Himmlische Werte - mit dem Segen des Papstes
Euromünzen
10.01.2008, 14:52
Zur Einführung des Euro im Jahr 2002 wollte auch die ansonsten konservative katholische Kirche trendy sein und ließ für die Angestellten des Vatikans und für ausgewählte Personen eine geringe Anzahl von Euromünzen-Starterkits prägen - von 2000 Päckchen war die Rede. Diese geringe Auflage war somit vor der offiziellen Ausgabe "ausverkauft" und gelangte nie in den gewöhnlichen Geldumlauf.
Dabei dachte der Vatikan wohl nicht daran, wie begehrt diese verschweißten Raritäten in Sammlerkreisen sein könnten und reagierte verärgert, als so mancher mit diesen Sammlerstücken gutes Geld machte.
Auf seine Anfrage im Mai 2002, ob solche Starterkits für den Vatikan wirklich geprägt wurden, bekam Thomas Schmidtkonz weder ein Ja noch ein Nein als Antwort. Schmidtkonz, der seine Leidenschaft zum Beruf gemacht hat und als Chefredakteur die Internetseite sammler.com betreibt, hakte nach. Die italienische Münzprägeanstalt sah die Angelegenheit gelassener und bestätigte Schmidtkonz die Prägung dieser Starterkits für den Vatikan.
Himmlische Werte
Sechs Jahre später sind die Euromünzen mit dem Konterfei von Papst Johannes Paul II. wieder im Gespräch. Der Grund: Eine Studie der Dresdner Bank ergab, dass der Sammlerwert eines Starterkits aus dem Machtzentrum der katholischen Kirche mittlerweile bei 600 Euro liegt. Zieht man als Vergleichswert den Nennwert des Münzensets von 3,88 Euro heran, ergibt dies eine Wertentwicklung von mehr als 15.000 Prozent.
Nach Informationen des Kreditinstituts beruhen die Angaben auf einer Befragung bankeigener Münzexperten und auf eigenen Recherchen.
Der Numismatiker Helmut Kahnt, Chefredakteur von Münzen und Sammeln, bestätigt im Gespräch mit sueddeutsche.de die Richtigkeit der Zahlen - mit einer kleinen Einschränkung: "Eine Wertentwicklung von 15.000 Prozent - das ist so keine seriöse Information für einen Numismatiker." Man dürfe nicht vom Nominalwert - also vom gesetzlich festgelegten Münzwert - des Starterkits ausgehen, sondern müsse den Verkaufswert unter Sammlern bei Markteinführung als Berechnungsgrundlage heranziehen. Der Nominalwert könne nicht als Basispreis dienen.
Außerdem soll diese Momentaufnahme den Laien nicht täuschen - wurde doch für ein Starterkit mit Vatikan-Münzen zwischenzeitlich schon bis zu 1000 Euro bezahlt. "Es fand also eher ein Wertverfall statt, wenn jetzt mit einem Sammlerwert von 600 Euro gerechnet wird," analysiert Kahnt. Und Schmidtkonz gibt zu bedenken, dass dies nur Richtwerte seien, die im Einzelfall stark nach oben oder unten abweichen können.
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