Benzin ist teuer? Nein, Benzin ist noch zu billig - sagt der Deutschlandchef der Tankstellenkette Orlen. Der Liter müsse eigentlich fünf oder sechs Cent mehr kosten.
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Von wegen Rekordpreis: Der Tankstellenbetreiber Orlen wirbt für Verständnis für weitere Preissteigerungen.
Foto: ddp
Die Rekord-Benzinpreise sind nach Ansicht des Deutschland-Chefs der Tankstellenkette Orlen und Star noch zu niedrig. "Trotz des hohen Ölpreises verdienen wir derzeit am Benzin kein Geld. Daher ist Benzin eigentlich zu billig", sagte Josef Busch der Bild-Zeitung. Der Liter müsste "fünf bis sechs Cent mehr kosten".
Busch begründete seine Einschätzung mit dem harten Wettbewerb auf dem deutschen Tankstellenmarkt. Die Anbieter seien nicht in der Lage, höhere Ölpreise an die Kunden weiterzugeben. Sprit kostete zuletzt in Deutschland so viel wie nie zuvor. Für einen Liter Superbenzin mussten Verbraucher im Bundesschnitt etwa 1,52 Euro bezahlen. Ein Liter Diesel kostete an den Tankstellen erstmals bis zu 1,49 Euro.
Dichtes Tankstellennetz
Der Hamburger Energie-Informationsdienstes (EID) stützte die Einschätzung des Orlen-Chefs: "Die Margen in Deutschland sind wegen des harten Wettbewerbs der Tankstellen schlecht", sagte EID-Chefredakteur Rainer Wiek. Das sei schon seit Jahren so und für den deutschen Markt typisch.
Als Begründung nannte er das noch immer dichte Netz der rund 15.000 Tankstellen in Deutschland sowie die kritischen Verbraucher, die Preise genau vergleichen. "Es lässt sich mit Öl sicher gutes Geld verdienen, aber nicht an den
deutschen Tankstellen", betonte Wiek.
In einigen Regionen Deutschlands soll sich unterdessen der Trend der Angleichung zwischen dem Benzin- und Dieselpreis fortgesetzt haben. In Teilen Nordrhein-Westfalens etwa kletterte der Dieselpreis nach einem Bericht der Rheinischen Post zwischenzeitlich auf 1,51 Euro. "Mit Diesel wird zurzeit spekuliert und richtig Geld verdient", sagte ein Sprecher des Automobilclubs von Deutschland (AvD) dem Blatt.
Teure Beschaffungskosten
Die Tankstelle werde so zur "Börse des kleinen Mannes" mit enormen Preissprüngen, die durch den Ölpreis allein nicht begründet werden könnten. Selbst im Vergleich zwischen Freien- und Markentankstellen seien oft keine
Unterschiede beim Dieselpreis mehr festzustellen.
Als Grund für den teuren Diesel an den Tankstellen sehen Experten die hohe Nachfrage und die Beschaffungskosten der Branche am Rotterdamer Markt. Dort koste die Tonne Diesel mittlerweile 1260 Dollar, eine Tonne Superbenzin hingegen 1060 Dollar.
Der AvD forderte die Bundesregierung auf, den Autofahrern "einen Teil dieser enormen Belastung zu nehmen". Gewinne, die der Staat bei der Kraftstoff-Mehrwertsteuer erziele, müssten ausschließlich dazu verwendet werden, die Mineralölsteuer zu senken.
(sueddeutsche.de/AP/jkf/tob)