Tanken ist in Deutschland so teuer wie nie - nun untersucht das Kartellamt die horrend hohen Spritpreise. Autofahrer steigen derweil in Scharen auf die Bahn um.

Ab in den Zug - denn das Tanken in Deutschland ist so teuer geworden, dass sich nun das Kartellamt mit den Spritpreisen befasst. Foto: AP

Die hohen Benzinpreise in Deutschland haben das Bundeskartellamt auf den Plan gerufen. "Ziel ist es zu untersuchen, ob die Kraftstoffmärkte in Deutschland ordnungsgemäß funktionieren", erklärte das Kartellamt. Die Behörde hätte eine Untersuchung des Wettbewerbs auf den Märkten für Benzin und Diesel begonnen.

Wettbewerbsverzerrungen an der Zapfsäule?

Grund seien Beschwerden von Verbrauchern und von freien Tankstellenbetreibern. Während viele Autofahrer der Preisbildung an Tankstellen grundsätzlich misstrauten, werfen speziell freie Betreiber den großen Gesellschaften vor, den Kraftstoff teurer weiterzugeben, als er an den Zapfsäulen selber sei.

Geplant ist laut Kartellamt nun eine sogenannte Sektoruntersuchung. Bei dieser sollten zunächst die generellen Marktbedingungen beleuchtet werden. "Sollten sich Anhaltspunkte für Verstöße gegen das Wettbewerbsrecht ergeben, werden angemessene Maßnahmen ergriffen". Im Mittelpunkt bei den ersten Untersuchungen stehen dabei den Angaben zufolge nicht die Benzinpreise für die Autofahrer selbst, sondern zunächst die Großhandelsmärkte.

"Marktbeherrschendes Oligopol"

In einer Entscheidung vom März hatte das Kartellamt festgestellt, dass die deutschen Tankstellenmärkte von einem "marktbeherrschenden Oligopol" geprägt seien. Danach entfallen 75 Prozent des Kraftsoffabsatzes auf Shell, BP, ConocoPhillips, ExxonMobil und Total.

Benzin, Diesel und Super-Benzin kosteten im Mai zeitweise mehr als 1,50 Euro und damit so viel wie nie. Grund ist der hohe Ölpreis, der mit 135 Dollar je Fass ebenfalls ein Rekordhoch erreicht hatte.

Die hohen Kosten an den Tankstellen sorgen dafür, dass die Autofahrer in Scharen auf die Bahn umsteigen. In den ersten drei Monaten habe es mehr Fahrgäste gegeben als im Vorjahreszeitraum, teilte Bahn-Chef Hartmut Mehdorn mit.

Laut Bild gewann das Unternehmen von Januar bis April 20 Millionen Kunden dazu. "Dabei spielen auch die Benzinpreise eine Rolle", sagte Mehdorn. Die drastisch gestiegenen Energiekosten belasteten die Bahn weniger als die Wettbewerber Auto und Flugzeug. Das eröffne dem vor dem Börsengang stehenden Unternehmen die Chance, neue Kunden zu gewinnen.

Genug Plätze bei der Deutschen Bahn

Bahnreisende müssten trotzdem nicht fürchten, künftig nur noch in überfüllten Zügen sitzen zu müssen. Die durchschnittliche Auslastung im Fernverkehr liege bei 48 Prozent, im Regionalverkehr noch unter 20 Prozent, sagte Mehdorn in Frankfurt am Main: "Wir haben noch reichlich Möglichkeiten, die Leute willkommen zu heißen."

In den ersten vier Monaten seien vor allem die ICE-Verbindungen mit einem Plus von 3,1 Prozent gefragt gewesen. "Immer mehr Autofahrer kaufen Tickets statt zu tanken", zitiert das Blatt Bahn-Vorstand Karl-Friedrich Rausch. "Jetzt tun wir alles, um die Neukunden mit einer guten Leistung dauerhaft bei der Bahn zu halten. Schließlich ist der beste Platz für ein Auto nicht die Tankstelle, sondern der Parkplatz am Bahnhof."

(sueddeutsche.de/AP/AFP/Reuters/jkr/mel)