"Diese Idioten sind ja besessen"
Interview mit Michael O'Leary
12.03.2007, 15:45
Michael O'Leary (Foto: dpa)
Michael O'Leary, Chef der irischen Fluglinie Ryanair, ist ein Mann, der sagt, was er denkt. Im Interview mit der Süddeutschen Zeitung, scheut er sich nicht, auch über Konkurrenten herzuziehen.
"Diese Idioten", sagt er, "sind ja besessen davon, ja nur politisch korrekt zu sein und bei der Umweltlobby nicht anzuecken".
SZ: Herr O'Leary, in den vergangenen Wochen waren die Schadstoffemissionen das Thema schlechthin in den Medien. Die europäischen Fluglinien werden nicht umhin kommen, beim Emissionshandel mitzumachen.
O'Leary: Nein, stimmt nicht. Das Problem ist, dass die europäischen Fluglinien von Idioten bei British Airways oder Easyjet vertreten werden, die den Emissionshandel befürworten. Das ist doch nur eine Steuer auf das Reisen. Wir sollten dagegen sein. Der Luftverkehr ist für zwei Prozent der Emissionen verantwortlich - wir sollten ihn billiger machen und nicht teurer. Wir haben so viel in neue Technologien investiert, dass der Ausstoß pro Passagier immer weiter sinkt. Aber diese Idioten sind ja besessen davon, ja nur politisch korrekt zu sein und bei der Umweltlobby nicht anzuecken.
SZ: Also, was tun?
O'Leary: Den Luftverkehr weiter zu besteuern wird überhaupt nichts bringen. Sie können die Fliegerei zwei Jahre lang komplett einstellen, und es wird nichts ändern. Wenn Sie wirklich was tun wollen, sollten sie sich mal um Kraftwerke kümmern, die sind für 26 Prozent verantwortlich. Die ganze Debatte ist doch sowieso absurd: Russland wird nichts machen, die USA auch nicht, Asien auch nicht. Die lachen doch über diese Liberalen aus der europäischen Mittelklasse, die ach so besorgt sind. Die Chinesen nehmen jede Woche ein neues Kraftwerk in Betrieb.
SZ: Und warum konzentriert sich die Debatte dann so sehr auf den Luftverkehr?
O'Leary: Es ist doch viel sexyer, in einem Fernsehbeitrag ein Flugzeug abheben, als ein Schiff aus dem Hafen fahren zu sehen. Und dann diese Kondensstreifen am Himmel… Die Leute interessieren sich für Flugzeugabstürze, aber nicht für Eisenbahnunfälle.
SZ: Aber damit müssen Sie leben. Wie sehr werden diese Debatten Ihre Wachstumschancen beeinflussen?
O'Leary: Wir sind ernsthaft besorgt, dass Politiker sich mehr Steuereinnahmen besorgen werden in der Luftfahrt. Man kann die Debatte führen, was gegen Emissionen zu tun ist. Die Antwort ist: Investieren Sie in neue Technologien, bessere Triebwerke, weniger Verbrauch. Das Beste, was in dieser Hinsicht passieren kann, sind hohe Ölpreise - einen besseren Anreiz kann es gar nicht geben. Aber diese idiotischen Steuern. Wenn ich das schon höre: Würden Sie 50 Cent mehr zahlen, um die Welt zu retten? Ja, klar. Aber wird es die Welt retten? Natürlich nicht.
SZ: Sie haben sich zuletzt stark auf Deutschland konzentriert, anders als die letzten Jahre. Was hat sich in der Zwischenzeit getan?
O'Leary: Nichts, wir gehen einfach nach der Liste der Flughäfen vor, die uns die besten Angebote machen. Dieses Jahr waren es Marseille, Madrid, Bremen und Düsseldorf-Weeze. Wir haben immer gesagt, dass Deutschland einer unserer größten Märkte sein wird.
SZ: Also reiner Zufall, dass Sie derzeit hier so viel expandieren.
O'Leary: Ja.
SZ: Sie bieten hier aber keine Inlandsstrecken an. Wird sich das ändern?
O'Leary: Ja, irgendwann schon. Aber Sie brauchen an beiden Enden eine Basis. Wir haben uns Bremen-Frankfurt angeschaut, aber wir glauben nicht, dass es funktionieren würde. Wir werden in den nächsten zwei Jahren sicher auch eine Basis in Süddeutschland eröffnen, und dann wahrscheinlich nach Berlin oder Bremen fliegen. Aber eigentlich interessieren wir uns nicht so für die Inlandsstrecken. Das wichtigste an ihnen ist, dass sie kurz sind, und wir sie zwischen zwei längere einplanen können.
SZ: Ryanair spezialisiert sich eigentlich auf die kleinen Regionalflughäfen. Werden Sie auch Hauptflughafen nutzen, um weiter wachsen zu können?
