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Ein Kommentar von Hans von der Hagen
Um bis zu 90 Prozent wird US-Präsident Obama die Gehälter einiger Topmanager kürzen. Wenn es dabei bleibt, wäre das eine Katastrophe.
US-Präsident Obama hat bislang noch keine Antwort auf die Finanzkrise gefunden. Foto: AP
Ein Investmentbanker, der Manager eines Industriekonzerns und ein Angestellter stehen zufällig in kleiner Runde. "Ich habe den Bonus für das vergangene Jahr bekommen", sagt der Banker. "Eine Villa in Südfrankreich werde ich davon kaufen und mit meiner Freundin einmal um die Welt fliegen. Der Rest reicht wahrscheinlich noch für einen Ferrari Testarossa."
"Außerordentlich", lobt der Industriemanager. "Ich habe mir von meinen Tantiemen eine Wohnung in New York geleistet. Und vom Rest meiner Frau einen Nerz gekauft."
"Na ja", sagt der Angestellte, "ich bin von meiner Einmalzahlung einmal essen gegangen." "Und der Rest?", fragen der Banker und der Manager unisono. "Den habe ich draufgelegt", antwortet er.
Lachen kann man über einen solchen Witz nicht - es steckt zu viel bittere Wahrheit in ihm. Darum empören sich die Menschen auch so sehr über die globale Finanzkrise, die seit mehr als zwei Jahren die Staaten, die Politiker und die Bürger herausfordert.
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Ausgerechnet jene, die diese unermesslichen Schäden angerichtet haben, verdienten so gut wie niemand sonst auf dieser Welt.
Endlich, mögen darum jetzt viele denken, endlich geschieht etwas dagegen in den USA. 175 Topmanager müssen dort auf Geheiß des Präsidenten Barack Obama empfindliche Einkommenseinbußen von bis zu 90 Prozent hinnehmen. Es sind die Führungskräfte jener Finanzinstitute, die Hilfen der US-Regierung in Anspruch genommen hatten - und so in letzter Sekunde den selbstverschuldeten Kollaps vermieden.
Damit macht Washington im großen Stil nach, was die Bundesregierung in Berlin bereits mit einer Deckelung des Jahresgehalts bei 500.000 Euro vorexerzierte: Wenn eine Bank Steuermittel in Anspruch nimmt, soll sie zumindest für eine begrenzte Zeit nicht durch Gehaltsexzesse auffallen.
Genügend Ökonomen wittern bereits einen gefährlichen Eingriff des Staates in die Autonomie der Banken. Tatsächlich aber ist es genau umgekehrt: Der Schritt der Regierung Obama ist eine schrecklich hilflose Geste - gerade weil die Verantwortlichen nicht wissen, wie die Branche vernünftig gesteuert werden kann. Gehälter zu reduzieren, das ist einfach - aber die Finanzindustrie zu bändigen, das ist ein schwieriges Unterfangen.
Klar ist jedenfalls, dass die Banken mit einem zu großen Maß unternehmerischer Freiheit nicht umgehen können. Das haben sie in den vergangenen Jahren eindrucksvoll unter Beweis gestellt. Die Gier war immer größer als die Vernunft.
Dabei geht es keineswegs nur um die Gehaltsdiskussion, die vor der Krise oft genug als "Neiddebatte"abgetan worden ist. Nein, es geht auch darum, dass sich die Geschäfte der Banken in einer absurden Weise verselbständigt haben.
Weil das klassische Geschäft scheinbar zu wenig Ertrag abwirft, entwickeln die Finanzinstitute fortlaufend neue Produkte. Diese haben vor allem einen Zweck: die Kosten für die Kunden zu vergrößern und immer geschickter zu verschleiern. Zugleich sollen mit ihnen die Risiken breiter gestreut, vulgo abgewälzt, werden - auf die privaten Anleger, die Unternehmen und, ja, auf die dümmere Konkurrenz.
Für die Banken, die am meisten vom Geschäft verstehen, bedeutet das: höherer Ertrag bei geringerem Risiko - die beste aller Welten.
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