Anbieter erhöhen die Preise
Teure Energie
18.12.2008, 16:26
Neues Jahr, neue Preise: Etliche Stromanbieter verlangen künftig mehr Geld für Energie. (Foto: ddp)
Nach einer Erhebung des Internet-Vergleichsportals Check24.de, die der Süddeutschen Zeitung vorliegt, werden weitere 175 Stromanbieter ihre Preise zum 1. Januar oder spätestens zum 1. Februar anheben. In einer ersten Check24-Erhebung Ende November hatten bereits 305 Versorger Preissteigerungen zum Jahreswechsel angekündigt. Insgesamt verlangen nun also bereits 480 Versorger im neuen Jahr von ihren Kunden höhere Preise - das sind über die Hälfte aller Stromunternehmen.
Nachholbedarf im Süden
Nach Check24-Berechnungen müssen somit etwa 48 Millionen Einwohner von Januar an mehr für elektrische Energie zahlen. Dazu hat Check24 die Einwohnerzahlen in den jeweiligen Versorgungsgebieten der Unternehmen ermittelt und addiert. Besonders betroffen sind die Stromkunden in Bayern und Baden-Württemberg. Allein im Freistaat heben insgesamt 137 Unternehmen die Preise an, in Baden-Württemberg sind es 53Stromversorger. Hintergrund: Bislang zahlen die Stromkunden in Süddeutschland vergleichsweise weniger für Strom als Kunden in Nord- und Ostdeutschland. Entsprechend groß ist nach der Meinung von Marktbeobachtern nun der "Nachholbedarf" bei den Versorgungsunternehmen im Süden.
Im Durchschnitt steigen die Preise für einen Vier-Personen-Haushalt, der einen Jahresverbrauch von 4000 Kilowattstunden aufweist, um 8,4 Prozent. Die Spanne der Erhöhungen ist dabei relativ groß: So klettert der Preis für den Vier-Personen-Haushalt beim Elektrizitätsversorgungsunternehmen Waldsee in Rheinland-Pfalz um lediglich 0,6 Prozent; die Stadtwerke Dettelbach in Unterfranken verlangen dagegen von der vierköpfigen Familie von Januar an knapp 21 Prozent mehr für Elektrizität.
"Eine spannende Situation"
Holger Krawinkel, Strom-Experte beim Verbraucherzentrale-Bundesverband (VZBV), sieht "jetzt eine spannende Situation". Er rät den Verbrauchern, die sich über hohe Energiekosten ärgern, zum Anbieterwechsel. Viele der Firmen, die jetzt die Preise erhöhen, hätten im ersten Halbjahr 2008 Strom an den Energiebörsen als Terminkontrakte gekauft - damals war Strom aber wegen der hohen Preise für Öl und Gas besonders teuer. Mittlerweile sind die Preise wieder gesunken, erläutert Krawinkel: "Die Anbieter versuchen nun, ihre Fehlspekulationen auf die Kunden überzuwälzen."
Die Stromkunden sollten sich dies nicht gefallen lassen, rät der Verbraucherschützer: "Jetzt rentiert sich der Wechsel erst recht." Nur wenn die Verbraucher Druck auf die Anbieter ausübten, könne sich im Energiemarkt "die Spreu vom Weizen trennen", findet Krawinkel: "Wer billiger eingekauft hat, kann jetzt auch billiger anbieten."
Vergleichsmieten wie Check24, Verivox oder Toptarif liefern einen Überblick über die günstigsten Anbieter in der jeweiligen Region. Wer so einen günstigen Versorger gefunden hat, schickt dann dem Unternehmen seiner Wahl einen Antrag. Der neue Anbieter meldet den Kunden anschließend beim bisherigen Versorger ab und organisiert den kompletten Wechsel.
Ähnlich wie beim Strom stehen übrigens auch beim Gas Veränderungen an - allerdings nicht nur negative aus Sicht des Kunden. Denn 224 Gasversorger, das ist etwa ein Drittel aller Anbieter, werden im Januar oder Februar ihre Preise senken. Im Durchschnitt macht die Senkung 5,2 Prozent aus bei einem jährlichen Gasverbrauch von 20000 Kilowattstunden. 73 Gasversorger heben allerdings auch ihre Preise um im Durchschnitt knapp neun Prozent an. Im Laufe des Frühjahrs dürften weitere Preissenkungen folgen, zumindest haben einige Versorger für März, April und Mai bereits Preissenkungen angekündigt. Dann allerdings ist die Heizperiode gerade beendet. Verbraucherschützer kritisieren, die Senkungen kämen damit zu spät.
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