O'Leary: Das machen wir ja schon zum Teil, wir fliegen nach Mallorca, Malaga, Rom, Barcelona.
SZ: Tuifly bietet jetzt Flüge ab Memmingen an. Wäre das nicht die Chance, sich auch in Bayern zu etablieren?
O'Leary: Wir verhandeln gerade mit sechs deutschen Flughäfen, zwei davon im Süden.
SZ: Und der Münchner Flughafen?
O'Leary: Wir haben denen einen Brief geschrieben, und gebeten, das Terminal 2 (das exklusiv von Lufthansa und Partnern genutzt wird, Anm. d. Red.) nutzen zu können. Wenn Sie sich anschauen, wie viel Geld der Flughafen mit dem Gebäude verliert, dann sind das illegale Subventionen für Lufthansa.
SZ: Und, haben Sie eine Antwort bekommen?
O'Leary: Ja, zwei Wörter: Haut ab. Aber irgendwann werden die auch merken, dass das echte Wachstum bei den Billigfluggesellschaften liegt und dann werden die uns auch hereinlassen.
SZ: Es ist still geworden in der Diskussion um traditionelle und Billigfluggesellschaften.
O'Leary: Ja, es gibt ja auch keinen Grund mehr, zu debattieren. Jeder akzeptiert, dass die Billigfluggesellschaften den Europaverkehr bald dominieren werden. Lufthansa, Air France und British Airways werden sich immer mehr zurückziehen und sich auf die Langstrecke konzentrieren. Der Grund, warum Bremen so scharf darauf war, uns zu bekommen, ist, dass Lufthansa sich immer mehr zurückgezogen hat.
SZ: Sie wollten zuletzt Ihren irischen Konkurrenten Aer Lingus kaufen, haben das Angebot aber wegen der EU-Untersuchungen zurückgezogen. Wird die Übernahme noch klappen?
O'Leary: Das ist eher unwahrscheinlich. Wir wollen abwarten, welche Auflagen die Kommission machen will und dann überlegen wir neu. Aber ich glaube nicht, dass etwas vor den Wahlen in Irland passieren wird. Die Regierung, die ja noch einen Anteil an Aer Lingus hat, ist schließlich gegen die Übernahme.
SZ: Denken Sie darüber hinaus an andere Übernahmen?
O'Leary: Ich sehe im Moment nichts, was wir kaufen würden.
SZ: Ryanair ist in den vergangenen Jahren bei den Treibstoffsicherungsgeschäften ordentlich danebengelegen.
O'Leary: Oh ja…
SZ: Sieht es künftig besser aus?
O'Leary: Keine Ahnung. Wenn die anfangen, im Iran herumzuballern, dann haben wir uns gut abgesichert. Wenn die Preise stark sinken, haben wir wieder Pech gehabt. Das Problem ist: Niemand kann das vorhersagen. Wenn ich's könnte, würde ich sofort in Rente gehen.
SZ: Apropos Rente. Sie haben zuletzt immer gesagt, in zwei, drei Jahren hören Sie auf. War das ernst gemeint?
O'Leary: Absolut ernst, aber ich sage das seit 15 Jahren.
SZ: Deswegen fragen wir.
O'Leary: Ich glaube, in fünf Jahren bin ich weg, ehrlich. In den nächsten zwei Jahren gibt es noch ein paar Angelegenheiten, die wir klären müssen: Aer Lingus, der Ausbau des Flughafens London-Stansted und so weiter. Wenn das erledigt ist, gehe ich.
SZ: Und dann?
O'Leary: Keine Ahnung. Ich habe eine junge Familie. Ich will nicht mehr so viel arbeiten. Ich habe sowieso mehr Geld verdient, als ich jemals ausgeben kann.
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![]() 13.03.2007 21:06:25 ambler: @Askan1 Ihre Wut kann ich durchaus verstehen, auch ich frage mich manchmal nach einer 50-Stunden-Woche, wozu ich das alles eigentlich mache. Allerdings sehe ich beim derzeitigen Hartz4-Satz keinen Spielraum mehr nach unten. Außerdem könnte man Ihre Argumentation ja endlos weiterstricken. Keine Kneipenbesuche, kein Kino, u.s.w. Aber wenn es sie beruhigt: die allerwenigsten Hartz4ler nutzen diese Angebote tatsächlich. Was mich ärgert: Eine Bekannte von mir, hoffnunglos langzeitarbeitlos, hat einen 5-Tage-Kurs für "Lichtdesign" vom Arbeitsamt spendiert bekommen, bei Siemens. Kosten: 1000 Euro, Nutzen: Null komma nichts. Mit dem Geld könnte ich grandios billigfliegen... ![]()
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