"Manager hören einer Frau lieber zu"

    Börsenmoderatorin Anja Kohl

    30.06.2008, 7:35

    Interview: Hans von der Hagen
    Video: Marcel Kammermayer

    Die ARD-Börsenmoderatorin Anja Kohl über Dachs und Dax, Kreditkrise und New Economy - und den Unterschied zwischen Männern und Frauen.

    Anja Kohl

    Anja Kohl: Viele Manager hören lieber einer Frau zu und lassen sich auch gerne von ihr befragen. (Foto: Kammermayer)

    Hinter Anne Will, aber vor Monica Lierhaus wählte 2007 ein Boulevardmagazin Anja Kohl auf Platz fünf als "Miss Fernsehen". Dabei bringt sie ein Thema in die deutschen Wohnzimmer, das gerade in Deutschland als schwierig gilt: die Börse. Kohl moderiert die "Börse im Ersten" sowie den Börsenteil in den Nachrichtensendungen wie den Tagesthemen. 20 Jahre gibt es nun den Dax - rund zehn Jahre ist die Moderatorin schon auf dem Börsenparkett dabei. sueddeutsche.de hat mit ihr gesprochen.

    sueddeutsche.de: Der Dax feiert seinen zwanzigjährigen Geburtstag. Wie viele Deutsche denken trotzdem beim Namen Dax zuerst an ein Tier und nicht an den Börsenindex?

    Anja Kohl: Ich hoffe, dass die meisten nicht nur an das Tier denken, selbst wenn es einst ein sehr nützliches Tier war. Denken Sie nur an den Rasierpinsel. Was unseren Dax angeht, haben vor allem in der New Economy die Menschen angefangen, sich für Aktien zu interessieren. Sie haben sicher dabei auch leidvolle Erfahrungen gemacht, aber letztlich hat sich dadurch doch eine gewisse Aktienkultur in Deutschland etabliert.

    sueddeutsche.de: Hat der Dax das Verhältnis der Deutschen zur Aktie verändert?

    Kohl: Er ist der Herzschlag der deutschen Wirtschaft, die EKG-Kurve, die auch wir laufend im Fernsehen zeigen. Dieses Bild dürften mittlerweile viele verinnerlicht haben, so dass sie beim Stichwort Aktie zumindest den Dax vor Augen haben.

    sueddeutsche.de: Die Börse nennt ihn eine Erfolgsgeschichte. Ist es eine?

    Kohl: Es ist eine absolute Erfolgsgeschichte. Diejenigen, die in den letzten 20 Jahren investiert haben, sind kräftigst belohnt worden. Der Dax weist über die Jahre gesehen eine sehr stabile Entwicklung auf.

     
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    sueddeutsche.de: Allerdings gab es auch einige sehr kräftige Rückschläge und der kleine Bruder des Dax, der Neue-Markt-Index Nemax wurde verschämt beerdigt, weil die Anleger mit ihm nur noch schlechte Erinnerungen verbanden. Haben die Deutschen selbst nach 20 Jahren Dax nicht immer noch ein zwiespältiges Verhältnis zur Aktie?

    Kohl: Es gab Rückschläge, doch ich glaube, dass die Deutschen die Börse insgesamt positiv sehen. Börse - das sind auch die Aktien von Unternehmen wie Bayer, Daimler oder BMW, mit Produkten, die die Leute kennen und schätzen. Negativ wirken sich dagegen die Wirtschaftsskandale aus: Steuerhinterziehung oder Bilanzfälschungen. Doch davon waren die großen Konzerne kaum betroffen. Wir haben in Deutschland eher ein Managerproblem, kein Firmenproblem. Die Managerlöhne gehen mit der Börse nach oben, die Angestelltengehälter steigen hingegen mit der Inflationsrate. Das lässt sich den Leuten nicht mehr vermitteln.

    sueddeutsche.de: Spielen diese Themen auch hier auf dem Börsenparkett eine Rolle? Die Börsenmakler verdienen auch nicht schlecht.

    Kohl: Das wird auch hier diskutiert, doch die Börsenmakler und Analysten haben ein ganz eigenes Problem: Sie gelten selbst als Buhmänner. Zu unrecht: Sie machen auch nur ihren Job. Die Deutschen haben einfach ein schwieriges Verhältnis zum Geld. In den USA gilt es als gut, wenn man viel Geld verdient: Man kann damit viel bewirken und schaffen. In Deutschland will man Geld haben, aber nicht darüber sprechen.

    Auf der nächsten Seite: Was Anja Kohl in der New Economy erlebte

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    Leserkommentare (4)



    01.07.2008 10:15:37

    BennoR: ... sehen ihr ins Dekollete ...

    ... stellen rationale Denkvorgänge ein und agieren nur noch instinktgesteuert ... darum haben die Vorstände der Gläubigerbanken so jämmerlich bei der Kreditvergabe an Herrn Pooth agiert! Ein Blick in Veronas Ausschnitt und nur noch archaische Handlungsmuster gelangen.


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