Das Urheberrecht schützt das geistige Eigentum: Es soll den Schriftstellern, Musikern, Sängern und Komponisten einen Verdienst an ihren Werken sichern. Doch dieses Urheberrecht zerbröselt im Internet, es wird zerrieben in den Tauschbörsen. Das geistige Eigentum ist heute so flüchtig wie nie: "Geistig" bezeichnet heute nicht nur die investierte Substanz, sondern auch den Aggregatzustand dieses Eigentums.
Die Kreation des geistigen Eigentums entsprang dem Geist der Aufklärung: Als nach der Jahrtausend-Erfindung Gutenbergs immer mehr Nachdrucker von Büchern behaupteten, sie hätten das Recht zum Nachdruck durch den Kauf eines Exemplars erworben, schrieb Immanuel Kant seine Abhandlung "Von der Unrechtmäßigkeit des Büchernachdrucks" und wies darin den Verfassern ein "unveräußerliches Recht" zu. Ein Werk - also das Buch, die Komposition, die Interpretation eines Lieds - gilt seitdem als ein wirtschaftlich verwertbarer Teil seines Schöpfers. Und das Urheberrecht bildet sozusagen eine Mauer aus Paragraphen, welche die geistige Leistung des Urhebers umgibt. Wer hinein will, muss zahlen: Honorare und Lizenzen. Das ist die Grundidee, sie hat zweihundert Jahre leidlich gut funktioniert. Aber dann kam das Internet. Jetzt funktioniert sie nicht mehr, weil die Mauer durch die neuen Techniken leicht durchbrochen werden kann - und zwar milliardenfach.
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Die Versuche der Musikindustrie, CDs digital zu verplomben, sie also mit technischem Kopierschutz zu versehen, sind wenig erfolgreich. Einmal geknackt verhält es sich mit dem Kopierschutz wie mit einem gesprungenen Ei. Der Gesetzgeber und die Verwertungsgesellschaften der Urheber setzen also weiterhin auf rechtlichen Schutz: Downloader sollen (jedenfalls dann, wenn ihr Tun die Kleinkopisten-Grenze überschreitet) mit Auskunftsansprüchen, Schadenersatzforderungen und Strafen überzogen werden. Das soll erstens abschreckend auf Raubkopierer wirken, zweitens den Urhebern doch noch zu etwas Geld verhelfen und drittens ein Bewusstsein dafür schaffen, dass das geistige Eigentum richtiges Eigentum ist und seinen Wert hat.
Kritiker bezweifeln, dass das noch funktioniert. Sie fordern den weitgehend freien Zugriff auf geistiges Eigentum. Das Urheberrecht sei in erster Linie ein Recht der Firmenimperien. Der amerikanische Rechtsprofessor Lawrence Lessig spricht von "Kulturfeudalismus". Die Freiheit der Kultur dürfe behindert werden. Heribert Prantl
(SZ vom 23.08.2008)
Debatte über Urheberrecht