Zehn Jahre Facebook Sage nur, wer du jetzt bist

Was kommt nach Facebook? An seinem zehnten Geburtstag steht das soziale Netzwerk nach den Maßstäben der Finanzindustrie kerngesund da. Und doch grollt es in der digitalen Gesellschaft. Nicht alle wollen sich an Mark Zuckerbergs Spielregeln halten - und werfen sie einfach über den Haufen.

Von Pascal Paukner, San Francisco

Es geht um Sex. Auch um Drogen. Krankheiten? Immer mal wieder. Der spektakulärste Club, den das Internet derzeit zu bieten hat, ist eben nichts für Bangbüxen. Laut ist es hier, dreckig und nie langweilig. Wer mitmachen will, spaziert einfach rein. Name? Herkunft? Aussehen? Beruf? All das interessiert nicht.

"Whisper" heißt der Netz-Verein, der derzeit die amerikanische Jugend aufmischt. Wer hier mitmacht, muss nichts hinterlassen: Keine E-Mail-Adresse, keine Telefonnummer. Einfach starten und schreiben. Nutzerprofile? Freundschaften? Das gibt es alles nicht. "Whisper" wird von seinen Architekten mit: "Where the truth lives" beworben. Die Wahrheit liegt nach Ansicht der Konstrukteure im Verborgenen, im Geheimen, in der Anonymität.

Zehn Jahre wird Facebook am 4. Februar nun auch schon alt. Der Monopolist regiert unangefochten. Und doch tut sich etwas in der digitalen Gesellschaft. Noch ist es wenig mehr als ein kollektiver Groll, der sich mit den Metriken der Finanzindustrie nicht messen lässt. Facebook ist beliebt an der Wallstreet. Aber es gibt inzwischen auch Indizien, die einen Kulturwandel vermuten lassen.

Whisper ist ein Zeichen für einen Kulturwandel

Der Erfolg von "Whisper" ist eines dieser Anzeichen. Drei Milliarden Seitenaufrufe hatte die dazugehörende App fürs Smartphone im vergangenen Dezember. Dieses Angebot steht stellvertretend für eine Reihe neuer Kommunikationskonzepte, die alle eint, dass sie mit den bestehenden Regeln in sozialen Netzen brechen.

"You are who you are when no one is looking", steht auf der Tapete, mit der die Entwickler von Whisper ihren Blog geschmückt haben. Ein Satz, der verdeutlicht, worin das Problem unseres Zusammenlebens im digitalen Raum derzeit besteht. Denn all den Netzwerken, ob sie nun Facebook, Linkedin oder Google Plus heißen, liegt der Gedanke zugrunde, dass das Netz ein besserer Ort ist, wenn die Menschheit sich dort mit ihrer bürgerlichen Identität bewegt.

Die vielen Gesichter des Gesichtsbuchs

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Selbst wer sich auf Facebook mit einem falschen Nachnamen registriert, bleibt von seinem sozialen Umfeld in der Regel eindeutig identifizierbar. Lange Zeit hatte Mark Zuckerberg seinem Netzwerk eine rigide Klarnamenpolitik verordnet. Das war die ausdrückliche Unternehmenspolitik.