Nach den Erfahrungen der 30er Jahre will heute jedermann eine neue Große Depression vermeiden. Deshalb wird Geld gedruckt, deshalb schnüren die Regierungen Konjunkturpakete. Sie haben keine Angst vor Inflation - im Gegenteil: Sie sehnen sie herbei, denn sie löst das Schuldenproblem der Unternehmen und der Staaten selbst. Eine hohe Teuerungsrate wertet die Schulden ab. Praktisch funktioniert das so: Der Staat drückt jedem, der sich mit Krediten übernommen hat, frisch gedrucktes Geld in die Hand. Damit kann er seine Schulden begleichen. Die Gläubiger haben dann die Taschen voller Geld - nur können sie damit nicht allzu viel kaufen: Denn einem zunächst gleichbleibenden Angebot an Waren und Dienstleistungen steht zu viel Geld gegenüber, die Preise steigen also in der Folge, es entsteht Inflation. Die Banken können auf diesem Weg ihre Bücher von Altlasten bereinigen und weitere Abschreibungen bleiben ihnen erspart.

Die Kunst der Notenbanken besteht nun darin, eine Hyperinflation zu verhindern und stattdessen über einen gewissen Zeitraum für erhöhte einstellige Inflationsraten zu sorgen, etwa um die fünf Prozent. Auf diese Art und Weise haben sich in der Vergangenheit politisch stabile Länder wie die USA und Großbritannien von ihren hohen Kriegsschulden befreit. Im instabilen Deutschland wurde die Währungsreform als Ausweg gewählt. Während die Reichsmark verschwand, gibt es britisches Pfund und US-Dollar noch - trotz Inflationspolitik.

Noch sind die Währungshüter nicht am Ziel, noch gibt es keine nennenswerte Teuerung. "Nur weil die Fed jetzt Geld druckt, gibt es keinen Inflationsdruck", sagt David F. Milleker, Chefvolkswirt von Union Investment. Bislang werde das Geld von Unternehmern und Sparern gehortet. Das frische Geld wird auf die hohe Kante gelegt, statt in der Wirtschaft zu zirkulieren. Zwar sei der Geldmantel großzügig geschneidert worden, doch die Volkswirtschaften müssten erst hineinwachsen in das übergroße Kleidungsstück, sagt Milleker. Erst wenn das Geld wieder in der Wirtschaft kreist, investiert und konsumiert wird, zieht die Konjunktur an. Erst im nächsten Boom wird die Inflation zur Gefahr - wenn die Zentralbanken die Zinssätze nicht ausreichend anziehen.

(SZ vom 20.03.2009/mel)

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In diesem Artikel:

  1. Wer hat Angst vor der Inflation?
  2. Sie lesen jetzt Warum die Regierungen Inflation herbeisehnen