Von Kristina Läsker

Drei Generationen, ein besonderer Plan: Mit scheinbar lukrativen Offerten soll eine Hamburger Familie 260 Anleger um viel Geld betrogen haben.

Hamburg, Foto: dpa

Blick auf die Baustelle der Elbphilharmonie in Hamburg: Eine Familie aus der Hansestadt soll jahrelang Anleger geprellt haben. Foto: dpa

Einem Testamentsvollstrecker war es aufgefallen. Irgendwie hatte die alte Dame seltsame Anlagepapiere in ihrem Nachlass - und so alarmierte er die Polizei. Was die Ermittler dann recherchierten, klingt wie ein Abklatsch von Dieter Wedels neuestem Spielfilm "Gier" über den Anlagebetrüger Jürgen Harksen, der diese Woche sieben Millionen Menschen vor den Fernseher holte.

Im Mittelpunkt steht eine Hamburger Familie. Sie soll in den letzten drei Jahren auf dreiste, aber schlichte Weise viele Menschen betrogen haben. Mindestens 3,4 Millionen Euro hätten ein 70-jähriger Großvater, seine Tochter und ihr Ex-Mann, beide 46, sowie die 21-jährige Enkeltochter dazu eingesammelt, teilte die Polizei der Hansestadt mit.

Klassisches Schneeballsystem

Der Familienclan lockte die Kunden unter anderem mit einer lukrativen Rente: Wer regelmäßig 1000 Euro einzahlte, sollte später eine Altersvorsorge von 1600 Euro monatlich erhalten, berichtet der Hamburger Oberstaatsanwalt Wilhelm Möllers. Diese wundersame Geldvermehrung mag viele Leichtgläubige verführt haben: Mehr als 260 Anleger seien geschädigt worden, heißt es bei der Polizei. Die meisten hätten der Familie zwischen 10.000 und 30.000 Euro anvertraut, sagt Möllers. Die vier Verdächtigen sollen ihre Kunden mit E-Mails und eigens angeheuerten Kundenberatern gelockt haben, vermuten die Ermittler.

Und mit phantasievollen Namen: Die vermeintlichen Drahtzieher, Großvater Egon Z. und Tochter Heike B., traten nach Angaben der Ermittler als Direktoren einer Kapitalanlagegesellschaft namens First Intercontinental Bancorp Ltd (FIB) auf. Diese habe ihren Sitz in Auckland in Neuseeland. Ex-Schwiegersohn Henri Frederik B. und Enkeltochter Caroline B. - Ermittler halten sie für Nebentäter - führten die Geschäfte der ausländischen Alpha Consulting International Ltd. mit Zweigstelle in einem heruntergekommenen Hamburger Bürohaus.

Nach Meinung der Staatsanwaltschaft haben die vier ein klassisches Schneeballsystem aufgebaut. Alpha Consulting International vertrieb die Produkte, die sich First Intercontinental Bancorp zuvor ausgedacht hatte. Neben der Altersvorsorge waren das angeblich Beteiligungen an der Firma FIB und Investments in Devisen. Das ging eine Weile gut: Altanleger wurden laut Staatsanwaltschaft aus dem Geld der Neuanleger entlohnt. "Die erste Rendite wird dabei immer zurückgezahlt", sagt Möllers. Er ist davon überzeugt, dass der Clan nie vorhatte, das Kapital anzulegen. So sei der Großteil wohl ins Ausland transferiert worden. "Der Verbleib ist nicht geklärt."

Razzia in Hamburg

Zuletzt hatten die Ermittler wohl gefürchtet, die Familie würde dem Geld auf Nimmerwiedersehen ins Ausland folgen: Am Mittwoch griff die Polizei in einer Razzia zu. Sie durchsuchte 13 Wohnungen und Büros in Hamburg und im benachbarten Niedersachsen. Dabei beschlagnahmte sie Unterlagen, Computer, zwei VW-Touareg und 15.000 Euro.

Schließlich verhafteten sie den Großvater samt Tochter wegen des Verdachts auf gewerbsmäßigen Betrug. Ex-Schwiegersohn und Enkeltochter kamen nach ihrer Vernehmung wieder auf freien Fuß. "Es lagen keine Haftgründe vor", heißt es bei der Polizei. Im Fall einer Verurteilung müssten aber zumindest die beiden Inhaftierten mit einer Freiheitsstrafe von bis zu zehn Jahren rechnen.

Staatsanwalt Möllers verwundert es übrigens nicht, dass der Clan lange Zeit agieren konnte, ohne das erste Opfer Anzeige erstatteten: "Es ist vermutlich viel Schwarzgeld angelegt worden", sagt er.

(SZ vom 23.01.2010/tob)