"Die Preise stiegen, weil die Gier nach Reichtum ansteckte", sagte Shiller. Auch der Globalisierungskritiker Stiglitz wurde als Schwarzseher bezeichnet. Nun haben Investoren weltweit bereits rund 100 Milliarden Dollar abgeschrieben, und für die vierfache Summe steht das wohl noch aus. "Da haben einige Banken noch nicht ihre Hand gehoben", unkte Stiglitz. Als William E. Sharpe das Pult betritt, macht er allen eine Freude. "Ich werde auf mathematische Formel verzichten", verspricht er, was angesichts seines Themas eine Leistung ist. "Viele Anleger sammeln, ohne es zu wissen, Geldstücke vor einer Dampfwalze auf", sagte Sharpe vor dem Hintergrund der Finanzkrise.

Neue Finanzprodukte riskanter als Aktien und Anleihen

Neue Finanzprodukte wie Hedge-Fonds, Private Equity oder Reits (Immobilienaktien) würden größere Gefahren und andere Risiko-Zusammenhänge aufweisen als Aktien und Anleihen. Deshalb müsse die Risikokontrolle neu geregelt werden. Sharpe erhielt 1990 den Nobelpreis für die Entwicklung der sogenannten Sharpe-Ratio - eine Kennzahl dafür, welches Risiko der Anleger eingeht, um eine bestimmte Rendite zu erzielen.

Risikomodelle arbeiten auf Basis von mathematischen Wahrscheinlichkeiten. Historische Daten werden analysiert, etwa um zu prüfen, ob der Goldpreis und die Aktienmärkte gleichzeitig fallen oder steigen - ob sie korrelieren, wie der Fachmann sagt. Für ein gutes Portfolio ist es wichtig, möglichst wenig Korrelation der Anlagen zu haben. Auf Basis der Vergangenheitsdaten kann man eine Aussage darüber treffen, wie wahrscheinlich ein bestimmtes Marktszenario ist - beispielsweise eine Krise wie derzeit. "Doch die historischen Renditen sind keine gute Prognose-Grundlage für künftige Renditen", warnte Sharpe. "Wir müssen realistischer werden." Sharpe spricht aus, was vielen Experten Sorge macht. Die Risikokontrollsysteme vieler Banken haben die Gefahren unterschätzt. Die Wahrscheinlichkeitsrechnungen stimmen nicht mehr. Stiglitz: ,,Finanzkrisen, die eigentlich nur alle hundert Jahre passieren dürften, geschehen alle zehn Jahre."

(SZ vom 20.02.2008/ang)

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