Zum Tod von Apple-Gründer Steve Jobs Mensch der unbegrenzten Möglichkeiten

Wenn man von Menschen spricht, die die Welt verändert haben, fallen einem zuerst große Politiker oder große Verbrecher ein. Steve Jobs gehörte zu keiner der beiden Kategorien, der Apple-Chef hat aber den Beginn des digitalen Zeitalters und damit auch unsere Gesellschaft mitgestaltet. Doch gerade weil er eine Ausnahmepersönlichkeit war, ist der Bestand seines Imperiums keineswegs gesichert.

Ein Kommentar von Kurt Kister

Zu keiner Zeit hat sich die Welt so sehr und so schnell gewandelt wie in den vergangenen dreißig Jahren. Digitaltechnologie, Satelliten und das Internet haben bewirkt, dass theoretisch von jedem Ort der Erde jeder Mensch mit jedem anderen Menschen in Verbindung treten kann.

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Politisch führt dies dazu, dass sich Ideen und Informationen mit mehr als Windeseile verbreiten und letztlich auch nicht von absurden Zensurstaaten wie China aufgehalten werden können.

Ökonomisch bedeutet es, dass Geschäfte, aber auch Krisen zwischen Shanghai und Toronto tagesaktuell wirken. Und im Privatleben vieler Menschen bestimmen PC und Smartphone, MP3-Spieler und Tablet den Alltag am Arbeitsplatz oder daheim.

Das 20. Jahrhundert wurde, nicht zuletzt von den Amerikanern selbst, gerne das amerikanische Jahrhundert genannt. Das hatte in erster Linie machtpolitische Gründe. Auch das 21. Jahrhundert begann als ein amerikanisches Jahrhundert. Das hängt zusammen mit Firmen wie Microsoft und Apple, mit Menschen wie Bill Gates und Steve Jobs.

Schöpfer neuer Gattungen

Gates steht immer noch für jene Software, die einen großen Teil der neuen Welt bewegt. Jobs wiederum hatte entscheidenden Anteil an der Schaffung von Geräten, die stil- und denkprägend für den jüngsten Abschnitt der Ära der Digitalisierung sind: iPod, iPhone und iPad (sowie das mit ihnen verbundene relativ rigorose Geschäftsmodell). Dass Apple und Microsoft gerade in der digitalen Welt so viele entschiedene Feinde haben, bestätigt eigentlich nur ihre Bedeutung.

Wenn man von Menschen spricht, welche die Welt verändert haben, fallen einem zuerst große Politiker oder große Verbrecher ein. Jobs gehörte zu keiner der beiden Kategorien, und dennoch hat seine Denkweise, die sich in jenen iSehnsuchtsmaschinen manifestiert, nachhaltig das Tun und Trachten von Abermillionen beeinflusst. Er hat mit seiner Firma, die sehr auf ihn zugeschnitten war, die Möglichkeiten der neuen Technologie in wunderbar bedienbare Nützlichkeiten umgesetzt.

Das Klischee des amerikanischen Traums

Jobs hatte verstanden, dass es darauf ankommt, den Menschen Dinge zu bieten, die sie brauchen können, die Spaß machen und die noch dazu gut aussehen. Wäre das nicht der Fall gewesen, würden iPod oder iPhone heute nicht als Gattungsbegriffe für das Zeitalter der digitalen Kommunikation stehen.

Steve Jobs lebte durchaus das Klischee des zeitlosen amerikanischen Traums. Seine Geschichte vom Garagenbastler zum Multimilliardär ist so oft erzählt worden, dass sie längst aus der Wirklichkeit ins Reich der Legenden hinübergewachsen ist.

Das hat damit zu tun, dass Jobs zu jenen Ausnahmepersönlichkeiten zählte, die unter bestimmten Umständen aus dem Nichts ein Imperium schaffen können. Manche dieser Imperien überdauern den Tod ihres Gründers. Bei anderen ist dies nicht der Fall, gerade dann nicht, wenn Charisma, Kreativität und Mut des Gründers entscheidend für den Aufstieg waren.

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