"Netter Kerl" mit familiären Problemen
Société Générale
25.01.2008, 09:07
Der Börsenhändler Jerome Kerviel, der die französische Großbank Société Générale (SG) durch seinen spektakulären Betrug in die tiefste Krise ihrer Geschichte geführt hat, soll familiäre Probleme gehabt haben, wie Gewerkschaftsvertreter berichteten. Der Händler habe "möglicherweise etwas den Verstand verloren", sagte einer der Arbeitnehmervertreter, Alain Treviglio, von der Gewerkschaft CFDT.
Kerviel, der mit Scheingeschäften einen Schaden von fast fünf Milliarden Euro angerichtet hat, ist entgegen anderslautenden Berichten aber nicht auf der Flucht. Der 31-Jährige stehe den Behörden zur Verfügung, sagte sein Anwalt in Paris. In Marktkreisen kursieren Gerüchte, dass der junge Mann mit seinen Aktiengeschäften möglicherweise Auslöser des Aktiencrashs zu Beginn dieser Woche gewesen sein könnte. Weltweit waren die Börsen abgestürzt und hatten teilweise Panikverkäufe ausgelöst.
Vorstand verzichtet auf Gehalt und Boni
Der Händler hat einen Master-Abschluss der Universität Lyon und arbeitete seit 2000 bei der Pariser Bank. Dort soll er 2007 trotz aller Kontrollen seine verlustreichen Geschäfte verschleiert haben. Der Bank zufolge war der als intelligent beschriebene Mann ein Einzeltäter und hat sich nicht bereichert. Eine frühere Hochschullehrerin beschrieb Kerviel als "brillanten" Studenten. "Er war ein netter Kerl", sagte sie.
Wegen des Milliardenschadens hat die Société Générale eine Kapitalerhöhung angekündigt, obwohl sie nach eigenen Angaben nicht in die Verlustzone rutscht.
Vor allem Vorstandschef Daniel Bouton geriet in Erklärungsnot, sein Rücktrittsangebot lehnte der Verwaltungsrat aber ab. Bouton mühte sich, die Wut der Anleger zu besänftigen. Er entschuldigte sich und erklärte, er und sein Stellvertreter Citern würden auf ihren Bonus von 2007 und ihr Gehalt für die erste Jahreshälfte 2008 verzichten. Die Aktien des Instituts waren am Donnerstag zunächst vom Handel ausgesetzt.
Unzureichende Risikokontrolle
Der einstige Börsenhändler Nick Leeson zeigte sich von der jetzt aufgeflogenen Milliardenveruntreuung nicht überrascht. Leeson, der mit Fehlspekulationen 1995 die britische Barings Bank in den Ruin getrieben hat, sagte der Frankfurter Rundschau, in der Finanzwelt sei die Risikokontrolle nicht genügend ausgebaut. Deshalb könnten auch große Fälle wie seiner oder der bei der
französischen Großbank jederzeit passieren.
"Aber von zahlreichen Betrugsfällen erfahren wir nichts, weil die Banken für gewöhnlich alles unternehmen, dass nichts an die Öffentlichkeit gelangt", sagt Leeson, der wegen Betrugs zu sechseinhalb Jahren Haft verurteilt worden war. Auch heute noch schenkten Großbanken ihren Händlern blindes Vertrauen und investierten enorme Summen in Märkte, die sie gar nicht hinreichend bewerten könnten.
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![]() 25.01.2008 14:25:13 Waldheim, Karl: Plain vanilla ... die reine Sahne, ist vor allem der Verlust. Aber es ist richtig, daß mit Plain Vanilla die ältesten und am weitest verbreiteten Optionen bezeichnet werden. Gleichwohl haben diese eine sehr unangenehme Eigenschaft, die schwer zu kontrollieren ist, das ist das von von der Volatilität des Marktes abhängige Aufgeld (und diese steigt nun mal drastisch in solch hektischen Zeiten). Angenommen, der Händler hat Optionsscheine mit hohem Hebel und relativ kurzer Laufzeit verkauft und der Markt läuft gegen ihn, so werden die Optionen überproportional teurer. Die Margin, die er für solche Geschäfte hinterlegen muß, ist dann in kürzester Zeit aufgebraucht und der Händler wird aufgefordert, weiteres Geld nachzuschießen oder das Geschäft mit erheblichem Verlust zu schließen. So kann man mit relativ kleinen Beträgen riesige Werte bewegen - bis zum Tag der Wahrheit - Dann hat man entweder viel gewonnen oder alles verloren. Das sind aber keine Geschäfte, die eine Bank mit dem Geld ihrer Kunden betreiben darf. ![]()
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