Wenn Banken werben: Gääähn

    Finanz- und Vertrauenskrise

    29.03.2008, 16:34

    Von Carsten Matthäus

    Trotz Vertrauenskrise nudeln Banken und Versicherungen in langweiligen Werbespots die immergleichen Slogans durch. Ein US-Versicherer zeigt mit authentischen Filmchen auf youtube, dass es auch anders geht. Mit Video.

    Es ist schon unglaublich, wie schlecht Unternehmen auf den Gemütszustand ihrer Kunden reagieren. Ganz vorne sind da derzeit die Banken und Versicherungen, die es mit der wohl größten Vertrauenskrise ihrer Geschichte zu tun haben.

    Gleich reihenweise müssen Manager ihren Hut nehmen, weil sie mit der Bewertung von Risiken nicht klargekommen sind. Nebenbei verzocken schlecht beaufsichtigte Bank-Mitarbeiter mal eben Milliarden, und der größte Steuerskandal der Bundesrepublik wird publik. Alles nicht gut fürs Image.

    Eigentlich müsste jetzt eine Welle der Werbung um Vertrauen losbrechen. Banker und Versicherer müssten öffentlich geloben, fortan mehr für ihr, korrigiere: unser, Geld zu tun. Aber es passiert: nichts. Die gleichen Fernsehspots mit den immergleichen Slogans werden durchgenudelt.

    Etwas mehr Selbstironie, bitte!

    Es ist weiter von den Beratertugenden die Rede, als wäre nichts gewesen. Das immergleiche Gerede von Kompetenz, manchmal auch von Leidenschaft - aber bitte schön im dunklen Anzug. Einmal verirrte sich das Liechtensteiner Schloss in eine Anzeige, mit Absperrband verziert. Glückwunsch, sehr kreativ!

    Es gibt eine Möglichkeit, solchen nervigen Branchen auf die Sprünge zu helfen: Werbeverbote und vorgeschriebene Warnhinweise. Seit die Tabakindustrie keine genießenden Raucher mehr zeigen darf und auf die gesundheitlichen Gefahren ihrer Produkte hinweisen muss, ist ihre Werbung nicht schlechter geworden, sondern ideenreicher.

    Noch mehr Potenzial aber hätten gesetzliche Fußangeln in der Bankenbranche. Allein das Verbot des Plastikwortes "Kompetenz" könnte Wunder wirken und den meisten Spots etwas von dem geleckt selbstgefälligen Unterton nehmen. Grund für das Verbot gäbe es übrigens auch: Einer aktuellen Umfrage des Frankfurter Instituts Brand Control zufolge misstraut etwa jeder dritte Vermögende den Banken - wahrscheinlich aus bitterer eigener Erfahrung mit beraterischer Inkompetenz.



    Es wäre ja schon geholfen, wenn die Finanzdienstleister freiwillig etwas mehr Selbstironie zeigen würden. Mit gutem Beispiel geht hier der weltgrößte Versicherer AIG voran. In den Spots sind Babys zu sehen, die vor lauter Lachen umfallen, weil ihre Eltern ein paar lustige Töne machen. An die fröhliche Szene wurde die einfache Botschaft gehängt: "Lachen kann Ihr Leben um acht Jahre verlängern. Leben Sie länger, gehen Sie gesünder in den Ruhestand und haben Sie genug Geld zur Verfügung."

    Die authentischen Filmchen waren auf der Internet-Plattform youtube so erfolgreich, dass sie nun auch im US-Fernsehen gezeigt werden. So schön kann Geld-Werbung sein. Da verzeiht man es dem US-Versicherer fast, dass er gerade den größten Verlust in seiner 89-jährigen Geschichte eingefahren hat.

    (SZ vom 29./30.3.2008/aho)

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    Leserkommentare (1)



    31.03.2008 09:49:20

    D.Crane: Banken nudeln weiter

    trotz Milliardenabschreibungen im Zuge der amerikanischen Immobilienkrise.

    Die nächste Finanzkrise in den USA wird nicht mehr lange auf sich warten lassen, Kreditkarten-Schulden, Auto-Kredite die nicht mehr bedient werden können und vermutlich wird diese Krise auch wieder auf unser Finanz/Bankenwesen Auswirkungen haben.


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