Deutsche Bank rutscht ins Minus

    Finanzkrise

    29.04.2008, 07:59

    Die Finanzkrise trifft die Deutsche Bank härter als erwartet. Für das erste Quartal meldet das Institut einen Vorsteuerverlust von 254 Millionen Euro - das erste Minus seit fünf Jahren.

    Bank, ddpGrossbild

    Erstes Minus seit fünf Jahren: Die Deutsche Bank leidet unter der Finanzkrise. (Foto: ddp)

    Die Deutsche Bank leidet heftiger unter der Finanzkrise als erwartet. Im ersten Quartal hat Deutschlands größte Bank wegen der Milliardenbelastungen im Zusammenhang mit der Finanzkrise den ersten Quartalsverlust seit fünf Jahren verbucht.

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    Vor Steuern lag der Verlust bei 254 Millionen Euro, im Vorjahr verbuchte die Bank noch einen Gewinn von 3,2 Milliarden Euro. Damit ist der Verlust deutlich höher als von Experten erwartet. Analysten von Dow Jones Newswires hatten laut Handelsblatt lediglich mit einem Verlust von 235 Millionen Euro gerechnet. Insgesamt belastete die Finanzkrise die Deutsche Bank zwischen Januar und März mit 2,7 Milliarden Euro - das sind 200 Millionen Euro mehr als kurz nach Ende des Quartals angekündigt.

    Ohne Einnahmen von fast einer Milliarde Euro aus dem Verkauf von Beteiligungen hätte Deutschlands größtes Geldhaus noch höhere Verluste erlitten. Besonders im Kerngeschäft, dem Investmentbanking, brachen der Bank wegen der Marktturbulenzen die Erträge weg.

    Ackermann bleibt optimistisch

    Auch Zuwächse im Privatkundengeschäft sowie beim Zahlungsverkehr und der Wertpapierverwahrung konnten den Verlust nicht verhindern. Neben dem Ausbau dieser stabileren Geschäftsfelder setzt Deutsche-Bank-Chef Josef Ackermann nun im Investmentbanking auf Produkte und Regionen, die weniger stark von der Finanzkrise betroffen sind. Dazu zählen Rohstoff-Papiere und Investitionen in wachstumsträchtigen Schwellenländern.

    "Im ersten Quartal des Jahres war die Lage an den Finanzmärkten so schwierig wie noch nie zuvor in der jüngeren Geschichte", sagte Ackermann. Das große Ausmaß der Finanzkrise vor allem im März habe "natürlich auch seine Spuren im Quartalsabschluss der Deutschen Bank hinterlassen".

    Keine Zielvorgabe für 2008

    Der Deutsche-Bank-Chef blieb für die Zukunft optimistisch: "Wir sind zuversichtlich, aus dieser Krise stärker denn je hervorzugehen." Kurzfristig seien die Aussichten zwar "in höchstem Maße unsicher“, sagte Ackermann. Doch gebe es im April erste Anzeichen für eine Stabilisierung an den Märkten.

    Angesichts der anhaltenden Unsicherheiten an den Finanzmärkten nicht mehr zu ihren Zielen für 2008 äußern. "Die Zeiten sind sehr unsicher und die
    Marktentwicklung ist nicht vorherzusehen", sagte Finanzchef Anthony di Iorio. Die Deutsche Bank wolle daher keine Angaben über das zu erwartende Ergebnis im laufenden Jahr machen.

    Bis Anfang Februar hatte die Bank ausdrücklich an ihrer "Vision" eines bereinigten Vorsteuergewinns von 8,4 Milliarden Euro für 2008 festgehalten. Mitte März war das Management erstmals davon abgerückt und hatte im Geschäftsbericht angedeutet, dass die Rückgänge und Belastungen infolge der Krise möglicherweise nicht mehr durch Erfolge in anderen Bereichen aufgefangen werden könnten.

    Auch die Zahl der Arbeitsplätze soll weitgehend konstant bleiben. Pläne für Entlassungen oder die Streichung von Arbeitsplätzen in größerem Stil gebe es nicht, sagte Finanzchef di Iorio. Angestrebt sei lediglich, Mitarbeiter in wachstumsstärkere Regionen und Geschäftsbereiche zu verlagern.

    Deutsche Bank

    49,06 €    -1,37   -2,71%   20.11.09  

    WKN: ISIN: Typ: Branche:
    514000 DE0005140008 Aktie Universalbanken

    (sueddeutsche.de/dpa/Reuters/tob)

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    Leserkommentare (36)



    29.04.2008 18:51:42

    janitos: @ gerhardt_124

    Wie Sie bereits selbst gesagt haben, nur wenige US-Manager haben sich Ihr Gehalt auf 1$ reduziert.

    In den USA gehen aber gerade die variablen Vergütungen und v.a. die Pensionszusagen fast gegen unendlich. Und insbesondere die riesigen Pensionszusagen in den USA sind selbst einem Neoliberalen :) wie mir deutlich überzogen. Da bin ich froh, daß sich soetwas bei uns im Rahmen hält.

    Das ist auch ein Punkt den ich in Deutschland kritisiere: Ex-Vorstände bekommen noch Jahrzehnte nach dem Ausscheiden Fahrer / Sekretariat, etc. gestellt. Das mag für eine kurze Übergangszeit, in der die Person noch beratend in dem Unternehmen tätig ist angebracht sein, ansonsten aber eine Verschleuderung von Aktionärsgeld.


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