Die Rückkehr der Pokerspieler

    Ölpreis

    19.06.2009, 11:07

    Von Silvia Liebrich

    Sind hier Spekulanten am Werk? Trotz schwacher Nachfrage ist der Ölpreis massiv angestiegen. Analysten fürchten schon jetzt das Platzen der Blase.

    Ölpreis, Sepkulanten, Hedgefonds, dpa, SZ-GrafikGrossbild

    Das Werk von Spekulanten? Der Ölpreis steigt wieder - zum Vergrößern auf die Grafik klicken. (Foto: dpa / Grafik: SZ)

    Es ist auf den ersten Blick ein widersprüchliches Signal, das der Ölmarkt in diesen Tagen aussendet: Obwohl die Nachfrage nach dem Rohstoff schwach bleibt, ziehen die Ölnotierungen bereits wieder kräftig an. Innerhalb der vergangenen sechs Monate haben sie sich mehr als verdoppelt. Ein Fass Nordseeöl kostete am Mittwoch zeitweise knapp 71 Dollar. Angesichts dieser Entwicklung liegt der Verdacht nahe, dass Spekulanten wie etwa Hedgefonds am Werk sein könnten, die den Markt zu ihren Gunsten manipulieren.

    Doch ist dem tatsächlich so? Die Meinungen darüber gehen auseinander. Zum Gros der Analysten, die wenig von dieser Theorie halten, gehört Eugen Weinberg von der Commerzbank. Er sieht durchaus handfeste Gründe für den Preisanstieg: "Eine große Rolle spielt die Erwartung vieler Anleger, dass die Ölnachfrage im zweiten Halbjahr wieder deutlich steigen wird", sagt der Rohstoffanalyst. Deshalb werde wieder mehr Kapital am Ölmarkt investiert.

    Angst vor der Blase

    Wird viel Anlegergeld in einen Markt gepumpt, führt dies in der Regel zu einem zusätzlichen Preisanstieg, der nicht durch eine höhere physische Nachfrage verursacht wird. Im Extremfall kann sich so eine Spekulationsblase bilden, die spätestens dann platzt, wenn Investoren reihenweise ihr Kapital wieder abziehen, um es woanders anzulegen. Gewinnbringende Anlagen sind derzeit jedoch dünn gesät. Für einen großangelegten Wiedereinstieg an den Aktienmärkten fehlt vielen Investoren das Vertrauen.

    Das wachsende Interesse von Investoren am Ölmarkt lässt sich auch mit Zahlen belegen. Allein seit Anfang 2007 verdoppelten sich die Umsätze mit Ölkontrakten an den Rohstoffbörsen. Parallel dazu legten auch die Ölpreise deutlich zu - bis auf 143 Dollar im vergangenen Sommer. Dem Rekordhoch folgte mit dem Ausbruch der Finanzkrise ein jäher Absturz bis auf 32 Dollar im Dezember. Viele Investoren, die sich damals zurückgezogen haben, steigen nun wieder ein, was den Ölpreis in die Höhe treibt.

    "Investoren haben neue Zuversicht gewonnen - insbesondere aus China kommen bessere Nachrichten", erklärt Jochen Hitzfeld, Rohstoffexperte bei Unicredit. "Das hat entscheidenden Einfluss auf den Ölpreis."

    Warnungen vor zu großem Optimismus

    Diese Einschätzung wird auch durch den World-Energy-Bericht bestätigt, den BP vor wenigen Tagen vorlegte. Demzufolge verbrauchen die Entwicklungsländer erstmals in der Geschichte mehr Öl als die reichen Industriestaaten. "Der Schwerpunkt der globalen Energiemärkte hat sich deutlich und unwiderruflich in Richtung Schwellenländer, insbesondere China, verschoben", so BP-Chef Tony Hayward.

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    Schenkt man der Prognose der Internationalen Energieagentur (IEA) Glauben, dann wird sich die Ölnachfrage im zweiten Halbjahr zumindest nicht weiter abschwächen, sondern auf niedrigem Niveau stabilisieren. Die IEA warnte zugleich aber vor zu großem Optimismus: Eine Erholung der Weltwirtschaft sei daraus noch nicht abzuleiten.

    2009 wird die Ölnachfrage den Prognosen zufolge so stark zurückgehen wie seit 1981 nicht mehr, auf einen Tagesbedarf von 83 Millionen Fass Öl pro Tag. In den Aktienkursen der Ölkonzerne spiegelt sich der steigende Rohstoffpreis noch nicht wider. Branchenbeobachter rechnen für dieses Jahr mit erheblichen Gewinneinbrüchen in der Branche, verursacht durch den Absturz der Ölpreise.

    Viele neue Förderprojekte wurden deshalb zurückgestellt. Die starken Preisschwankungen des vergangenen Jahres erschweren zudem eine zuverlässige Investitionsplanung. Ölkonzerne wie Exxon, Total, BP und Shell spielen daher auf Zeit - Milliarden-Investitionen zahlen sich bei den meisten Projekten erst ab einem Ölpreis von 70 Dollar je Fass aus. Doch dieser Investitionsstau dürfte den Ölpreis in neue Rekordhöhen treiben, sobald die Weltwirtschaft anzieht - genau darauf spekulieren viele Anleger am Ölmarkt.

    Brent Crude Rohöl ICE

    WKN: ISIN: Typ: Branche:
    COM062 XC0009677409 Rohstoff Energierohstoffe

    (SZ vom 19.06.2009/as/tob)

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    Leserkommentare (9)



    19.06.2009 17:57:34

    oildrum: Öl ist endlich! Die Nachfrage ist gesunken, die Produktion aber auch.

    Die Produktion wird weiiter sinken, die Ausage von peak oil ist richtig.

    de.wikipedia.org/wiki/Globales_%C3%96lf%C3%B6rdermaximum

    energiekrise.de

    Das die Spekulation einen Anteil am Preis hat ist unstittig aber nicht der entscheidende Punkt.


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