Fahrzeuge mit hohem Verbrauch angeschafft. Ohne Steuervergünstigung wären auf Deutschlands Straßen längst nicht so viele Spritfresser unterwegs, und die Autoindustrie würde weniger große Fahrzeuge verkaufen. Sie würde sich stärker auf die Konstruktion kleinerer und sparsamer Fahrzeuge konzentrieren und wäre vermutlich auch bei der Entwicklung von Elektrofahrzeugen schon weiter. Das Dienstwagenprivileg setzt wie die Pendlerpauschale falsche Anreize und fördert die Energieverschwendung.

Vorschlag: Der Dienstwagen muss steuerlich "neutralisiert" werden, das heißt, Dienstwagen und Privatauto werden steuerrechtlich gleich behandelt. Dies würde automatisch zu einer stärkeren Nutzung von verbrauchsärmeren kleineren Fahrzeugen führen, weil sich viele Arbeitnehmer nicht mehr so große Autos mit hohem Verbrauch leisten könnten. Positiver Nebeneffekt: Es wären CO2-Einsparungen von 3,2 bis 6,4 Millionen Tonnen möglich. Die Autoindustrie würde sich an den neuen Bedarf automatisch anpassen.

Bild: dpa

30. April 2012, 17:35 2012-04-30 17:35:28