Der Duft des Geldes

    Trends bei Kreditkarten

    18.09.2008, 17:26

    Von Marco Völklein

    Kreditkarten, die nach Kaffee, Minze, Orange oder Zimt riechen - damit möchte die Commerzbank ihre Kunden locken. Auch mit Fotos bedruckte Karten kommen gut an.

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    Langweilig war gestern: Die neuen Kreditkarten sind bunt, mit eigenen Fotos bedruckt oder duften sogar. (Foto: ddp)

    Individualität ist wichtig. Immer weniger Kunden wollen in einem stinknormalen Mittelklassewagen durch die Straßen fahren. Nein, ein Beetle-Cabrio muss es dann schon sein. Auch in der Finanzbranche ist Individualität mittlerweile Trumpf. Seit Jahren schon bieten verschiedene Institute sogenannte Motivkarten an.

    Kunden können dabei entweder im Internet aus einer Reihe von Motiven auswählen und diese auf ihre Kreditkarte aufdrucken lassen. Oder aber sie schicken ein Foto ein - und lassen es auf ihre Karte prägen. "Die Motive müssen aber jugendfrei sein", so die Postbank.

    Der Duft des Geldes

    Klar, dass sich die Commerzbank da nicht abhängen lassen möchte. Das Geldhaus bot bislang 44 vorgefertigte Motive für ihre Kreditkarten an. Selbstgeschossene Fotos konnten Commerzbank-Kunden nicht prägen lassen; Kunden von Deutscher Bank und Postbank aber schon. Dagegen müssen wir anstinken, hat man sich wohl in der Commerzbank gedacht - und nun die ersten Duftkarten auf den Markt gebracht. "Wenn die Handtasche angenehm nach Kaffee duftet oder das bargeldlose Bezahlen an der Kasse mit Zimtduft umgeben ist, liegt das vermutlich an den Duftkreditkarten der Commerzbank", ließ die Bank eine PR-Agentur dazu texten. Auch Minze- und Orangenduft sind im Angebot.

    Auf den Karten befindet sich ein kleines Feld, an dem der Kunde reiben muss - anschließend verströmt die Karte den jeweiligen Duft. Anders ginge es auch nicht, räumt man bei der Commerzbank hinter vorgehaltener Hand ein: "Wenn das die ganze Zeit duftet, würde es dem ein oder anderen schlecht werden."

    Kredit- und EC-Karten mit Fotomotiven von Städten oder Tieren sind der Renner bei den Banken. Mit den Karten lasse sich "Emotionalität einem Produkt zuordnen, dass sonst nur wenig davon versprüht", sagen Marketing-Fachleute. So brachte die Hypo-Vereinsbank im Frühjahr anlässlich des 850. Münchner Gründungsjubiläums als erste Bank in Deutschland EC-Karten mit zehn Stadtansichten auf den Markt. Binnen zwei Monaten gingen 50.000 Motivkarten weg. Wegen des großen Erfolgs stellte die Bank am Donnerstag zusammen mit ihrer türkischen Schwesterbank YapiKredi vier weitere Motive vor, die sich vorwiegend an türkische Kunden richten.

    Oliver Kahn zahlt

    Auch Deutsche Bank und Postbank berichten von "einem riesigen Erfolg". So geht bei der Deutschen Bank etwa jede fünfte Kreditkarte als Motivausgabe an die Kunden. Bei der Postbank tragen 80 Prozent der Motivkarten ein von den Kunden eingeschicktes Foto. Einzelne Regionalniederlassungen der Deutschen Bank haben zuletzt Wettbewerbe veranstaltet, in denen die besten Motive für regionale Karten gesucht wurden. Auch Spezial-Interessen werden bedient: Die Hypo-Vereinsbank als Sponsor des FC Bayern München bietet noch bis Ende September eine EC-Karte mit Oliver-Kahn-Motiv, die Audi-Bank prägt Fotos des Roadsters TT oder des Sport-Geländewagens Q7 auf ihre Kreditkarten auf.

    Für Edda Castelló von der Verbraucherzentrale Hamburg ist eine duftende Kreditkarte "angesichts der derzeitigen Finanzkrise geradezu zynisch. Als nächstes kommt wahrscheinlich die singende Karte." Stimmt die dann den Blues an?

    (SZ vom 19.9.2008/kim/mel)

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    Leserkommentare (1)



    19.09.2008 11:44:57

    nador: pecunia non olet?

    War einmal. Jetzt stinkt sogar das Plastikgeld.


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