Verhaltenstests mit Primaten belegen: Beim Thema Finanzen hat sich der Mensch über Millionen Jahre hinweg nicht entwickelt.
Mit Kapuzineräffchen experimentierten Forscher der Universität Yale - und kamen zu erstaunlichen Ergebnissen. Foto: AFP
Der Mensch stammt vom Affen ab und hat wenig gelernt, zumindest bei ökonomischen Entscheidungen. Da reagieren Affe und Mensch gleichermaßen irrational, so ein Forschungsergebnis der amerikanischen Universität Yale.
Die traditionelle Wirtschaftswissenschaft geht davon aus, dass sich Menschen ökonomisch rational verhalten. Sie wollen, so die These, ihren Nutzen maximieren. Die Behavioral-Finance-Forschung geht hingegen vom irrationalen Sparer aus, der Ängsten ausgesetzt ist und unvernünftige Entscheidungen trifft. So hätten Menschen den Hang, sich in Aktien, die sie halten, quasi zu verlieben - und sie viel zu spät verkaufen.
Mit Daniel Kahneman und Vernon Smith erhielten 2002 zwei Vertreter der Behavioral Finance den Wirtschaftsnobelpreis. Nun erfährt die Welt endlich, warum der penetrante Hang zur ökonomischen Unvernunft so tief verwurzelt ist. Die Wissenschaftlerin Laurie Santos und ihr Kollege Venkat Lakshminaryanan haben in jahrelangen Verhaltenstests mit Kapuzineraffen gezeigt, dass dieses irrationale Verhaltensmuster rund 30 Millionen Jahre zurückreicht, denn die Affen zeigen es auch.
Ungeheure Sogwirkung
Das Yale-Team brachte den Tieren zunächst bei, Geldmünzen gegen Apfelstückchen einzutauschen. Dann wurde die Situation verändert: Ein Wissenschaftler bot dem Äffchen zwei Äpfel an, gab ihm aber nach der Bezahlung nur noch eines - und zwar bei jedem zweiten Handelsgeschäft. Die Kollegin bot dem Affen einen Apfel an und gab in jedem zweiten Geschäft nach der Bezahlung noch ein Obststück dazu.
Der Affe erhielt also in beiden Fällen dieselbe Menge, im Durchschnitt anderthalb Apfelstücke - doch er behandelte die Angebote ungleich. Das Tier zog es vor, dort zu handeln, wo es hin und wieder ein zweites Apfelstück dazu gab. Der Affe vermied so das Gefühl, ein Apfelstück, das ihm bereits vorgehalten wurde, wieder zu verlieren.
Das fiktive Plus hat offenkundig eine ungeheure Sogwirkung, denn auch der Mensch weigert sich, verlustreiche Aktien zu verkaufen, in der Hoffnung, dass die Kurse wieder steigen, wie Experimente belegt haben. Investoren wollen unter allen Umständen vermeiden, ein Verlustgeschäft zu machen, weil so das eigene Versagen endgültig manifestiert wird.
Diese Verlustscheu erklärt auch den so genannten "Besitztumseffekt" (Endowment effect), den die Yale-Wissenschaftler jüngst auch bei den Kapuzineraffen nachgewiesen haben. Dieser besagt, dass der wahrgenommene Wert eines Gutes höher ist, wenn man es besitzt. In den Experimenten forderten die Affen einen höheren Preis für Obst, das sie bereits besaßen. "Ihre Bereitschaft, eine Sache zu verkaufen, ist weniger ausgeprägt als die Bereitschaft, das identische Gut zu kaufen", sagt Lakshminaryanan.
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