Kreditkrise trifft Merrill Lynch hart

    Milliarden-Wertberichtigung

    06.10.2007, 14:50

    Von Nikolaus Piper

    Die Kredit- und Hypothekenkrise in Amerika hat einem weiteren großen Finanzinstitut Milliardenlöcher in die Bilanz gerissen.

    Die Investmentbank Merrill Lynch kündigte in New York Wertberichtigungen von 5,5 Milliarden Dollar an.

    Dies werde zu einem Verlust von 50 Cent pro Aktie im dritten Quartal führen, hieß es in einer Erklärung. Am Montag hatten bereits die gleichfalls amerikanische Citigroup und die schweizerische UBS Milliardenabschreibungen angekündigt.

    Im Einzelnen muss Merrill Lynch 4,5 Milliarden Dollar aufwenden, um Verluste auszugleichen bei zweitklassigen Hypothekendarlehen (Subprime Mortgages) sowie hochkomplexen Finanzprodukten und Fonds, die durch verbriefte Kredite gedeckt sind (Collateralized Debt Obligations, CDO).

    Der Rest des Geschäfts verlief solide

    Dazu kommen Wertberichtigungen von 967 Millionen Dollar im Geschäft mit schuldenfinanzierten Firmenübernahmen. Der Rest des Geschäftes bei Merrill Lynch sei "solide" verlaufen, erklärte die Bank.

    Der Chef von Merrill Lynch, Stan O’Neal, entschuldigte sich quasi bei seinen Aktionären: "Zwar waren die Marktbedingungen extrem schwierig und das Ausmaß der Störungen (im dritten Quartal) beispiellos, trotzdem sind wir enttäuscht von unseren Ergebnissen im Bereich strukturierte Finanzprodukte und Hypotheken," erklärte er.

    "Wir können einen besseren Job in unserem Risikomanagement machen, so wie wir es in anderen Bereichen getan haben." O’Neal hatte in dieser Woche bereits zwei für das Kreditgeschäft verantwortliche Spitzenmanager, Osman Semerci und Dale Lattanzio, entlassen.

    Leicht im Plus

    Trotz der schlechten Zahlen stieg der Aktienkurs von Merrill Lynch zu Handelsbeginn am Freitag in New York leicht ins Plus. Auch viele andere Finanztitel legten zu. Offensichtlich glauben viele Anleger, dass mit den Wertberichtigungen nun das Schlimmste an der Wall Street vorbei ist.

    (SZ vom 6.10.07)

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    Leserkommentare (12)



    09.10.2007 01:04:40

    Peter27: @totwald: Da wäre noch das Thema der Nationalbanken...

    Hinzuzufügen ist noch, dass alle westlichen Staatsbanken in privatem Besitz sind. Die FED, die schweizerische Nationalbank, die Deutsche, die Englische usw. Was heisst das für uns Bürger? Die Regierung nimmt Anleihen von der Staatsbank, zahlt dafür Zinsen. Diese wiederum berappt der Bürger. Die privaten Eigner kassieren vom Volk. Die Milliardenbeträge an Zinsen wandern in einige wenige Taschen!


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