Angst vor der nächsten Krise: China hat eine neue Leitwährung für die Welt gefordert - damit der Dollar keinen Schaden mehr anrichtet.

China verfügt über zwei Billionen Dollar an Währungsreserven. Foto: Bloomberg

Angesichts der heftigen Auswirkungen der Wirtschaftskrise in den USA hat China eine neue Leitwährung für die Welt gefordert. Diese solle an die Stelle des US-Dollars treten und verhindern, dass das weltweite Finanzsystem durch das Handeln einzelner Staaten beeinflusst werde, sagte Chinas Zentralbankchef Zhou Xiaochuan. Gesteuert werden soll das neue Währungssystem demnach vom Internationalen Währungsfonds (IWF).

"Der Ausbruch der Krise und ihr Ausbreiten auf die gesamte Welt haben die Verletzlichkeit und die systemischen Risiken des bestehenden internationalen Währungssystems gezeigt“, schrieb Zhou in einem auf der Website der Zentralbank veröffentlichten Essay.

Währungsreserven in Dollar

China hat mit fast zwei Billionen Dollar den Großteil seiner Währungsreserven in Dollar angelegt. Das Land beobachtet die Politik der US-Regierung gegen die Wirtschaftskrise nun argwöhnisch und fürchtet, das Vorgehen der USA könne eine massive Abwertung des Dollars - und damit der eigenen Reserven - bewirken.

Es werde wohl einige Zeit dauern, bis sich die Idee der Einführung einer neuen Leitwährung durchsetze, schrieb Zhou. Aber auch "kurzfristig müssten die internationale Gemeinschaft und vor allem der Internationale Währungsfonds zumindest die Risiken des aktuellen Systems anerkennen“. Notwendig seien daher schon jetzt "regelmäßige Kontrollen und Bewertungen“.

Zhou deutete in seinem Essay an, die sogenannten Sonderziehungsrechte des IWF könnten als Leitwährung dienen. Diese sind eine Art Kunstgeld, das der Währungsfonds 1969 eingeführt hat.

Die Sonderziehungsrechte basieren auf einem Korb unterschiedlicher Währungen und stellen eine Finanzreserve des IWF dar. Sie haben seit ihrer Schaffung wieder an Bedeutung verloren und dienen heute als Recheneinheit des IWF und verschiedener internationaler Organisationen. Laut Zhou hätten die Sonderziehungsrechte aber "das Potential, supranationale Reservewährung zu werden“.

Die Zukunft des globalen Finanzsystems und damit auch Währungsfragen stehen auf der Tagesordnung des Treffens der 20 führenden Wirtschaftsnationen und Schwellenländer (G 20) Anfang April in London.

Auch Russland hatte bereits vorgeschlagen, eine supranationale Reservewährung zu schaffen.

(sueddeutsche.de/AFP/hgn/mel)