Zehn Jahre Google Das Imperium rechnet zurück

Google ist einst als freundlicher Außenseiter angetreten - heute ist das Unternehmen für viele eine Datenkrake.

Von Alexander Stirn

Am Anfang war das Wort, genauer gesagt drei Worte. "Don't be evil" platzte es aus Google-Programmier Paul Buchheit heraus, als er im Sommer 2001 zusammen mit Kollegen nach Leitlinien für seinen Arbeitgeber suchte. "Tu nichts Böses." Die Runde reagierte begeistert. "Behandle jeden mit Respekt", war zuvor durchgefallen, genauso wie "Erscheine pünktlich bei Sitzungen."

Nichts schien zu der antiautoritären Aura des Unternehmens zu passen. Dann diese drei Worte: "Tu nichts Böses." Sie sollten zu einem Synonym für Google werden. Und sie sind noch heute das, woran sich die Firma messen lassen muss. Mit, wie Kritiker sagen, immer weniger Erfolg.

Damals, im Sommer 2001, war das Weltbild aber noch in Ordnung, die Rollen schienen klar verteilt: Böse war Microsoft. Mit seinem Quasi-Monopol bevormundete der Software-Konzern in den Augen der Google-Rebellen seine Kunden. Er zwang ihnen schlechte Software zu überhöhten Preisen auf und bekämpfte aggressiv jede Konkurrenz.

Microsoft gegen Google

Google dagegen war die Unschuld in Person. Nicht einmal drei Jahre waren vergangen, seit die Stanford-Doktoranden Larry Page und Sergej Brin am 7. September 1998 die Firma offiziell gegründet hatten. Der Garage im kalifornischen Menlo Park, in der die beiden die Gehäuse ihrer Rechner noch aus bunten Legosteinen gebaut hatten, waren Page und Brin zwar längst entwachsen. Die Firma umwehte aber immer noch der Hauch eines freundlichen Außenseiters, der nur das Beste für seine Nutzer will: optimale Suchergebnisse.

Heute bläst der Sturm der Entrüstung Google mitten ins Gesicht. Der Konzern sei die "größte und einflussreichste Detektei, die die Welt jemals erlebt hat", sagt der Grazer Informatikprofessor Hermann Maurer, der einen 187 Seiten starken Bericht zu "Gefahren und Chancen großer Suchmaschinen" erstellt hat.

Der österreichische Autor Gerald Reischl warnt in seinem Buch "Die Google-Falle": Mit seinen vielen Diensten sei Google zu einer "unkontrollierten Weltmacht im Internet" geworden. Und der Informatiker Edward Felten von der Universität Princeton sieht in Google das "vielleicht größte Datenschutzproblem in der Geschichte der Menschheit".

Die Ware Information

Was den Konzern - je nach Sichtweise - so erfolgreich oder so gefährlich macht, ist seine Art zu arbeiten. Es ist ein ständiges Geben und Nehmen: Google offeriert dem Internetnutzer eine möglichst perfekte Suchmaschine, im Gegenzug sammelt der Konzern alle möglichen Informationen über die Menschen vor den Rechnern.

Mit den Daten werden, so das Versprechen, die Suchergebnisse verbessert. Aber nicht nur das, schließlich ist Google kein Wohlfahrtsverein: Die gesammelten Informationen nutzt der Konzern auch, um jedem Surfer individuell zugeschnittene Werbung zu präsentieren. Damit verdient Google sein Geld. Und das nicht schlecht. Im vergangenen Jahr lag der Gewinn nach Abzug der Steuern bei 4,2 Milliarden Dollar.

Aus der Garage an die Börse

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