"Die goldene Ära ist vorbei - und das ist gut so"
Krise an den Finanzmärkten
21.08.2007, 17:48
David Rubenstein: "Ich glaube nicht, dass es eine Blase gab." (Foto: Reuters)
David Rubenstein erwartet, dass die großen Beteiligungsfirmen gestärkt aus der Krise an den Finanzmärkten hervorgehen. "Wir waren nicht scharf auf die Korrektur, aber sie wird uns gut tun", sagte der Chef des Finanzinvestors Carlyle im Gespräch mit der Süddeutschen Zeitung. Die Turbulenzen könnten jedoch in der Branche der Firmenkäufer zu gravierenden Veränderungen führen.
SZ: Herr Rubenstein, platzt in der Beteiligungsbranche eine Spekulationsblase?
Rubenstein: Wir blicken auf ein goldenes Zeitalter zurück. Aber ich glaube nicht, dass es eine Blase gab. Das würde bedeuten, dass Beteiligungsgesellschaften wertlose Firmen gekauft hätten, was nicht der Fall ist. In den vergangenen ein bis zwei Jahren haben Beteiligungsfirmen etwa zehn bis 15 Prozent höhere Preise gezahlt, als ihnen lieb war, weil der Wettbewerb es erforderte und weil sie es finanzieren konnten.
SZ: Werden Ihre Gewinne sinken?
Rubenstein: Vielleicht werden die Investoren bei diesen Übernahmen etwas geringere Renditen als in den Jahren zuvor erzielen. Sie bekommen vielleicht 20 oder 22 Prozent statt 25 Prozent. Verglichen mit allem, was Sie sonst legal mit Geld anstellen können, wird Private Equity weiter sehr attraktiv sein.
SZ: Wenn Carlyle morgen eine Zehn-Milliarden-Dollar-Übernahme plante, würden Sie die von den Banken finanziert bekommen?
Rubenstein: Nein. Niemand würde das. Die Banken haben noch nicht verarbeitet, was in den vergangenen Wochen passiert ist. Sie arbeiten jetzt Kredite für die Finanzierung von Übernahmen im Wert von etwa 300 Milliarden Dollar ab, weil sich die Lage verschlechtert hat, ehe sie die Schulden bei Investoren platzieren konnten. Das wird ein paar Monate dauern. Aber möglicherweise werden in der nächsten Zeit Übernahmen von neuen Kapitalgebern finanziert. Beispielsweise von Staatsfonds aus Abu Dhabi, Kuwait oder Singapur.
SZ: Aber Staatsfonds würden doch nicht Kredite, sondern Eigenkapital bereitstellen?
Rubenstein: Warum nicht?
SZ: Es sind keine Banken.
Rubenstein: Das müssen sie auch nicht sein. Wenn man Geld hat, kann man auch Schuldenfinanzierung bereitstellen. Ich glaube daran, dass neue Investoren daraus Kapital schlagen, wenn es - wie jetzt - Marktineffizienzen oder Unsicherheit gibt.
SZ: Sie erwarten also keine längere Durststrecke der Beteiligungsbranche?
Rubenstein: Nein, die Beteiligungsbranche hat 25 Jahre bewiesen, dass sie ein gut funktionierendes Geschäftsmodell hat. Ist die goldene Ära im Moment vorbei? Ja, und das ist gut so. Denn jetzt können wir zu niedrigeren Preisen kaufen. Wir waren nicht scharf auf die Korrektur, aber sie wird uns guttun.
SZ: Haben Sie in den vergangenen Jahren zu hohe Preise gezahlt und den Unternehmen zu hohe Schulden aufgebürdet?
Rubenstein: Die Schuldenfinanzierung ist nicht so ausgeprägt wie in den achtziger Jahren. Damals zahlten wir fünf oder zehn Prozent mit eigenem Kapital, den Rest mit Schulden. Heute liegt der Durchschnitt bei 30 bis 32 Prozent Eigenkapital. Die Zinsen sind niedriger und die Kreditauflagen sind weniger streng.
SZ: Hat Carlyle Übernahmen angekündigt, die noch nicht abgeschlossen sind?
Rubenstein: Ja. Einige haben wir mittlerweile abgeschlossen, an anderen arbeiten wir noch.
SZ: Werden Sie den Banken dabei entgegenkommen?
Rubenstein: In all diesen Fällen sind die Banken juristisch verpflichtet, die Finanzierung zu stellen. Aber wir wollen ein langfristiger Partner für die Banken sein und haben kein Interesse daran, dass sie über Gebühr leiden. Insofern werden wir dafür sorgen, dass sie zufrieden sind und dazu beitragen, die Transaktionen erfolgreich abzuschließen.
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