IKB-Rettung wird für KfW noch teurer
Matthäus-Maier im Interview
16.12.2007, 13:53
KfW-Chefin Matthäus-Maier beurteilt die IKB-Rettung kritisch (Foto: dpa)
SZ: Finanzminister Peer Steinbrück hat Bankmanagern Unfähigkeit vorgeworfen. Fühlen Sie sich angesprochen?
Matthäus-Maier: Nein, selbstverständlich nicht. Er hat zum Beispiel den ehemaligen IKB-Vorstand benannt, von dem vier Mitglieder gehen mussten, weil sie die Bank in den Sand gesetzt haben.
SZ: Warum ist der IKB-Vorstand dann noch nicht hinter Gittern?
Matthäus-Maier: Das kann ich nicht beurteilen. Die Staatsanwaltschaft ermittelt.
SZ: Ist Steinbrück als Vorsitzender ihres Verwaltungsrats mit Ihnen persönlich ins Gericht gegangen, weil ein Drittel Ihres Eigenkapitals wegen der IKB im Feuer steht?
Matthäus-Maier: Warum sollte er? Nicht die KfW hat gezockt, sondern die IKB. Die KfW ist zusammen mit den anderen kreditwirtschaftlichen Säulen die Lösung des Problems, sie engagiert sich bei der Rettung der IKB.
SZ: Aber die KfW sitzt doch im Aufsichtsrat der IKB. Hat sie bei der Kontrolle versagt?
Matthäus-Maier: Wir sind der Sache sehr genau nachgegangen. Die Zweckgesellschaft Rhineland war nicht in der Bilanz. Es gab mehrere Sonderprüfungen, beantragt auch durch den Aufsichtsrat. Die Wirtschaftsprüfer lobten das Risikomanagement. Die Ratingagenturen bewerteten das ganze mit besten Noten. Außerdem hatte die KfW mit meinem Vorgänger Hans Reich, einen hervorragenden Banker im Aufsichtsrat. Und schließlich sagte der IKB-Chef noch Ende Juli, dass es keine Probleme gebe. Auch PWC hat den Aufsichtsrat in einem Gutachten entlastet. Ich sehe nicht, dass wir etwas anders hätten machen können oder müssen.
SZ: Es fällt auf, dass vor allem öffentliche Banken von der Kreditkrise betroffen sind.
Matthäus-Maier: Dem widerspreche ich deutlich. Die IKB ist eine private Bank. Wir haben mit unserem Anteil von 38 Prozent nicht mehr oder weniger Informationsrechte als andere Aktionäre. Wir haben diesen Anteil damals nur übernommen, weil wir dringlich gebeten wurden, den wichtigen Mittelstandsfinanzierer vor einer Zerschlagung durch eine ausländische Bank zu retten.
SZ: Was kostet das IKB-Debakel die KfW?
Matthäus-Maier: Ende Oktober wurde aufgrund der erheblichen Marktverwerfungen die Risikoeinschätzung bezüglich Rhineland aktualisiert und die bilanzielle Risikovorsorge für die KfW auf 4,95 Milliarden Euro erhöht. Darüber hinaus haben wir unsere 38-prozentige Beteiligung an der IKB um 400 Millionen Euro abgeschrieben.
SZ: Hätten Sie die Rettungsaktion mit Ihrem heutigen Wissen genau so gemacht?
Matthäus-Maier: Das ist schwer zu sagen. Mit dem Wissen von heute über die eingetretenen Marktverwerfungen hätten wir die Rettungsaktion nicht gemacht. Es ist aber müßig, darüber zu spekulieren, denn Ende Juli mussten wir innerhalb eines extrem kurzen Zeitraums eine Lösung finden, um Schaden von der IKB, der KfW und der Gesamtwirtschaft abzuwenden.
SZ: Was wäre die Alternative gewesen?
Matthäus-Maier: Bankenaufseher Jochen Sanio hätte das Moratorium über die IKB erklärt, die Bank wäre also zahlungsunfähig gewesen.
SZ: Und hätte damit nach Sanios Einschätzung die größte Bankenkrise seit 1931 ausgelöst. Kommen auf die KfW noch höhere Risiken zu?
Matthäus-Maier: Eine Prognose ist derzeit für alle Banken schwer. Es kann sein, dass es weniger wird als fünf Milliarden Euro, aber auch mehr, falls sich das Marktumfeld weiter verschlechtert. In dem Fall, dass noch weitere Risiken bei der IKB auftreten würden, müssten Maßnahmen ergriffen werden, an denen sich auch die anderen Anteilseigener der IKB beteiligen, die bisher geschont wurden.
SZ: Warum sollte eigentlich der Steuerzahler für die Verluste der IKB aufkommen, wenn es doch eine private Bank ist, wie Sie betonen?
Matthäus-Maier: Bislang zahlt der Steuerzahler weder direkt noch indirekt. Die KfW stemmt die Verluste aus ihrem über die Jahre angelegten Fonds für allgemeine Bankrisiken. Anders wäre das bei einer Bundesbürgschaft. Aber was meinen Sie, was auf den Steuerzahler zugekommen wäre, wenn wir im Sommer nicht so gehandelt hätten und es zu einer viel stärkeren Finanzmarktkrise gekommen wäre?
SZ: Apropos Bund und Steuerzahler: Wünschen Sie sich einen professionelleren Verwaltungsrat?
Matthäus-Maier: Der Verwaltungsrat ist professionell. Er hat alle Entscheidungen sorgfältig besprochen und genehmigt. Aber eine Telefonkonferenz mit 37 Mitgliedern ist schon schwierig. Die Schaffung eines Präsidial- und Prüfungsausschusses, wie angedacht, begrüße ich.
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![]() 18.12.2007 19:05:10 gflei: Bingo76 Lieber Bingo 76, ich finde es zwar im Allgemeine sehr nett wenn auch fachlich total unqualifizierte Leser zu einem Artikel äussern aber bei diesem Kommentar finde ich die grotesk falsche Darstellung der Sachlage schon beeindrucken. 1. Frau Matthäus- Maier sitzt gar nicht im Aufsichtsrat der IKB, sondern ein anderer Kollege des Vorstandes der Kfw. 2. Ist es in einer offenen Marktwirtschaft üblich, dass Aufsichtsratsplätze von Führungskräften anderer Unternehmen übernommen werden. ( Siehe Herr Ackermann: Mannesmann, Thyssen Krupp, Siemens....usw.) 3. Ist die IKB ein M-Dax notiertes Unternehmen und hantiert somit nicht mit Geld der Allgemeinheit. Das einzige was in Ihrem Artikel wirklich treffend war ist, dass ich es auch unverständlich finde, wie eine Bank mit dem mehrfachen Ihres Eigenkapitals höchst spekulative Investitionen tätigen kann. Aber vor allem dies so geschickt hinter allen möglichen Bilanztricks verstecken kann, dass nicht einmal ausgewiesene Fachleute von PWC diese finden können. ![]()
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