Die Banken hatten mit ständig steigenden Häuserpreisen gerechnet - jetzt bekommen sie die Quittung. Experten befürchten eine Weltwirtschaftskrise "wie in den dreißiger Jahren"
Wenn jemand weiß, dass Politiker jedwede Aussage zur Entwicklung an den Weltfinanzmärkten sorgfältig wägen sollten, dann ist es Lawrence Summers. Während seiner Zeit als Finanzminister Bill Clintons reichte oft ein einziger Satz von ihm, um die Kurse an den Aktien- oder Devisenbörsen in die Höhe schießen zu lassen oder aber auf Talfahrt zu schicken.
Vielen Finanzministern, auch den deutschen, passierte Ähnliches, meist zu Beginn ihrer Amtszeit: "Herr Minister, Sie haben gerade aus Versehen den Dollar versenkt", ist einer der Sätze, die Theo Waigel ebenso zu hören bekam wie Hans Eichel oder Peer Steinbrück. Das prägt.
Umso mehr horchen die Kapitalanleger in aller Welt auf, wenn einer der Herren plötzlich Klartext redet - selbst Jahre nach seinem Ausscheiden aus dem Amt. In einem Beitrag für die englische Zeitung Financial Times schrieb Lawrence Summers diese Woche, er halte die Krise am amerikanischen Immobilienmarkt für so gravierend, dass "die Negativfolgen noch über das Ende des Jahrzehnts hinaus spürbar bleiben" könnten.
Die Sorge scheint berechtigt zu sein: Noch vor Wochen sah es so aus, als würden die Verluste im Geschäft mit US-Hypothekendarlehen geringer Bonität zwar die Bilanzen einiger Banken ramponieren, nicht aber die Weltwirtschaft insgesamt beeinträchtigen.
Nach immer neuen Enthüllungen, neuen Wertberichtigungen und neuen Verlusten der Finanzhäuser aber glaubt kaum noch jemand an diese optimistische Variante. Im Gegenteil: Viele Experten fürchten nun, dass das Schlimmste noch bevorsteht.
Nach Schätzung von Fachleuten werden die Banken in aller Welt zwischen 300 und 500 Milliarden Dollar verlieren, weil sie sich - vereinfacht gesagt - mit Wettgeschäften auf immer weiter steigende Häuserpreise in den USA verspekuliert haben. Bis heute haben die großen Kreditinstitute aber lediglich Ausfälle von insgesamt rund 50 Milliarden Dollar eingestanden. Das heißt nichts anderes, als dass bislang erst die Spitze des Eisbergs zu sehen ist.
Für diese These spricht, dass die Banken erst Geschäftszahlen bis Ende August oder Ende September vorgelegt haben. Seither hat sich die Krise aber weiter verschärft. Zudem stehen den amerikanischen Immobilienbesitzern im ersten Quartal 2008 kräftige Zinserhöhungen bevor. Viele von ihnen werden ihre Kredite dann nicht mehr bedienen können.
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